Mit der Verlängerung des Lockdowns muss der Einzelhandel weiter Alternativen für Kunden anbieten, denn die Geschäfte bleiben weiter geschlossen. © Marian von Hatzfeld (Archiv)
Einzelhandel

So reagieren Castrop-Rauxeler Unternehmen auf die Lockdown-Verlängerung

Der Lockdown wird bis Ende Januar 2021 verlängert. Für den Castrop-Rauxeler Einzelhandel und die Gastronomie eine Bewährungsprobe. Doch viele Unternehmen haben vorgesorgt, wie eine Umfrage ergibt.

Um zunächst zwei Wochen soll der Lockdown bis zum 31. Januar verlängert werden. Die Entscheidung der Ministerpräsidenten trifft gerade den Einzelhandel und die ohnehin gebeutelte Gastronomie hart.

Im Dezember habe der Einzelhandel deutschlandweit fast 60 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahr, meint Matthias Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Werbegemeinschaft Casconcept für die Castroper Altstadt. Diese Zahlen könnten ihm zufolge nahtlos auf die Situation des Einzelhandels in Castrop-Rauxel übertragen werden. „Es gibt zur Zeit sicher spaßigere Berufe, als im Einzelhandel tätig zu sein“, meint Zimmer am Dienstag (5.1.) auf Anfrage unserer Redaktion.

Lockdown-Verlängerung war keine Überraschung

Dennoch rechnete er fest mit der Lockdown-Verlängerung: „In Anbetracht der steigenden Infektionszahlen wäre alles andere illusorisch gewesen. Trotzdem ist es sehr hart zu sehen, dass die Branche vollkommen unverschuldet in einer Krise steckt“, findet der Juwelier.

Vor allem die Kreativität und Flexibilität, mit der seine Kollegen diese Situation meistern und ihre Geschäfte am Laufen halten, stimmt Zimmer aber zuversichtlich.

So hat sich etwa Mike Bartel mit seinem Laden „Kurvenglück“ in Ickern ein zweites Standbein geschaffen. Eigentlich bietet der 49-Jährige Rockabilly- und Vintage-Kleidung an. Da die aber von seinen Kunden größtenteils für Veranstaltungen gekauft wird, „sind wir quasi schon seit November im Lockdown“, sagt der Händler.

Kreative Ideen retten über den Lockdown

Deshalb haben er und sein Team in der Weihnachtszeit personalisierte Weihnachtskugeln hergestellt. Die wurden von seinen Kunden so gut angenommen, dass er auch für die Zukunft personalisierte T-Shirts und andere Kleinigkeiten für spezielle Feiertage anbieten will – etwa für den Valentinstag.

Auch ihn überraschte die Verlängerung des Lockdowns eher nicht, ärgern tut sie ihn aus anderen Gründen: „Ich finde diese Salami-Taktik sinnlos. So kann man als Unternehmer nur schlecht planen. Wir haben Glück, dass unsere Mode eher zeitlos ist und wir daher nun auch eine Saison mal aussetzen können“, meint Bartel und verweist darauf, noch ausreichend Modelle vom letzten Lockdown im Lager zu haben.

Hin und Her sei nur noch anstrengend

Bubi Leuthold, Inhaber des „Tante Amanda“ und „Leuthold‘s 1910“ am Markt, sieht die Situation ähnlich: „Dieses Hin und Her ist anstrengend, eine langfristige Entscheidung wäre für uns Gastronomen besser.“ Er geht von einem Ende des Lockdowns erst Ende Februar/Anfang März aus. Bis dahin gibt es bei ihm weiterhin Außerhausverkauf.

Auch das Team des Panorama-Cafés plant weiterhin mit Außerhausverkauf die Zeit, bis die Gastronomie am Stadtgarten wieder eröffnen kann, zu überbrücken. Die Verlängerung des Lockdowns hat auch hier niemanden überrascht. „Es sind schwierige Zeiten für alle, da muss man das beste draus machen“, meint die Chefin Ajsha Kleist.

Wichtigste Saison bricht weg

Für Simone Hendrich von „Hendrich Strümpfe & Mehr“ ist die Verlängerung hingegen „katastrophal“. Gerade der Januar und Februar sei für sie Hauptsaison: „Die Leute kaufen unsere Waren, wenn es draußen so richtig kalt ist. Mit dem Lockdown geht uns damit eine der wichtigsten Einnahmezeiten des Jahres verloren.“

Die Soforthilfen des Bundes würden da auch nicht viel helfen. „So einfach, wie die Regierung das immer anpreist, ist das mit Hilfen leider nicht. Die Beantragung ist viel zu bürokratisch und dadurch viel zu langsam. Von ‚Sofort‘ kann da nicht wirklich die Rede sein.“

Diese Kritik teilt Matthias Zimmer: „Ich würde mir unbürokratischere Lösungen für Unternehmen in Schieflage wünschen. Viele Gastronomen haben nicht einmal die Novemberhilfen erhalten.“ Eine gute Nachricht hat der Vorsitzende von Casconcept dann aber: „Bislang ist mir kein Geschäft in Castrop-Rauxel bekannt, das wegen des Lockdowns schließen müsste.“

Über den Autor
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Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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Kevin Kallenbach

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