Solaranlage auf dem Reitstall folgt dem Lauf der Sonne

CASTROP-RAUXEL Reiterhof-Betreiber Gregor Knickenberg setzt auf Solarenergie. Die Anlage auf dem Dach des Stalls versorgt den Hof mit Strom. Für Knickenberg bedeutet jede erzeugte Kilowattstunde bares Geld.

von Von Christoph Witte

, 18.07.2008, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 16. Juni nahm die 40 Tonnen schwere und 700 Quadratmeter große Konstruktion ihren Betrieb auf und hat seitdem in 34 Tagen schon über 19 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. So viel wie Gregor Knickenberg in einem halben Jahr für seinen Hof benötigt. „Rund 40 000 Kilowattstunden verbrauchen wir hier jährlich“, sagt er.

Sein Sonnenkarussell schafft aber bis zu 120 000 Kilowattstunden im Jahr und könnte damit gut und fast 50 Zwei-Personen-Haushalte versorgen.Für die Knickenbergs ist der Energieüberschuss bare Münze. „Ich verkaufe den Strom für 45,17 Cent pro Kilowatt an die RWE und kaufe meinen Verbrauch für 20 Cent zurück“, erklärt der sonnenhungrige Besitzer von knapp 100 Pferden.

So funktioniert das Geschäft. So muss es auch für Landwirt Knickenberg funktionieren. Denn vor dem Gewinn steht zunächst eine kräftige Investition. Gut 700 000 Euro haben der Bau des Sündreyers, der Anschluss ans RWE-Netz und die Stallungen gekostet. In 20 Jahren sollen sich die Kosten bereinigt haben, die Firma gab eine 80 prozentige Leistungsgarantie für den Zeitraum ab. „Dann bin ich 66 Jahre und kann meinen Ruhestand genießen“, lacht Knickenberg.  Ob sich die Investition wirklich lohnt, kann Knickenberg aber nicht mit Gewissheit sagen: „Es fehlen halt die Erfahrungswerte. Es gibt kein vergleichbares Modell, das schon ein Jahr alt ist.“ Er stützt seine Hoffnung auf so genannte Freilandanlagen, die sich auch der Sonne nach ausrichten, aber kein Gebäude unter sich haben.

Auf dem Reiterhof schimmert es auch auf anderen Dächern. Zwei weitere, statische Photovoltaikanlagen sorgen für umweltfreundlichen Strom. Die erste, 2006 gebaut, produziert rund 24 000 Kilowattstunden, die zweite aus dem vergangenen Jahr gute 32 000. Dadurch dass die neue Anlage dem lauf der Sonne folgt, können sie 25 Prozent mehr Strom erzeugen, erklärt Knickenberg. Viele Gäste haben die Knickenbergs in letzter Zeit auf ihrem Hof empfangen, die einen Blick auf die in der Region einzigartige Halle werfen wollten.   Der Bauherr selbst hat sich in Bodenwerder bei Hameln inspirieren lassen. Da hat ein Tierarzt seine Lagerhalle zum Sonnendreher umfunktioniert.

Die nächsten 20 Minuten brechen an und die nach der astronomischen Uhr programmierten Motoren setzen sich in Bewegung, drehen das Riesenrad aus Holz und Stahl. Ein Surren, ein Klicken und schon speisen die 470 Photovoltaikplatten wieder Energie ins Stromnetz. Viel wird es an diesem Julitag wohl nicht werden, dazu hängen die Wolken zu tief am Himmel.   

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