Ute Spengler, staatlich geprüfte Desinfektorin aus Ickern, schaute genau hin, wie unser Reporter das kontaminierte Waschbecken bearbeitete. © Tobias Weckenbrock

So desinfiziert man richtig: Redakteur im Selbstversuch mit Expertinnen-Rat

Staatlich geprüfte Desinfektorin: Das gibt es wirklich? Wir haben eine Frau aus Castrop-Rauxel mit diesem Titel zum Test eingeladen: Unser Reporter desinfizierte und wurde dabei genau beäugt.

Diese Coronaviren haben uns für ein Thema neu sensibilisiert, das wir lange im Alltag nicht richtig ernst genommen haben: Desinfizieren ist heute, schon seit einem Jahr sogar, für uns wichtiger denn je geworden.

Der Desinfektionsspender gehört zum Bild heute oft dazu: zu Hause in den WCs und Badezimmern, noch mehr aber im Stadtbild. Überall, wo man in ein öffentliches Gebäude, ein Café, ein Supermarkt oder eine Bank hineingeht, findet man sie. Groß, klein, rund, eckig, an der Wand oder auf dem Ständer, wohlriechend und mit Parfüm versetzt oder mit dem unnachahmlich stechend-beißendem Geruch eines scharfen Mittels, das alles abtötet.

Anleitungen, wie man sich die Hände korrekt damit einreibt, gibt es zuhauf. Aber was ist eigentlich, wenn ich eine Fläche reinigen muss, um Keime loszuwerden? Dann braucht es Rat von einer staatlich geprüften Desinfektorin.

Vier Wochen an der Desinfektorenschule

Ute Spengler trägt diesen Titel. Die 56-Jährige absolvierte dazu eine vierwöchige Ausbildung an der Desinfektorenschule (gibt es in Köln und Gelsenkirchen). Alle drei Jahre muss man die Kenntnisse bei einer Fortbildung auffrischen, um diesen Titel zu behalten.

Spengler, die in Castrop-Rauxel den Sportlern durch ihr jahrelanges Ehrenamt in der Sportabzeichen-Abnahme und vom TuS Ickern bekannt ist, konnte das für ihren Beruf brauchen. Sie arbeitet für Krankenhäuser im nichtpflegerischen Bereich, genauer: für die Procuratio GmbH, eine Dienstleistungsfirma, die Kliniken und Pflegeeinrichtungen beim Thema Hygiene berät. Die studierte Chemikerin erlernte den Beruf der Gebäudereinigerin und bildete sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit fort.

Sie kann die Unterschiede zwischen Hefen, Pilzen, Bakterien und Viren herunterbeten und sagt als Definition: „Desinfektion ist die größtmögliche Reduzierung, Abtötung und Beseitigung pathogener Keime.“

Reinigung beseitigt oft nur zehn Prozent der Keime

Eine einfache Reinigung, sagt die zweifache Mutter aus Ickern, schaffe es, zehn Prozent der Keime zu entfernen. Sie dagegen schaffe 99 Prozent, „wenn ich will“. Diese Höchstleistung sei aber nur gewünscht, wenn man einen infektiösen Patienten auf einem Zimmer hatte und das Zimmer neu belegen möchte.

Ute Spengler ist staatlich geprüfte Desinfektorin.
Ute Spengler ist staatlich geprüfte Desinfektorin. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Und wie? „Man braucht dazu das geeignete Desinfektionsmittel“, sagt sie. Da gebe es nicht den Alleskönner, der alles, was da kreucht und fleucht, abtötet: Jeder Keim müsse mit dem passenden Mittel bearbeitet werden.

Zur Desinfektion, das stellt sich in unserem Selbstversuch (im Video) heraus, gehört zunächst ein umfangreicher Eigenschutz: ein richtig gebundener Schutzkittel mit Bündchen, Handschuhe mit längerem Schaft zum Umschlagen, und eine medizinische Schutzmaske sind das Mindeste.

Zur Flächen-Desinfektion empfiehlt Ute Spengler Einweg-Tücher, die schon mit dem passenden Mittel vorgetränkt sind. Vorteil: Sie werden nach dem Abwischen, also wenn sie die Keime aufgenommen haben, weggeworfen. Man wischt also nicht mit dem kontaminierten Tuch über andere Flächen und verteilt die Keime so nicht.

Wichtiger Tipp fürs Waschbecken: Die Düse zuerst

Wände solle man bis zu einer 1,80 Metern Höhe reinigen, wenn man um ein Waschbecken herum desinfiziert. Wichtig: Auch das Waschbecken und die Armaturen von unten nicht vergessen. Und der wichtigste Tipp: Man sollte niemals die Waschtisch-Armatur zuletzt abwischen, sondern mit einem frischen Tuch zuerst. Sonst verteilen sich die Keime beim Anstellen des Wassers beim nächsten Mal direkt aufs Neue im Becken.

Müllvermeidung ist bei der Desinfektion ein schwieriges Thema: Am Ende wird alles, was man dabei genutzt hat, weggeworfen. Der Müllsack wird verschlossen und von außen auch noch desinfiziert.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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