„Es ist eure Sache. Also macht es“: Neuer ASG-Schulleiter zu Digitalisierung, G9 und FFF

dzAdalbert-Stifter-Gymnasium

Mit Beginn des neuen Schuljahrs hat Joachim Höck als neuer Schulleiter das Zepter am ASG übernommen. Wie er zu Digitalisierung und G8/G9 steht und warum er Fridays for Future gut findet.

Castrop-Rauxel

, 28.08.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Mittwoch haben die Schüler des Adalbert-Stifter-Gymnasiums in Castrop einen neuen Schulleiter. Wer ist dieser Mann? Wir haben Joachim Höck (53) getroffen und mit ihm über seine Vorstellungen für die Zukunft der Schule gesprochen. Auch darüber, wie Höck, der als Sohn einer Pfarrersfamilie in der ehemaligen DDR aufwuchs, zur Fridays-for-Future-Bewegung steht.

Höck über... die G8-G9-Diskussion

Zunächst gibt es eine große Veränderung in der Schullandschaft: „Ich habe mit G8 keine Schwierigkeiten gehabt, akzeptiere aber die politische und gesellschaftliche Entscheidung, zu G9 zurückzugehen“, sagt Höck.

Im G8-System (Abitur nach acht Schuljahren am Gymnasium, nach zwölf Schuljahren insgesamt) hätten sich alle Beteiligten von Anfang an extrem unter Druck gesetzt gefühlt. „Das war keine gute Ausgangsposition“, findet er. Von der Kritik der Schüler und Eltern sei man nie wirklich weggekommen.

Das frühe Alter für das Abitur habe es den Schülern nicht leichter gemacht, ihre Zukunft zu planen, so die Meinung des Deutsch- und Geschichtslehrers. Für Höck sei es völlig in Ordnung, wenn man den Schülern ein Jahr mehr Schulausbildung gebe.

Aber: „Wir holen jetzt nicht die alten Lehrpläne wieder raus, sondern können neu überlegen, was wir damit pädagogisch und schulisch machen“, sagt der neue Schulleiter. Etwa bei der unvermeidlich Einzug haltenden Digitalisierung.

Höck über... die Digitalisierung der Schule

„Digitalisierung ist Teil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderung“, sagt Höck. „Dazu kann man ja persönlich stehen, wie man will.“ Der Umgang werde einfach erwartet - und darauf müssten Schüler vorbereitet werden. Auch für die Arbeit und das Lernen im Unterricht selbst böten die digitalen Möglichkeiten gute Chancen.

Für die Schule folgten daraus Änderungen auf drei Ebenen: technisch, organisatorisch und pädagogisch. Digital arbeite man anders als analog. Auch als Lehrer. Das fange schon bei der Wahl des Unterrichtsraumes an. Der Klassiker: Textverarbeitung im PC-Raum.

„Es ist eure Sache. Also macht es“: Neuer ASG-Schulleiter zu Digitalisierung, G9 und FFF

Am ASG will Höck als Schulleiter die Digitalisierung vorantreiben. Ein eigenes i-Pad für jeden Schüler wird es aber wohl nicht geben. © Matthias Stachelhaus

Medienbildung bedeute für Höck zukünftig aber auch, dass Schüler etwas zu Hause erarbeiten, es auf eine Lernplattform stellen und er sich dies dann anschauen könne. „Meine Vorstellung ist nicht, dass ich mit meinen Schülern zum digitalen Endgerät hingehe, sondern dass das Gerät bei meinen Schülern ist.“

Höck über... das i-Pad für alle

Eine Träumerei, aber eine machbare, meint Höck. Eine, die er, das sei klar, nur zusammen mit dem ganzen Kollegium, in enger Abstimmung mit den Eltern und mit Unterstützung des Schulträgers Realität werden lassen könne. Also gibt es bald i-Pads für alle Schüler am ASG? Eher nicht. Welches Modell Höck gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern entwickeln will, ist noch unklar. Es gebe unterschiedliche Konzepte. Auf Höcks alter Schule in Dülmen gebe es 40 Geräte, die die Lehrer für ihren Unterricht buchen können.

