Die Grünen wollen am 2. September über Schulentwicklung diskutieren. Drei Expertinnen haben das Treffen jetzt abgesagt. Gibt es einen Maulkorb? Und wie geht es nun mit den Schulen weiter?

Castrop-Rauxel

, 02.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Termin bleibt - aber das Teilnehmerfeld wird anders aussehen, als es die Grünen vor hatten. Es geht um ein Stadtgespräch zur Schulentwicklung, eine Veranstaltung der Grünen, geplant am Montag, 2. September, um 18 Uhr im „Das Cafe“ an der Bahnhofstraße 291.

Hier stand und steht weiterhin die Frage im Fokus, wie sich die Schullandschaft in Castrop-Rauxel entwickeln sollte. Da ist in den vergangenen Monaten viel in Bewegung gekommen, nicht erst seit der Umfrage der Stadt. Die hatte das Leitthema, welche weiterführende Schule die Eltern für ihr Kind wählen würden.

Allerdings war deren Ergebnis der Auslöser für eine spannende Diskussion über eine mögliche zweite Gesamtschule im Norden der Stadt - womöglich einer Reaktivierung der Janusz-Korczak-Gesamtschule - und die Zukunft der Sekundarschule an der Kleinen Lönsstraße.

Zweimal ein klares Nein

Das klare Nein der Schulkonferenz der Willy-Brandt-Gesamtschule zur Neugründung einer Gesamtschule wie auch eines Teilstandortes im Norden Ende Juni bedeutete zunächst vordergründig das Ende der Diskussion vor der politischen Sommerpause.

Für die Grünen steht in diesem Zusammenhang aber fest, dass es „leider bislang mehr Fragen als Antworten gibt“. So steht es in dem Ankündigungsflyer für das Fachgespräch, das mit Bürgerinnen und Bürgern, Politikerinnen und Politikern, Schulexpertinnen und -experten und der Stadtverwaltung geführt werden sollte.

Etwa die Frage, mit welcher Schulform und an welchen Standorten es am Besten geschafft werden könnte, die schulische Entwicklung aller Kinder zu fördern. Oder wie man den Wünschen aller Eltern und Kinder im ganzen Stadtgebiet nach möglichst kurzen Schulwegen gerecht werden kann.

Interfraktionelle Suche nach der Lösung

Eingeladen haben die Grünen für den 2. September neben anderen Schuldezernentin Regina Kleff, die Schulausschussvorsitzende Katrin Lasser (SPD), die Schulleiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule, Violetta Kroll-Baues, und die Schulleiterin der Gesamtschule Waltrop, Ulrike Waterkamp.

Stadtgespräch der Grünen zur Schulentwicklung: Mehr Fragen als Antworten?

Die Willy-Brandt-Gesamtschule ist Teil des Schulpuzzles. © Anissa Sawatzki

„Wir wollen an dieser Stelle die Bevölkerung mitnehmen und eine breite Debatte führen. Da geht es um eine Entscheidung, die nicht im stillen Kämmerlein getroffen werden sollte“, sagt Grünen-Ratsherr Uli Werkle in einem Gespräch am 27. August mit unserer Redaktion.

Grüne bekamen drei Absagen: „Maulkorb?“

Doch die Grünen haben mittlerweile - als ihr Flyer schon gedruckt war - drei Absagen bekommen. Nun wittern sie einen Maulkorb.

Regina Kleff hat wissen lassen, dass sie die Veranstaltung für ein völlig falsches Signal halte und sie nicht verstehe, warum von der verabredeten Vorgehensweise abgewichen werde.

Damit ist offenbar die Maxime gemeint, in der Schul-Causa interfraktionell nach einer für alle tragbaren Lösung zu suchen und sie auch umzusetzen. Kleff teilte außerdem mit, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass die Schulleitungen zu dem Termin erschienen.

„Verwaltung verlässt politischen Rahmen“

„Mit solchen Methoden verlässt die Verwaltung den politischen Rahmen der Auseinandersetzung“, sagt Werkle. Und aus der Vereinbarung sei auch die CDU ausgeschert, als sie die Zukunft des Standortes der Sekundarschule bereits öffentlich verplant habe.

