Ein Einbruch in einem Geschäft am Berliner Platz brachte die Polizei auf die Spur weiterer Straftaten. © Foto: Thomas Schroeter
Einbruch und ein neuer Verdacht

Schwester belastete ihren Bruder schwer, vor Gericht schwieg sie aber

Der Einbruch in ein Geschäft mit Cannabidiol-Artikeln gab Hinweise

Hat die „Black Domina“ Begehrlichkeiten geweckt? Das hielt die Polizei nicht für abwegig, als sie im März 2020 zu einem Einbruch am Berliner Platz gerufen wurde. Die Polizei stellte fest, dass die Täter von der Rückseite des Gebäudes durch das Lager in den Laden gelangt waren. Doch die Beamten registrierten noch mehr. Sie fanden neben den Cannabidiol-Artikeln, also Ölen, die bei gesundheitlichen Problemen Verwendung finden, auch berauschende Substanzen.

Verdächtiger Fund

„Der Einbruch gab Anhaltspunkte für andere Straftaten“, erklärte ein am Einsatz beteiligter Beamter nun als Zeuge vor Gericht. Das Angebot im Laden sei sicher für medizinische Zwecke angelegt, aber es gebe eine rechtliche Grauzone, so der Mann von der Kripo. Einfach ausgedrückt: Würden Hanfblüten als Tee aufgebrüht, sollen sie auf Kranke eine schmerzlindernde und beruhigende Wirkung haben. Doch könne man diese Blüten eben auch anders konsumieren. „Ich weiß, dass der Tee auch geraucht wird“, so der Beamte.

Und im Lager fanden sie bei der Durchsuchung einige dieser Blüten in Gläsern, obwohl der Großteil der Ware verschwunden war. Die Einbrecher hatten Ware im Wert von rund 3500 Euro mitgehen lassen.

Nur Vertretung

Wegen des Handels mit Betäubungsmitteln saß jetzt ein 28-Jähriger auf der Anklagebank. „Ich habe gar keine Ahnung von der Ware, habe nur ein paar Mal ausgeholfen“, erklärte er. Die Inhaberin sei seine Schwester, er habe sie unterstützt, weil sie gleichzeitig auch noch Geschäftsführerin einer Kneipe sei.

Lediglich ein paar Öle habe er verkauft. Den Wareneinkauf hätten Schwester und Schwager getätigt. Zudem sei er vor dem Einbruch schon eine Weile nicht mehr da gewesen.

Doch genau das hatte seine Schwester behauptet, hatte den Bruder somit in die Schusslinie der Ermittlungen gestellt. Bei der Hauptverhandlung jedoch glänzte sie durch Abwesenheit und kassierte dafür ein Ordnungsgeld von 150 Euro.

Zur Fortsetzungsverhandlung drei Wochen später wurde sie von der Polizei vorgeführt, ebenso ihr Ehemann. Der Auftritt im Zeugenstand, von dem sich Richter und Staatsanwaltschaft Klärung erhofften, war allerdings ausgesprochen kurz. Das Ehepaar machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Das ist nahen Angehörigen gesetzlich gestattet.

Keine Beweise

Das Schweigen der beiden Zeugen machte auch ihre zuvor getätigten schriftlichen Aussagen gegenüber der Polizei unbrauchbar. Sie durften zur Urteilsfindung nicht mehr verwendet werden. Da blieb nur eins: Freispruch. Im Zweifel für den Angeklagten heißt es in der Rechtsprechung. Für Familienfrieden hat es allerdings nicht gesorgt. Die Geschwister mieden jeglichen Blickkontakt.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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