Andere Schulen arbeiteten mit einzelnen i-Pad-Klassen, wieder andere führten die Geräte jahrgangsstufenweise nach und nach für die 5. Klassen ein. Klar ist für Höck: „Jeder Schüler und jede Schülerin muss einen unkomplizierten, ungehinderten Umgang zu einem digitalen Gerät haben, mit dem er oder sie arbeiten kann.“

Zur Person

Joachim Höck

  • Joachim Höck wurde 1966 in Magdeburg als fünftes Kind eines Pfarrerpaares geboren und wuchs in der DDR auf.
  • Sein Studium in Deutsch und Geschichte absolvierte Höck ab 1990 an der Ruhruniversität Bochum.
  • Höck arbeitete nicht sofort als Lehrer, ging zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität nach Bonn. Danach arbeitete er als Redakteur für einen Versandhandel in Waltrop.
  • Von 2005 bis 2007 absolvierte er sein Referendariat in Essen.
  • Bis 2016 unterrichtete Höck am am Marie-Curie-Gymnasium in Bönen, bevor er stellvertretender Schulleiter am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Dülmen wurde, seiner letzten Station vor dem ASG.
  • Joachim Höck lebt mit seiner Frau und einem Sohn in Herne.

Höck über... Verantwortung und zivilen Ungehorsam

Unabhängig davon sei eine weitere große Herausforderung für ihn als Deutsch- und Geschichtslehrer ebenso wie als jemand, der aus DDR stamme, die Erziehung der Schüler zur gesellschaftsfähigen Mündigkeit. „Jugendliche müssen erkennen können, welche Chancen und Möglichkeiten sie haben“, sagt er.

Aber auch, dass sie nicht allein auf der Welt seien und wo sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können und müssen.

Höck über... Fridays for Future

Zählt die Fridays-For-Future-Bewegung auch dazu? Ist das gesellschaftliche Verantwortung, ziviler Ungehorsam? „Ich begrüße diese Zielsetzung und das Engagement ausdrücklich“, sagt Höck. Das sagt er explizit als Person Joachim Höck.

Gerade der Regelbruch sei in diesem Fall entscheidend. „Die Schüler und Schülerinnen sagen: ‚Für uns ist das Einstehen und Kämpfen für einen ökologisch bewussten und verantwortlichen Umgang mit unserer Zukunft so wichtig, dass wir in einem anderen Punkt sagen: Das jetzt nicht.‘ Also ist es für sie mindestens so wichtig wie ihre Schulbildung. Wenn nicht sogar wichtiger.“

Dann sei da aber noch der Schulleiter Joachim Höck. „Auch da sage ich: Das Eine widerspricht dem Anderen nicht. Ziviler Ungehorsam ist zunächst einmal ein Statement. Das funktioniert aber nur dann, wenn es gegen eine Regel verstößt.“

Es liege demnach in der Natur der Sache, dass er als Lehrer und Schulleiter auf den Verstoß hinweisen müsse. „Würde ich den Schülern einfach frei geben, würde ich einen wesentlichen Aspekt der Geschichte unterlaufen.“

„Es ist eure Sache, also macht es.“
Joachim Höck

Es gelte eine Regelung zu finden, mit der man beiden Ansprüchen gerecht werden könne - also Schülerprotest auf der einen und Unterrichtsversäumnis auf der anderen Seite.

Er nehme die Unterrichtspflicht also nicht zurück. Man könne es auch mal als schulische Veranstaltung laufen lassen. Das sollte Höcks Meinung nach aber nicht die Regel sein.

Er sage den Schülern: „Ich kann als Person und auch als Schulleiter voll dahinter stehen. Aber es ist eure Sache, also macht es. Nicht weil ich euch alleine lassen will, sondern weil ich wichtig finde, dass ihr es macht.“

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