Joleen packt schon mal den Tornister. Noch ist Homeschooling angesagt, aber ab kommender Woche geht sie nach langer Zeit wieder in die Waldschule. © privat
Schule und Corona

Streit um Joleens (8) Schulbesuch erreicht nächste Stufe

Der Streit um den Schulbesuch der achtjährigen Joleen geht weiter. Attestpflicht, Bußgeldbescheid, Dienstaufsichtsbeschwerden sind weitere Etappen. Doch nun ändert sich die Ausgangslage

Seit vielen Wochen ist Joleen nicht mehr in der Schule gewesen. Zuletzt ging es ihr wie allen anderen Kindern auch, die zu Hause im Homeschooling lernen. Doch im Herbst bis Mitte Dezember, als noch die Präsenzpflicht galt, schickten ihre Eltern sie ganz bewusst nicht in die Waldschule: aus Sorge vor Corona.

Inzwischen hat sich das zu einer großen Auseinandersetzung zwischen Familie Ohm und den Behörden entwickelt. Jetzt haben die Eltern zwei Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht.

Während Tanja Ohm auf jede Menge „förmlicher Zustellungen“ blicken kann, packt Joleen ihren Tornister. Am Montag wird sie wieder in die Waldschule gehen. Dann startet die Grundschule in Rauxel wieder mit dem Präsenzunterricht, mit geteilten Klassen. Joleen ist eine gute Schülerin. Das ist dem Zeugnis abzulesen. Aber auch, dass sie 62 unentschuldigte Fehlstunden hat. Dies will die Mutter nicht hinnehmen.

Die Achtjährige will wieder in die Schule, erzählt Tanja Ohm. „Sie hat mir gesagt, sie freut sich, wieder an einem Tisch zu sitzen und auf eine Tafel zu schauen“, erzählt die Mutter. Und natürlich freue sie sich auf ihre beste Freundin. Vor allem seit sie weiß, dass beide in der gleichen Gruppe sind. Montag, Mittwoch und Freitag hat sie jetzt immer vier Stunden Unterricht.

Viele förmliche Zustellungen erreichten Familie Ohm

„Geteilte Klassen und Wechselunterricht, das hätte ich mir schon im Herbst gewünscht“, sagt Tanja Ohm. „Wir sind eine sehr vorsichtige Familie.“ Auch jetzt schicke sie Joleen mit einem mulmigen Gefühl. Vor allem die Mutationen des Coronavirus machen ihr Angst. „Ich rechne stark, dass es zu Quarantäne kommen wird“, sagt sie.

Und mit dieser Sorge fing im vergangenen Herbst alles an. Seitdem haben Tanja und Christian Ohm viele „förmliche Zustellungen“ entgegengenommen.

Zur Ausgangslage: Familie Ohm schickte Joleen ab September aus Sorge vor dem Coronavirus nicht zur Schule. Tanja Ohm, die ihre eigene Mutter, eine Hochrisiko-Patientin, versorgt und damals noch keinen Ersatz-Kümmerer gehabt hätte, fürchtete Ansteckung oder Quarantäne. Anfangs wurde genehmigt, dass Joleen zu Hause lernt, dann nicht mehr. Ein Widerspruch wurde abgelehnt.

Bußgeldbescheid wegen Verstoß gegen das Schulgesetz

Für einen Tag, den 30. November, ging Joleen wieder zur Schule. Doch weil sie zu Hause von Verstößen gegen Coronaschutzmaßnahmen erzählte, weil die Mutter außerdem auf Videos sah, wie Kinder Abstände nicht einhielten, und auch anderes in ihren Augen nicht stimmten, ließ sie Joleen wieder zu Hause.

Die Folge: ein Bußgeldbescheid wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen das Schulgesetz: 100 Euro und Gebühren, insgesamt 128,50 Euro. Familie Ohm hatte mehr befürchtet. Zahlen wollte sie trotzdem nicht.

Viele Briefe wurden der Familie Ohm zugestellt. © privat © privat

Zum einen, weil die Eltern den Bescheid für nicht verhältnismäßig halten, zum anderen, weil die Fehlstunden allein Folge der Verstöße seitens der Schule seien. Bestärkt sehen sie sich auch von einem Anwalt, der für einen Sat.1-Beitrag eine Stellungnahme abgab. Denn auch dem Fernsehsender haben die Ohms ihre Geschichte erzählt.

Tanja Ohm kritisiert das Schulamt: Es wurde nichts überprüft

Noch mehr Schreiben und Mails gingen hin und her. Den Ohms wurde eine Attestpflicht auferlegt. Sie wollten OGS-Beiträge nicht zahlen. Und sie haben Beschwerden wegen der Verstöße gegen Corona-Schutzmaßnahmen eingereicht. Beschwerden und Widersprüche wurden abgelehnt – von der Schule und vom Schulamt des Kreises.

„Zweizeilige Ablehnungen“ – das hat Tanja Ohm wütend gemacht. Und dass in einem Schreiben steht, sie und ihr Mann hätten eine „negative Vorbildwirkung für Joleen und ihre Mitschüler“. Vor allem aber sagt sie: „Und dass man Beweise ignoriert, das ist nicht schön.“ Sie kritisiert: „Das Schulamt wiederholt nur die Stellungnahmen der Schulleitung, da wurde nichts überprüft.“ Die Folge sind zwei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen eine Schulamtsdirektorin und eine Ressortleiterin des Schulamts.

Die Schreiben haben Tanja und Christian Ohm an die Bezirksregierung nach Münster geschickt. Von dort werden sie wieder in einem Fall zum Kreis Recklinghausen kommen, so informiert Lena Heimers, Pressesprecherin des Kreises aus Anfrage. „Dienst- und Fachaufsicht liegen hier beim Kreis.“

Zum konkreten Fall gibt der Kreis keine Auskunft, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Prüfen, so Lena Heimers, werde die eine Beschwerde voraussichtlich die Fachbereichsleitung Bildung.

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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