Schwitzende Männer im Wald – Armin Laschet zu Besuch in Castrop-Rauxel

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Armin Laschet macht Wahlkampf für die Ruhr-CDU in Castrop-Rauxel. Eine Veranstaltung, bei der vor allem zwei Dinge im Gedächtnis bleiben: Baum pflanzende Männer in weißen Hemden und fehlende Frauen.

Castrop-Rauxel

, 07.08.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht jeden Tag kommt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nach Castrop-Rauxel. Und er kommt nicht einfach irgendwo nach Castrop-Rauxel, sondern er kommt mitten in den Wald. In der Einladung heißt es: „Wir bitten, an festes Schuhwerk zu denken."

Mit festem Schuhwerk und in sengender Hitze warten wir am Rande des Waldes auf den Beginn der Veranstaltung. Zahlreiche Journalisten und CDU-Oberbürgermeister-Kandidaten aus dem Ruhrgebiet tummeln sich. Plötzlich bricht Hektik aus: Armin Laschet fährt vor und steigt aus. Hätte er seine Ausstrahlung nicht, er würde unter den großen Männern um ihn herum wohl untergehen.

Im Gänsemarsch geht es in den Wald hinein. Ein wenig deplatziert wirken all die Herren in ihren Anzügen. Noch unpassender sind allerdings Buffet und Stehtische mitten im Wald. Oliver Wittke (Vorsitzender der Ruhr-CDU und unter anderem ehemaliger Oberbürgermeister Gelsenkirchens) bedankt sich, Laschet bedankt sich und gewohnt routiniert betont er, wie wichtig ihm das Ruhrgebiet sei. Nur als er sich unsicher ist, ob Castrop-Rauxel im Kreis Recklinghausen liegt, kommt er kurz ins Schwimmen.

Armin Laschet und seine Parteikollegen im Wald.

Armin Laschet und seine Parteikollegen im Wald. © Nora Varga

Das Bild, das Armin Laschet, die CDU-Bürgermeister und die, die es werden wollen, abgeben, ist durchaus kurios. Eine Gruppe Männer mittleren Alters steht in weißen Hemden im Deininghauser Wald und schwitzt. Frauen sind nicht da.

Die Kandidaten umschwärmen ihren Ministerpräsidenten

Dann geht es an die Arbeit. Die Männer tun etwas Gutes für die Umwelt: Symbolisch werden die ersten 15 Bäume von 5 Millionen gepflanzt, die für die Internationale Gartenschau 2027 angeschafft werden sollen. Für die CDU-Oberbürgermeister(-Kandidaten) scheint Armin Laschet so etwas wie ein Popstar zu sein, alle wollen einmal ein Foto mit ihm machen. Jeder darf mal einen der Bäume mit dem Ministerpräsidenten halten und sich ablichten lassen.

Auch Castrop-Rauxels Bürgermeister-Kandidat Oliver Lind posiert mit schaufelndem Armin Laschet und Baum. „Ich freue mich natürlich, dass das in meiner Heimatstadt passiert“, erklärt uns Lind. „Wir sind ein Motor des Ruhrgebietes und müssten Castrop-Rauxels Kräfte entfesseln, dafür trete ich an."

Viele Journalisten halten fest, wie die CDU-Männer Bäume pflanzen.

Viele Journalisten halten fest, wie die CDU-Männer Bäume pflanzen. © Nora Varga

Dann hageln die Fragen der Journalisten, die seit mehr als einer halben Stunde in der prallen Sonne gewartet haben und Armin Laschet beim Pflanzen und bei den Fotos zugeschaut haben. Es geht um Schule, Corona und wie alles weiter gehen soll. Laschet spult seine Antworten herunter, als wären sie auswendig gelernt und spricht von Abwarten, Vorsicht und Abstand.

Die Fragen der Bürger

Eine unvorhergesehene Unterbrechung gibt es dann doch. Eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund zufällig in die Kulisse stolpert, möchte den Ministerpräsidenten etwas fragen. Die Castrop-Rauxelerin hat zwei Kinder im Schulalter. Sie beunruhigt die Maskenpflicht und sie will wissen, wann die Kinder das bekommen sollen, was Laschet den Kameras gegenüber gerade so stolz verkündet hat: Tablets, Computer und schnelles Internet.

Armin Laschet lässt sich nicht festnageln. Am Ende können sich die beiden zumindest darauf einigen, dass ihnen die Dinge oft zu lange dauern.

Weiße Tische und das Orange der CDU vor dem Grün der Bäume im Wald von Castrop-Rauxel.

Weiße Tische und das Orange der CDU vor dem Grün der Bäume. © Nora Varga

Armin Laschet erzählt: „Ich war schon ein paar Mal in Castrop-Rauxel. Mir ist bewusst, dass Arbeitsplätze in Castrop-Rauxel das wichtigste Thema sind.“ Zu dem Überhang an Männern erklärt er: „Man kann es natürlich nicht so leicht aufteilen, aber natürlich brauchen wir mehr Frauen.“ Man könne nicht sagen, in Castrop-Rauxel werde es ein Mann und dafür in Dorsten eine Frau. Kandidaten wüchsen aus der Partei einer Stadt.

Als die Hemdträger, Journalisten und Kamerateams abziehen, bleiben einige halb gepflanzte Bäume und ein Buffet. Der Mitarbeiter des Caterings fragt uns, ob wir was mitnehmen wollen, er müsse sowieso alles wegschmeißen. Mit Taschen voller geretteter Brezeln und Äpfel verlassen wir den grünen, ökologischen Wahlkampf-Wald in Castrop-Rauxel.

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