Starkes Alibi: Kellnerin erinnerte sich genau an die bestellten Drinks

Stiefsohn gegen Stiefvater

Der Polizeibeamte hatte die Einsatzsituation noch gut in Erinnerung: Seine Schilderung ließ den Angeklagten aufatmen. Es gab einen Freispruch für den Stiefvater. Eine Zeugin erinnerte sich genau.

Castrop-Rauxel

, 21.06.2020, 06:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wodka Energy oder Whisky soll bestellt worden sein. Eine Zeugin lieferte ein recht detailreiches Alibi.

Wodka Energy oder Whisky soll bestellt worden sein. Eine Zeugin lieferte ein recht detailreiches Alibi. © pixabay

„Leicht versoffen“, soll die Situation gewesen sein, an die sich der Polizeibeamte noch gut erinnern konnte: der nächtliche Einsatz im Spätherbst in Habinghorst. Zwei junge Männer wollten einen Schienbeintritt zur Anzeige bringen.

„Einer war der Wortführer, hatte eine große Klappe“, so der Zeuge im Castrop-Rauxeler Amtsgericht. „Es ging wohl um ständige Streitereien mit dem Stiefvater. Der soll den 21-Jährigen getreten haben“, erinnerte er sich. Ihm sei der Verdacht gekommen, dass man unbedingt etwas anzeigen wollte, wobei der angeblich Geschädigte selbst kaum geredet habe, nur der Kumpel.

Alkohol im Spiel

„Ich hatte den Eindruck, dass es um eine Sache ging, die schon länger schwelte. Zudem war wohl reichlich Alkohol im Spiel.“ Eine Zeugin habe er nicht gesehen. Wenn doch noch jemand da war, dann sei es so nebensächlich gewesen, dass es nicht protokolliert werden musste.

Diese Aussage im Fortsetzungstermin nach einer langwierigen Hauptverhandlung gab den entscheidenden Dreh: Mit den Worten „Einer lügt“ hatte der Strafrichter den ersten Termin gegen einen 45-Jährigen unterbrochen. Der Gelsenkirchener war angeklagt, seinem 21-jährigen Stiefsohn im Spätherbst nachts gegen 1 Uhr vor das Schienbein getreten zu haben. In Castrop-Rauxel, wo dieser mit seiner Freundin lebt.

„Kann gar nicht sein“, so der Angeklagte. Er sei vor diesem Gerichtstermin noch nie in dieser Stadt gewesen. Für den fraglichen Zeitraum hatte er eine Entlastungs-Zeugin mitgebracht: Man habe die ganze Zeit zusammen verbracht. Wie hätte der Mann dann statt in Gelsenkirchen in Castrop-Rauxel sein können?

Widerspruch

„War er aber“, beharrte der Stiefsohn, der die Mutter seiner Freundin als Zeugin für das nächtliche Geschehen benannt hatte. Diese berichtete von Geschrei und Gerangel, das sie gehört und gesehen haben will. Den Angeklagten selbst jedoch nicht, nur das weiße Auto, mit dem der 45-Jährige davongebraust sein soll.

Entlastung lieferte am zweiten Verhandlungstag auch die Kellnerin eines Pubs in Gelsenkirchen. „Wodka Energy oder Whisky“ erinnerte sie sich an die Getränkewahl des Angeklagten. Den kannte sie gut, da er früher in diesem Pub am Wochenende aufgelegt habe und regelmäßig mit seiner Frau kam. Am fraglichen Abend sei er aber in Begleitung einer ehemaligen Kollegin und Freundin gewesen. Sie habe nach der Ehefrau gefragt und den Bar-Besuch auch deshalb gut in Erinnerung.

Für die Rechtsfindung gab es nur eins: Freispruch. „Ich war nicht dabei, weiß nicht, was wirklich war“, sagte der Richter. Und dann gelte „im Zweifel für den Angeklagten“. Der war froh, befürchtet dennoch weitere Probleme mit dem Stiefsohn.

Lesen Sie jetzt