Stammkundin Anka Paos, hier betreut von Theresa Wagener und Carsten Schlösser, muss noch auf einen Besuch bei Friseur Wagener verzichten. © Nora Varga
Coronavirus

Stefan Wagener: „Licht an“ gegen Insolvenzen im Friseurhandwerk

Viele Friseurbetriebe sind im Lockdown zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Mit einer besonderen Aktion werden Friseure auch in Castrop-Rauxel auf ihre Situation aufmerksam machen.

Stefan Wagener hat seit sechs Wochen keine Haare mehr geschnitten. Die Lichter in seinem Salon an der Wittener Straße bleiben aus. Das soll sich ändern. Wenn auch nur für einen Tag.

Das deutsche Friseurhandwerk, das sich seit dem 16. Dezember im Lockdown befindet, kämpft für einen Neustart am 15. Februar. Stefan Wagener, stellvertretender Obermeister der Friseur-Innung Herne-Castrop-Rauxel, kennt die Situation seiner Kollegen. „Wenn wir nicht bald aus der Notsituation herauskommen, kommen viele Insolvenzen auf uns zu“, sagt er.

Er wird deshalb mitmachen, wenn es am Sonntag, 31. Januar, überall in Deutschland heißt „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“. 24 Stunden lang bis zum Montag soll in möglichst vielen der rund 80.000 Salons bundesweit das Licht brennen. Auch bei „Wagener – der Friseur“. Damit soll auf die dramatische Situation des Friseurhandwerks aufmerksam gemacht werden.

Staatliche Hilfen haben die Friseure oft nicht erreicht

Viele von ihnen sind Familienbetriebe wie der von Stefan Wagener. Er blickt zurück auf den Beginn der Pandemie, auf die ersten Soforthilfen, die es gab. Viele mussten bis zu 90 Prozent zurückzahlen, so berichtet er. Denn im Mai machten die Friseure wieder gute Geschäfte. Ähnlich war es jetzt im Dezember. Bis zum 15. Dezember wurden Haare geschnitten, gefärbt und frisiert, was Schere und Kamm so hergaben.

Stefan Wagener (r.) führt mit seiner Frau Rita Wagener (m.) und seiner Tochter Teresa den Friseursalon
Stefan Wagener (r.) führt mit seiner Frau Rita Wagener (m.) und seiner Tochter Teresa den Friseursalon „Wagener – Der Friseur“. © Wagener © Wagener

Vor allem kurz vor dem Lockdown. „Manche Friseure haben nach bis Mitternacht gearbeitet“, erzählt Stefan Wagener. Freie Tage wurden gestrichen. Als der harte Lockdown feststand, wollte jeder noch mal zum Friseur. Die Friseure und Friseurinnen freuten sich noch einmal über Trinkgelder.

Die Inhaber freute der Umsatz in dem gewöhnlich umsatzstärksten Monat. Für Überbrückungsgeld des Staates, so mussten sie dann feststellen, war es dann aber oft zu viel Umsatz. „Die bürokratischen Hürden sind sehr hoch“, sagt der Friseurmeister. Ein Kollege von ihm habe geklagt, die Fleißigen und Ehrlichen würden bestraft. Das kann er nachvollziehen.

Friseurbetriebe müssen ihre Reserven angreifen

„Ich höre von Kollegen, denen steht das Wasser bis zum Hals. Die gehen ans Eingemachte, Rentenrücklagen werden angegriffen.“ Wer keine Reserven habe, den treffe es jetzt ganz hart. Zumal im Januar in der Regel mit Versicherungen und ähnlichem größere Ausgaben auf die Betriebe zukommen.

Insofern kann Stefan Wagener sogar ein gewisses Verständnis für Friseure aufbringen, die trotz des Lockdowns weiter Haare schneiden, auch wenn harte Strafen drohen. „Auch ich habe davon gehört, dass in einigen Geschäften Kunden durch die Hintertür eingelassen werden“, sagt er. Und man sehe ja die Profifußballer mit stets frisch ausrasiertem Scheitel.

Er heiße das nicht gut. Schwarzarbeit sei aber nicht nur in Corona-Zeiten ein Problem in der Friseurbranche, so Stefan Wagener. Er fordert deshalb bessere und häufigere Kontrollen durch die Ordnungsämter.

Schwarzarbeit ist ein Problem für das Friseurhandwerk

„Schwarzarbeit muss gestoppt werden“ ist auch eine der Forderungen des deutschen Friseurhandwerks, die mit der Aktion „Licht an, bevor es ganz ausgeht!“ erreicht werden sollen. Weitere Forderungen betreffen eine passgenaue Anpassung der Überbrückungshilfen, die unbürokratisch gewährt werden sollen, und eine nachhaltige Förderung der Ausbildungsleistung.

Hell erleuchtete Salons am 31. Januar und 1. Februar – da werden sicher viele versuchen, die Tür zu öffnen. Der Run auf Termine ist groß. Schon vor dem Lockdown machten viele Kunden Termine direkt ab 1. Februar aus, jetzt wollen alle möglichst schnell ab 15. Februar zum Friseur. Termine gibt es nur unter Vorbehalt. Ob Stefan Wagener ab 15. Februar wieder arbeiten wird? Noch ist er skeptisch.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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