Spargeldiebe verwüsten Feld in Henrichenburg

Hoher Schaden

Der erste Arbeitstag nach dem Pfingstwochenende begann für Lena Sanders und ihren Vater Ludger Sanders, Henrichenburger Landwirt, am Montagmorgen mit einer bösen Überraschung: Unbekannte hatten sein Spargelfeld am unteren Kainhorst heimgesucht - der Spargelklau artete in einer Orgie der Verwüstung aus.

HENRICHENBURG

, 17.05.2016, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Spargeldiebe verwüsten Feld in Henrichenburg

Lena Sanders mit zerbrochenen Spargelstücken vor einem Abschnitt des zerstörten Feldes.

Nach dem Abreißen der Planen wurden an die zehn der sorgfältig angehäuften Hügel auf rund zehn Metern Länge auf der Suche nach reifen Stangen zertrampelt und zerstört, das nicht mitgenommene frische Königsgemüse dabei sinnlos zerstört.

„Mein erster Gedanke war ,Haben wir hier jetzt Wildschweine?‘“, schilderte Sanders am Dienstag bei einem Ortstermin mit unserer Redaktion seine Gedanken. Doch die deutlich sichtbaren Fußspuren ließen keinen Zweifel zu: Es waren äußerst grobmotorisch vorgehende Diebe, die es auf den Spargel abgesehen hatten.

„Fehlende Wertschätzung“

Der Wert des gestohlenen Gemüses hält sich in Grenzen. „Sie haben vielleicht an die fünf Kilo Spargel mitgehen lassen“, schätzt Sanders, und fügt hinzu: „Der Schaden ist um ein Mehrfaches höher als der Wert des Spargels, den die Diebe gestohlen haben.“ Durch das unsachgemäße Herausreißen der Stangen und die Zerstörung der angehäuften Hügel sind rund 50 Kilo unbrauchbar geworden.

Was ihn und seine Tochter Lena, die seit zehn Jahren im Hofladen mithilft, bei dieser ärgerlichen Angelegenheit allerdings am meisten fuchst, ist die Respektlosigkeit der Diebe vor der Arbeit der Landwirte und der Erntehelfer aus Osteuropa, die ihre Arbeit mit viel Akribie und Leidenschaft verrichteten. „Dass wir jetzt ein paar hundert Euro Schaden haben, ist gar nicht das Wichtigste“, betont der Henrichenburger Landwirt. „Uns stört vielmehr, dass die landwirtschaftliche Arbeit offensichtlich von einem immer größeren Teil der Bevölkerung nicht mehr geschätzt wird.“

Körperlich schwere Arbeit

Auch Tochter Lena hat dazu ihre Meinung: „Die meisten Leute haben offensichtlich überhaupt gar keine Ahnung, wie viel Arbeit Tag für Tag dahinter steckt, bis die Ernte gelingt. Die sehen oft nur das fertige Produkt in unserem Hofladen.“ Insbesondere die Spargelernte sei jedoch äußerst schwere körperliche Arbeit, die von Deutschen häufig gar nicht mehr erledigt werden will, so dass man auf osteuropäische Erntehelfer angewiesen sei. Die ihre Arbeit aber mit großem Engagement und Fachwissen machten.

Da liegt ein Vergleich mit der darbenden Milchwirtschaft nicht fern, der Sanders sofort in den Sinn kommt. „Die Milchbauern erhalten derzeit gerade mal 20 Cent für einen Liter, produzieren kann man ihn aber nur für über 30“, rechnet er vor. Auch das zeuge von fehlender Wertschätzung.

Letztes Stechen Ende Juni

Das klassische Saisongemüse Spargel hat bekanntermaßen in diesen Wochen Hochkonjunktur. Etwa 3,5 Hektar bewirtschaftet Sanders zwischen Autobahn und Kanal, auf rund 30 Tonnen Ernte hofft er in diesem Jahr bis zum letzten Stechen, das stets traditionell um den 24. Juni herum („Spargelsilvester“) stattfindet.

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