Am Mittwoch, 21. August, erreichte die Grünen die Absage von Violetta Kroll-Baues. Sie teilte mit, ihre Zusage für das Vor-Ort-Gespräch wieder zurücknehmen zu müssen. Aus dienstlichen Gründen sei es ihr und ihrer Kollegin Waterkamp nicht möglich, daran teilzunehmen. Einen Tag später folgte dann auch die Absage der Schulleiterin aus Waltrop.

Schulausschuss fasst Grundsatzbeschluss

Die Schulausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich werde an dem Abend über den Sachstand sprechen.“

Kommentar

Unaufgeregte Koalition der Vernunft

Von Abi Schlehenkamp Hoppla, was war das denn? Wahlkampf-Erwachen bei den Grünen? Mit ihrem Stadtgespräch zur Entwicklung der Schullandschaft in Castrop-Rauxel haben auch die Grünen mehr Fragen offen gelassen denn Antworten gegeben. An den interfraktionellen Gesprächsrunden darüber, wie es in Zukunft in Sachen weiterführende Stunden vor Ort weitergehen soll, waren sie schließlich auch beteiligt. Und an der finalen Lösung, wie sich die Fraktionen das vorstellen, logischerweise auch. Das Ergebnis der Gespräche wird nach der letzten Runde Anfang September in Form gegossen und seinen Niederschlag finden in einem Beschlussvorschlag, den Politik und Verwaltung für die Sitzung des Schulausschusses am 19. September gemeinsam vorbereiten. Ob es in dieser Causa tatsächlich einen Maulkorb für die Schulleiterinnen von WBG und Gesamtschule in Waltrop gegeben hat, ist nicht wirklich wichtig. Es muss an dieser Stelle weiter eine unaufgeregte Koalition der Vernunft geben, die auf der Suche ist nach einer verantwortungsbewussten Marschroute für die Schulpolitik in unserer Stadt. Das taugt eben nicht für Wahlkampf. Auch wenn sich hinter den Kulissen bei manchen Beteiligten Nervosität breit macht, was da so alles bei der Kommunalwahl im Frühherbst 2020 auf uns zukommen kann.

Vorgesehen ist, dass der Schulausschuss in seiner Sitzung am 19. September einen Grundsatzbeschluss fasst. Schließlich geht es auch darum, ob Geld in die Hand genommen wird, um z.B. ein Schulgebäude auf Vordermann zu bringen. Denn eigentlich soll die neue Lösung in der Schulfrage schon mit Beginn des nächsten Schuljahres greifen.

Die interfraktionelle Lenkungsgruppe tagt vor der Schulausschusssitzung noch einmal. Allerdings laut Lasser-Moryson mit der Zielsetzung, die bereits gefundene und vereinbarte Lösung in die finale Form zu gießen. Also ein großer Aufschlag der Grünen, wenn offenbar doch mehr Antworten als Fragen da sind?

Was geschieht nun mit der Sekundarschule?

Eines ist jedenfalls Fakt - und darauf verweisen auch die Grünen: Knapp die Hälfte der Schulpauschale, nämlich 570.000 Euro, fließen Jahr für Jahr in den Standort Sekundarschule. Das sei auch für die nächsten drei Jahre noch so, sagt Werkle. Und dem Private-Public-Partnership (PPP)-Modell zu verdanken, das hier unter der Ägide des ehemaligen Bürgermeisters Nils Kruse (CDU) zum Tragen gekommen sei.

Für eines der gravierendsten Probleme in der Schul-Frage halten die Grünen die so genannten Abschulungen, also die Kinder und Jugendlichen, die von der Fridtjof-Nansen-Realschule und der Willy-Brandt-Gesamtschule an die Sekundarschule weitergereicht werden.

Bei der WBG etwa seien 40 Schülerinnen und Schüler in einem Jahr betroffen. Auch dadurch werde bei den Eltern das Bild einer „Resteschule“ verstärkt.

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