Stichwahl: Warum haben Sie nicht mitgewählt? Wir suchen Antworten

Miese Wahlbeteiligung

Kaum eine Wahl hatte eine so geringe Wahlbeteiligung wie die doppelte Stichwahl in Castrop-Rauxel am 27.9. Dabei ging es um den Bürgermeister. Wir gehen auf Ursachensuche für die Wahlmüdigkeit.

Castrop-Rauxel

, 28.09.2020, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leere vor den Wahllokalen: In Deininghausen gingen 154 Menschen zur Bürgermeister-Stichwahl in die Hans-Christian-Andersen-Schule. Zur Wahl berechtigt waren 1337 Menschen. Man muss noch die 339 Briefwahlstimmen für Bezirk 13 mit einrechnen. Aber die teilen sich noch auf auf Deininghausen und Dorf Rauxel (Wilhelmschule).

Leere vor den Wahllokalen: In Deininghausen gingen 154 Menschen zur Bürgermeister-Stichwahl in die Hans-Christian-Andersen-Schule. Zur Wahl berechtigt waren 1337 Menschen. Man muss noch die 339 Briefwahlstimmen für Bezirk 13 mit einrechnen. Aber die teilen sich noch auf auf Deininghausen und Dorf Rauxel (Wilhelmschule). © Tobias Weckenbrock

Es war eine der ersten Aussagen, die der frisch gewählte neue Bürgermeister Rajko Kravanja am Wahlabend äußerte: „Das ist schon erschreckend! Ich finde das sehr, sehr schade. Gerade in der Stadt, vor Ort lebt die Demokratie. Es zeigt, dass wir alle uns gemeinsam immer mehr entfernen von den Menschen.“

Er meinte die Wahlbeteiligung, die bei 29,5 Prozent für die Bürgermeister-Stichwahl und 28,7 Prozent für die Stichwahl um das Landrats-Amt lag. Nur am 15. Juni 2016 war sie einmal noch niedriger bei Wahlen in Castrop-Rauxel: Damals wurde nur der Landrat in einer Stichwahl gewählt, allerdings weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 15,6 Prozent der Wahlberechtigten gaben damals ihre Stimme ab.

Der neue „Kümmerer der Stadt, den die Menschen haben wollten“, so Rajko Kravanja, bekam zwar 66,66 Prozent der Stimmen. Eine Schnapszahl. Und er genehmigte sich auch auf diesen Erfolg das eine oder andere Gläschen am Wahlabend. Aber er wurde „nur“ von 11.640 Personen gewählt.

Viele Fragen – wir suchen Ihre Antworten!

Wählten die anderen fast 50.000 Castrop-Rauxeler über 16 Jahren ihn mit ihrer Ignoranz ab? Oder interessiert sie nicht, wer ihr Bürgermeister ist? Waren sich alle zu sicher, dass er es ohnehin wird? Oder waren viele der Auffassung, mit ihrem Kreuz am 13.9. neben dem Namen Kravanja hätten sie schon ihrer demokratischen Bürgerpflicht – oder Bürger-Recht – genüge getan? Am 13. September bekam der SPD-Kandidat 13.101 Stimmen, bei der Stichwahl nur noch 11.640.

Schreiben Sie uns!

Woran liegt es, dass über 40.000 Menschen, also mehr als zwei Drittel der Wahlberechtigten, ihr Wahlrecht nicht wahrnahm? Die Antworten kennen nur Sie: Wir wollen Ihre Gründe wissen! Schreiben Sie uns mit dem Betreff „Wahlbeteiligung“ an castrop@lensingmedia.de.

„Traurig, dass ein Bürgermeister von 30 Prozent der Menschen gewählt wird“: Das war aus der CDU-Zentrale am Wahlabend zu hören. Deren Kandidat Oliver Lind rutschte bei der Zahl der Befürworter von 6674 vom 13.9. sogar auf 5823 ab.

Es gab 60.000 Wahlberechtige in Castrop-Rauxel. 42.400 Menschen verzichteten auf die Chance, ihrem politischen Willen Ausdruck zu verleihen. Das Wahlrecht ist zentrales Prinzip unserer Staatsordnung: Unsere politischen Vertreter bestimmen in unserem Namen die Entwicklung unserer Stadt in den nächsten fünf Jahren, der Bürgermeister an der Spitze.

„Es ist meine Aufgabe, parteiübergreifend in den nächsten fünf Jahren dafür zu sorgen, dass die Menschen wieder verstehen, wofür Parteien da sind“, sagte Rajko Kravanja am Wahlabend. „Wir haben unterschiedliche Meinungen, was das Beste für die Stadt ist, aber keiner will was schlechtes. Alle hören zu. Unsere Aufgabe ist es, deutlich zu machen, dass Parteien für die Menschen da sind.“

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