In Castrop-Rauxel haben die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Von links nach rechts freuen sich Heike Klosa (Arzthelferin), Senta Preissig (Auszubildende), Marius Preissig (Praktikant), Dr. Anton Preissig (Arzt) und Mathias Müller (Einrichtungsleitung des Kauermann-Seniorenzentrums) mit Bürgermeister Rajko Kravanja, dass es nun mit dem Impfen losgehen kann. © Stadt Castrop-Rauxel
Coronavirus

Strafanzeigen angedroht: Bürgermeister äußert sich zu Corona-Vorwürfen

Bei der Autokorso-Demo am Sonntag (10.1.) in Castrop-Rauxel sprach ein Mann von einem Podest. Er las einen Brief an Bürgermeister Kravanja vor. Darin erhebt er Vorwürfe. Nun kontert Kravanja.

Strafanzeigen wegen Nötigung, unterlassener Hilfeleistung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung werde er gegen „seinen“ Bürgermeister Rajko Kravanja erstatten: Das hat ein Redner am Sonntag am Castrop-Rauxeler Rathaus bei einer Autokorso-Demonstration gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen gesagt. 109 Autos waren im Korso dabei, rund 200 Teilnehmer dürften darin gesessen haben.

Er sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, sagte der Castrop-Rauxeler, der offenbar auch Anmelder der Demonstration war und von einem kleinen Podest aus über eine Lautsprecher-Anlage einen Brief vorlas, den er Kravanja in den vergangenen Tagen geschickt habe.

„Es kann nicht sein, dass man Regeln bricht“

Am Sonntag war der Bürgermeister wahrscheinlich nicht in seinem Büro im Rathaus. Die Videos und Botschaften der Demo erreichten ihn aber dennoch. Wir befragten ihn im Interview dazu (ab Minute 7:10).

„Ich finde es legitim, wenn man auf die Straße geht und sagt: Ich bin anderer Meinung“, erklärte Kravanja am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wichtig ist aber, dass man die Regeln befolgt. Es kann nicht sein, dass man die Regeln auf seine Art und Weise bricht, weil man sie nicht für nachvollziehbar hält.“

Das habe er aber auf einigen der im Internet kursierenden Videos von der Corona-Demo gesehen: „Leute, die sagten, dass man sich an bestimmte Regeln nicht halten will. Da ist dann für mich eine Grenze erreicht, wo ich nicht mehr bereit bin, in einen Dialog einzutreten.“

Er selbst gehe in jede Diskussion, wenn sie auf einer vernünftigen Sachebene sei. „Das macht ja zum Beispiel die FDP. Aber nicht auf so eine Art und Weise.“

„Bin mal gespannt auf die Anzeige…“

Zur angekündigten Strafanzeige sagte Kravanja: „Ich bin mal sehr gespannt auf die Anzeige oder die Klage, die da kommen sollte. Aber es geht doch auch hier um die Frage nach Dialog: Wenn wir uns gleich mit Anzeigen drohen, dann hat das mit einem Dialog nichts zu tun.“

Es gehe darum, über Maßnahmen – sinnvoll oder nicht? – zu diskutieren. „Natürlich kann man die 15-Kilometer-Regel oder eine Ausgangssperre kritisch diskutieren, da spricht nichts dagegen“, so der Bürgermeister. „Man kann auch Alternativen aufzeigen, aber davon habe ich nichts gehört außer ‚Alles ist Mist!‘ und ‚Wir brauchen überhaupt keine Regeln!‘ Also: Gerne Dialog, aber wenn es auf eine Anzeige hinausläuft, dann muss auch das sein …“

Der Sprecher erhielt auf der Demo Applaus von den anwesenden Personen, die zur Kundgebung an der Straße Europaplatz zum Teil aus ihren Autos ausgestiegen waren. Die Demo, die sich über bis zu 1,5 Kilometer erstreckte, fuhr durch mehrere Stadtteile und wurde von gut einem Dutzend Mannschaftswagen der Polizei begleitet.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
Zur Autorenseite
Tobias Weckenbrock

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.