Zeuge der Razzia: „Der hatte ‘ne Pistole im Anschlag, das hat mir gereicht"

dzSEK-Einsatz

Die Zechensiedlung in Ickern-End gilt als ruhig. So war es auch kurz vor 6 Uhr, als sich die Polizeistaffel Dienstag postierte. Dann Zugriff. Ein Knall. Zeugen sind erschrocken. Und erstaunt.

Ickern

, 09.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Udo Mosebach ist Zeitungszusteller. Er kam am frühen Morgen des 8. September zufällig in ein Geschehen, das er so schnell nicht vergessen wird. Vor seinen Augen spielte sich im Morgengrauen der Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) ab. Auch Nachbarn sind am Nachmittag noch fassungslos.

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Drogen-Razzia eines Polizei-SEK in Ickern

Mosebach wollte in der bedächtigen Anwohnerstraße der Zechensiedlung nur eine Zeitung abliefern, als Vertreter für einen Kollegen. Dann das: „Ich habe einen lauten Knall gehört. Ein Anwohner kam aus der Tür und hat gefragt, ob ich das auch gehört hätte.“

„Mir wurde die Weiterfahrt untersagt“

Als er in die Straße fuhr, sah er nur den offenen Hausflur und einen SEK-Beamten in voller Montur auf einer Wiese. „Mir wurde die Weiterfahrt untersagt. Der meinte, dass es hier nicht weitergeht“, so Udo Mosebach. Er machte erst gar keine Anstalten, die Zeitung, die er einige Häuser weiter noch hätte zustellen müssen, dort abzuliefern: „Der hatte ‘ne Maschinenpistole im Anschlag, das hat mir gereicht.“

Direkte Nachbarn des weißen Dreifamilienhauses am Kopf der Straße stehen am Nachmittag zusammen. Dass in der Nachbarschaft jemand wohnen würde, der einen solchen Polizeieinsatz auslöst, hätten sie nicht für möglich gehalten. Vor ihren Türen standen auf einer Wiese und in der Straße eher zwei als ein Dutzend Zivilfahrzeuge. Alle ohne Blaulicht.

Das SEK wollte vor der Razzia offenbar kein Aufsehen erregen. Nachbarstraßen wurden parallel relativ still abgesperrt, selbst die Müllabfuhr durfte nicht in die Stichstraßen hereinfahren, so ein Informant gegenüber unserer Redaktion.

Seit drei, vier Jahren zur Miete

Im Haus wohnte ein Pärchen um die 40. Seit drei, vier Jahren, so eine Nachbarin, seien sie hier zur Miete, während nebenan Eigentümer wohnten. Sie selbst sei seit 40 Jahren hier zu Hause, aber das habe sie noch nie erlebt. Auch sie sei auch von diesem Knall wach geworden.

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Die Polizei sprengte die Hauseingangstür auf, stürmte herein, weil Waffenbesitz vermutet wurde, und kam einige Minuten später mit fünf Tatverdächtigen heraus. Sie wehrten sich nicht, als sie abgeführt wurden. Zwei junge Männer wurden noch am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt. Drei weitere Personen werden nach richterlichem Beschluss noch festgehalten.

„Nach zwei, vielleicht drei Minuten kamen zig Wagen in zivil mit Beamten angefahren“, erklärt Zeitungszusteller Udo Mosebach.

„Sie haben immer freundlich gegrüßt“

„Sie waren vollkommen unauffällig und haben immer freundlich gegrüßt“, sagt eine Nachbarin über die Tatverdächtigen. Nur seien manchmal auffällig viele Autos vorgefahren mit Auto-Kennzeichen fernerer Orte. „Die Polizei hat eine Tüte mit Pflanzen herausgetragen“, so ihre Beobachtung. Hanfpflanzen? „Das konnte ich nicht erkennen.“

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