Stefan Wagener: Coronaregeln in Friseursalons sind viel zu streng

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Im Café sitzen die Menschen dicht beieinander. Im Friseursalon dürfen sie selbst mit Maske nicht auf den Haarschnitt warten. Stefan Wagener möchte endlich eine Lockerung der Corona-Maßnahmen.

Castrop

, 27.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knallhart waren die Coronaregeln für Friseure, als sie im Frühjahr nach dem Lockdown ihre Salons wieder öffnen durften. Stefan Wagener, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Herne / Castrop-Rauxel, fand das gut. Und er will auch jetzt nicht auf Hygienemaßnahmen verzichten.

Dennoch fordert er, dass sie für Friseure gelockert werden. So wie es in anderen Bereichen auch Lockerungen gab.

Da ist er sich mit den Kollegen aus Dortmund einig. Die Friseur-Innung Dortmund und Lünen hat kürzlich einen offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet geschrieben. Seine Innung, so Stefan Wagener, könne die Aussagen darin nur unterstützen.

Dass die Situation den tatsächlichen aktuellen Erfordernissen angepasst werden müsste, findet er auch. Dabei spricht er nicht nur für sich und seinen Traditionsbetrieb an der Wittener Straße in der Altstadt, sondern auch für die kleineren Geschäfte. Denn die haben es schwer, sich finanziell zu halten.

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„Wenn man liest, dass die Menschen in die Stadien dürfen, wenn man sieht, wie Menschen in Cafés ohne Mundschutz zusammen sitzen dürfen, dann fände ich es gut, wenn die Regeln für uns etwas gelockert würden“, sagt der Friseurmeister. Kunden, so sagt die Coronaschutzverordnung des Landes beispielsweise, sollen sich nicht in Wartebereichen aufhalten, weshalb mit Terminvergabe gearbeitet werden muss.

Warten auf den Haarschnitt draußen vor dem Salon

Im Zweifelsfall müssten sie draußen warten, so der Castrop-Rauxeler. Im Sommer ginge das noch, bald aber nicht mehr. Auf sieben Quadratmetern Fläche darf nicht mehr als ein Kunde anwesend sein. Es gebe aber Salons, so Stefan Wagener, die auf Laufkundschaft angewiesen seien. Hier komme es weiter zu Umsatzeinbußen, die existenziell sein könnten.

Stefan und Rita Wagener (r.) führen mit Tochter Theresa den Salon „Wagener Der Friseur“. Der Inhaber ist stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Herne Castrop-Rauxel.

Stefan und Rita Wagener (r.) führen mit Tochter Theresa den Salon „Wagener Der Friseur“. © Michael Schuh

Besonders einschneidend sei in dieser Beziehung die Notwendigkeit, wegen des Abstands einige Stühle nicht besetzen zu können. „Wenn ein kleiner Salon fünf Plätze hat und nur zwei bedienen kann, dann wird es schwer“, so Stefan Wagener.

Bei einigen Dienstleistungen rund um Auge und Bart reiche die Mund-Nasen-Maske nicht aus: Dafür müsse ein Schutzvisier getragen werden, erzählt Stefan Wagener. „Ob da nicht ein normaler Mundschutz reichen würde?“, fragt er.

In seinem Salon werden deshalb keine Wimpern mehr gefärbt oder Augenbrauen gezupft. Das sei auch ein Kostenfaktor: Nicht nur, dass FFP2-Masken teuer sind. Auch die Visiere müssten jedes Mal desinfiziert werden. „Und dann nehme ich 5 Euro fürs Augenbrauenzupfen. Das lohnt sich nicht.“

Salons werden zu selten kontrolliert, um schwarze Schafe zu finden

Kontrolliert, ob er die Auflagen einhält, wurde er nur zu Anfang der Coronakrise. „Ich würde mir intensivere Kontrollen wünschen“, sagt der stellvertretende Obermeister, „um die schwarzen Schafe zu bestrafen.“

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Jetzt wartet Wagener ab, ob aus Düsseldorf Antwort auf den Brief der Dortmunder Innung kommt. „Kaum ein Beruf war so direkt betroffen wie unser Handwerk“, hatten die Obermeister Frank Kulig und Geschäftsführer Ludgerus Niklas geschrieben. Die Arbeitssituation sei durch die hohen Hygieneauflagen belastet.

Viele Plätze müssen beim Friseur Wagener leer bleiben.

Viele Plätze müssen beim Friseur Wagener leer bleiben. © Nora Varga

„Wir haben das Gefühl, vergessen worden zu sein, während das Land NRW zwischenzeitlich Lockerungen in vielen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bereichen zugelassen hat. Selbst Kontaktsportarten mit 30 Personen in geschlossenen Räumen und größere Veranstaltungen bis 150 Personen sind wieder erlaubt“, heißt es in dem offenen Brief.

Sollte das Schreiben nicht erfolgreich sein, werden Stefan Wagener und der Vorstand seiner Friseur-Innung diskutieren, wie man auf die Probleme des Friseurhandwerks anderweitig aufmerksam machen kann.

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