Stadtrat wählt zwei Beigeordnete - bei einer Kandidatin rappelte es kräftig

dzEine Frau, ein Mann

Der Castrop-Rauxeler Rat hat Donnerstag zwei Beigeordnete neu gewählt: Der eine ist ein alter Bekannter. Es gibt auch eine neue: Bettina Lenort bekam die Mehrheit - aber es rappelte im Rat.

Castrop-Rauxel

, 04.07.2019, 20:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bettina Lenort aus Henrichenburg ist neue Technische Beigeordnete. Der Stadtrat wählte sie mit einer deutlichen Mehrheit für die nächsten acht Jahre zur Nachfolgerin von Heiko Dobrindt. Die 53-Jährige kommt aus leitender Funktion in der Gelsenkirchener Rathaus-Nebenstelle in Buer ins Amt in Castrop-Rauxel.

Mit 36 Ja-Stimmen setzte sie sich bei 10 Nein-Stimmen und einer Enthaltung in geheimer Abstimmung durch. Aber nicht ohne hitzige Debatte vorher, in deren Verlauf Bürgermeister Rajko Kravanja sagte, dass er sich dafür schäme.

Kritik am Auswahlverfahren

Und was sagte Lenort selbst? „Für mich ist das eine irritierende Diskussion. Hätte ich nicht so ein dickes Fell, andere wären vielleicht schon gegangen.“ Sie erfülle alle Anforderungen inklusive des 2. Staatsexamens - das war Teil der Kritik, die vor allem die Grünen zum Auswahlverfahren äußerten. „Ich leite seit 25 Jahren Abteilungen, auch solche, die größer sind als der Bereich des TBG in Castrop-Rauxel“, meinte sie zu ihrer Eignung.

Sie sei glücklich gewesen, als die Stelle ausgeschrieben wurde - „denn für jeden Stadtplaner ist es der Traumjob in der Stadt, in der man lebt.“ Bei fast allen Fraktionen sei sie gewesen, habe sich vorgestellt und hinterher gefreut, dass viele ihre Kandidatur unterstützten. Das Bild aber, das im Rat produziert werde, sei unwürdig. „Ich habe den Antrag der Grünen quergelesen: Ihr fünfter Punkt, so ganz nach Hörensagen, ist unwürdig.“

Anforderungsprofil im Verfahren aufgegeben?

Die Grüne Kritik entflammte am Antrag, der das Verfahren infrage stellte und es gern neu aufgerollt gesehen hätte. Es sei das gemeinsam ausgelobte Anforderungsprofil bei einigen Kandidaten - unter anderem ohne 2. Staatsexamen - aufgegeben worden. Es habe ein verabredetes Gespräch zur Vorauswahl nicht gegeben. Man sei verwundert über die öffentliche Vorab-Festlegung von vier Fraktionen auf diese Kandidatin. Von Fraktionszwang war die Rede - was CDU-Fraktionschef Michael Breilmann erzürnte.

Auf dieser Basis soll der Bürgermeister alle aussichtlosen Kandidaten angerufen und einen Verzicht auf die Kandidatur angeraten haben, so die Grünen. Und - Punkt 5: Lenort habe „nach Hören-Sagen“ als Bedingung geäußert, dass es keinen Gegenkandidaten gebe.

„Das ist aber doch auch legitim“

„Natürlich habe ich und sicher auch die anderen Kandidaten den Bürgermeister gebeten, mir im Vorfeld Bescheid zu geben, wenn absehbar ist, dass ich nicht gewählt werde, damit ich meine Bewerbung zurückziehen kann“, so Lenort. „Das ist aber doch auch legitim.“

Stadtrat wählt zwei Beigeordnete - bei einer Kandidatin rappelte es kräftig

Beigeordnete unter sich: Heiko Dobrindt (l.) räumt seinen Stuhl nun für Bettina Lenort, Michael Eckhardt bleibt weitere acht Jahre im Amt. © Tobias Weckenbrock

Nach der Wahl gratulierten Lenort alle herzlich. Sie nahm auf der Verwaltungsbank Platz - zwischen TBG Dobrindt und Sozialdezernentin Kleff. Einen Stuhl weiter saß Michael Eckhardt, der 1. Beigeordnete. Der wurde wenig später ebenfalls geheim in sein altes Amt gewählt: mit 35 Ja-Stimmen gegen 11 Nein-Stimmen. Er geht ins 25. Amtsjahr und bleibt nun weitere acht Jahre.

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