Schülerin über Castrop-Rauxeler: „Er hat mein ‚Nein‘ nicht akzeptiert“

dzVergewaltigungsprozess

Nach einer mehrwöchigen „Corona-Pause“ steht ein mutmaßlicher Vergewaltiger aus Castrop-Rauxel im Prozess jetzt praktisch mit dem Rücken an der Wand. Der Grund: eine Sprachnachricht.

Bochum/Castrop-Rauxel

, 20.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 30-jährigen Mann aus Castrop-Rauxel hat eine Sprachnachricht die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers erheblich gestärkt. „Er hat mein ‚Nein‘ nicht akzeptiert. Ich bin voll fertig. Ich fühle mich so eklig und habe Schmerzen.“

Diese und weitere verzweifelte Sätze hatte eine Schülerin aus Herten noch in der fraglichen Nacht einer Schulfreundin in einem WhatsApp-Chat aufgesprochen. Das knapp eineinhalb Minuten dauernde Tondokument wurde am Dienstag (19.5.) am Bochumer Landgericht vorgespielt. Die Version des Angeklagten – alles soll einvernehmlich abgelaufen sein – ist dadurch empfindlich ins Wanken geraten.

„Uff, wir stehen mit den Kerlen am Ausgang“

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer hatte sich in der fraglichen Nacht sogar schon aus einer Disko in Recklinghausen bei der Schulfreundin gemeldet. Der 30-jährige Castrop-Rauxeler und ein Freund hatten die Hertenerin und eine Freundin dort am 31. März 2019 kennengelernt.

„Uff, wir stehen mit den Kerlen am Ausgang. Ich glaube, die wollen jetzt alle mit dem Taxi zu mir. Die wollen ‚Alk‘ kaufen“, hatte die Teenagerin an ihre Freundin getextet. Dass der Disko-Abend in ihrer Wohnung mit einem Trinkgelage fortgesetzt werden sollte, gefiel der jungen Frau offensichtlich ganz und gar nicht.

„Ich habe, ihm gesagt, ich will das nicht“

Warum sie sich trotzdem darauf eingelassen hat? „Ich habe mich so übertölpelt gefühlt, dass ich einfach nachgegeben habe“, sagte das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer am Dienstag.

Auch dass ihr der Angeklagte danach im Verlaufe der Nacht in ihrer Wohnung in ihr Schlafzimmer gefolgt und immer zudringlicher geworden sei, habe ihr gar nicht gefallen. „Ich habe ihm gesagt: Ich will das nicht! Aber er fing immer wieder an, mich zu bedrängen“, erinnerte sich die Schülerin. „Ich bin mir ganz sicher, dass ich mehrfach ‚Nein“ und auch zu 1000 Prozent gesagt habe, dass ich Schmerzen habe.“

Angeklagter soll „Nein“ ignoriert haben

Doch der Angeklagte habe jedes „Nein“ wortlos ignoriert. „Ich konnte auch nicht um Hilfe rufen, ich war wie in einer Starre. Ich habe mich so wehrlos gefühlt“, erklärte das mutmaßliche Opfer.

Der Castrop-Rauxeler stellte den Abend völlig anders dar. Angeblich soll die Initiative für das Weiterfeiern nach der Disko von der Schülerin ausgegangen sein. Kaum in der Wohnung der Hertenerin angekommen, sei es zum Sex gekommen - aber völlig einvernehmlich, wie er behauptete.

Der Angeklagte ist bei Vergewaltigungsvorwürfen kein unbeschriebenes Blatt. Er ist vorbestraft und steht unter Bewährung. Am 9. Juni geht der Prozess in die Fortsetzung.

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