Volle Busse kritisiert ein Leser. Alles, was Riefen habe, rollt, schildert DSW21 die derzeitige Situation, seit die Schulen wieder geöffnet sind. © Thomas Schroeter (A)

Schüler sorgen für übervolle Busse: „Eine unerträgliche Situation“

Fünf Tage Wechselunterricht an den weiterführenden Schulen: Seit Montag sorgt das für volle Busse. Andere Fahrgäste sorgen sich vor einer Corona-Infektion. Zwei Linien sind besonders betroffen.

Seit fünf Tagen sind die Schüler der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht. Das heißt: Gut die Hälfte von ihnen fährt täglich in die Schulen. Die andere Hälfte lernt zu Hause. Das sieht die Corona-Verordnung vor.

Derweil ist es draußen noch kalt. Viele Schülerinnen und Schüler nehmen dementsprechend den Bus. Doch klappt es auch mit dem Infektionsschutz auf dem Weg zur Schule und mittags zurück nach Hause? Nach Ansicht von Thomas Frauendienst nicht.

Er ist gehbehindert und sehr oft mit Bussen in Castrop-Rauxel unterwegs. Er sagt: „Die Situation ist unerträglich. Die Linien 480 und 482 sind teilweise so voll, da kann ich überhaupt keine Abstände einhalten.“ Die Stadt, die ÖPNV-Träger sollten dringend mehr Busse einsetzen, sonst sei man dort einer Corona-Infektion ausgeliefert wie nirgendwo sonst.

„Es ist so viel Geld da für alles mögliche“, sagt Frauendienst. „Warum nicht Busse von Wullhorst, Zeretzke oder anderen Busunternehmen als Entlastungsfahrzeuge dazu buchen? Sonst stecken wir uns in den Bussen alle gegenseitig an.“

DSW21 zieht Zwischenfazit

Betreiber der Buslinien 480 und 482 ist DSW21. Das Problem an den beiden Linien: Sie durchqueren die Europastadt von Nord nach Süd – und fahren dabei quasi alle weiterführenden Schulen an. Das Dortmunder Nahverkehrsunternehmen zieht nach fünf Tagen Schülerverkehr allerdings ein zufriedenstellendes Zwischenfazit.

„Die Fahrzeuge sind seit Montag natürlich stärker frequentiert als in der Vorwoche“, sagt DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung. „Aber die Ausweitung unseres Angebots hat dafür gesorgt, dass die Schüler ein größeres Platzangebot vorfinden und sich in der Regel in den Fahrzeugen gut verteilen können. Insgesamt war das somit ein zufriedenstellender Restart.“

DSW21 biete nun im gesamten Verkehrsgebiet fast 500 zusätzliche Fahrten im Schulverkehr an, heißt es in einer Medieninformation. Auf Nachfrage teilt DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth auch Details zum Schülerverkehr in Castrop-Rauxel mit. Sie erinnert dabei an 23 E-Wagen-Fahrten, die DSW21 im Schulverkehr seit Jahren anbiete. Die E-Busse verkehren auf den Linien 480 (Ickern-Marten), 481 (Becklem-Münsterplatz) und 482 (Mengede-Schwerin).

Neun statt sechs Fahrten pro Stunde

Zusätzlich habe DSW21 „sein Angebot in Abstimmung mit der Kreisverwaltung Recklinghausen massiv durch zusätzliche Fahrten erweitert“, schreibt Britta Heydenbluth. Grund wäre das beobachtete „relativ hohe Fahrgastaufkommen“, vor allem auf der Hauptachse zwischen Münsterplatz und Habinghorst.

Konkret heißt das: DSW21 bietet morgens zwischen 7 Uhr und 8.30 Uhr auf den Linien 480 und 482 neun statt sechs Fahrten pro Stunde an. Zwischen 12.30 Uhr und 16.30 Uhr gebe es in beiden Richtungen ebenfalls neun statt sechs Fahrten pro Stunde.

Appell an Schüler und andere Kunden

„Dadurch wird zu diesen Zeiten ein Takt von fünf beziehungsweise zehn Minuten erreicht.“ Fünf Zusatzfahrten gebe es auf der Linie 481. Die Linie verkehre dadurch nachmittags im 30- statt 60-Minuten-Takt.

Mehr geht offenbar nicht. „Damit rollt an Schultagen alles, was DSW21 und die Unternehmen, die in dessen Auftrag fahren, aufbringen können“, heißt es in der Zwischenbilanz. Verkehrsvorstand Hubert Jung erklärt: „Wir können unser Angebot nicht beliebig weiter hochschrauben.“

DSW21 appelliert aber an die Schüler, nicht im Eingangsbereich stehen zu bleiben und sich auf den gesamten Innenraum zu verteilen. Und erinnert alle anderen Bus-Kunden daran, dass sich ein Blick auf die elektronische Fahrplanauskunft lohne, ob nicht kurz vor oder nach dem bisweilen genutzten Bus weitere Fahrtalternativen zur Verfügung stehen.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock