Jessica Kessler hat sich für ein Musikvideo in eine englische Königin hineinversetzt. © privat
Musikvideo

Schloss Bladenhorst bietet passende Kulisse für eine singende Königin

Die Corona-Pandemie hat verheerende Folgen für Künstler. Auch Jessica Kessler und Patrick Sühl werden ausgebremst und suchen neue Wege. Im alten Schloss arbeiten sie im modernen Tonstudio.

Eine Frau wandert durch den Torbogen, im Wassergraben hinter dem alten Geländer spiegeln sich kahle Bäume. Die Stimmung ist düster, melancholisch, sie versetzt in frühere Zeiten. Zeiten, in denen eine Königin von ihrer großen Liebe singt und ihrem frühen Tod entgegensieht.

Jane Seymour war die dritte der sechs Ehefrauen des berüchtigten englischen Königs Heinrich VIII. Schloss Bladenhorst wäre ihr sicher zu unbedeutend gewesen. Und doch verbindet ein Musikvideo die traurige Königin, die im Kindbett starb, und das Schloss, das schon zu ihren Lebzeiten existierte.

Traurig-schön ist auch Jane Seymours Song „Heart of Stone“ aus dem Musical Six. Jessica Kessler singt ihn. Und sie ist gemeinsam mit Patrick Sühl für die Videoaufnahmen am Schloss Bladenhorst unterwegs gewesen. „Eine bessere Kulisse direkt vor der Haustür kann man doch gar nicht finden“, sagt die Sängerin.

Das WLT ist ein „Herzensding“

Jessica Kessler (40) und Patrick Sühl (31) leben seit eineinhalb Jahren im Schloss Bladenhorst. Beide sind immer wieder am Westfälischen Landestheater engagiert: „Es ist ein Herzensding für uns“. Deshalb haben sie auch in Castrop-Rauxel eine Wohnung gesucht und im Nordflügel des Schlosses gefunden.

Patrick Sühl übernimmt die Produktion im heimischen Studio. © privat © privat

Normalerweise würden sie zurzeit auf der Bühne stehen, reisen oder neue Stücke proben. In der Corona-Pandemie sind die beiden Künstler ausgebremst. Da heißt es neue, digitale Wege gehen. Wenn man dann noch an einem wirklich schönen Ort wohnt, kommt die Inspiration von ganz alleine. In ihrer Wohnung haben sie ein Heimstudio, indem sie schon einige Songs aufgenommen haben. Zu finden sind die Songs wie „Heart of Stone“ auf ihrem Youtube-Kanal „CastroplyRock“ .

Patrick Sühl ist Musiker, spielt Klavier, Gitarre und Bass. Inzwischen beschäftigt er sich immer mehr auch mit der Produktion von Songs und Musikvideos, will sich so ein weiteres Standbein aufbauen. „Man muss sich digital präsentieren, um im Gedächtnis zu bleiben. Sonst ist man schnell vergessen“, sagt Jessica Kessler. Das WLT ist ein wichtiger Arbeitgeber. Aber beide sind als freiberufliche Künstler auch auf andere Aufträge angewiesen.

Gartenarbeit anstelle von Auftritten und Tourneen

Im Sommer hatte die Sängerin die freie Zeit noch in den Garten gesteckt, den sie am Schloss angelegt hat. Und ein wenig haben sich die beiden auch gefreut, dass sie so miteinander sein konnten und sich nicht wie eigentlich geplant wegen Tourneen vier Monate nicht gesehen hätten. Doch jetzt fehlen die Aufgaben. „Ich habe sehr viel Energie, ich brauche immer etwas zu tun“, sagt Jessica Kessler.

Jessica Kessler im heimischen Studio auf Schloss Bladenhorst
Jessica Kessler im heimischen Studio auf Schloss Bladenhorst © privat © privat

Es bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten. „Im April sollen die Proben für „Als gäb’s kein Morgen – Die wilden 20er-Jahre“ von Tankred Schleinschock beginnen“, berichtet die Sängerin. Von ihm stammen auch die Stücke „Beatclub“ und „Musikladen“, in dem beide auch am WLT zu sehen und hören waren.

„Beatclub“ hatte noch im vergangenen Sommer Premiere. „Da hatten wir noch gedacht, es ginge weiter im Herbst“, sagt Jessica Kessler. Für sie gab es im Herbst noch einige Vorstellungen am Gärtnerplatztheater in München. Dann kam wieder die Corona-Zwangspause. Die wollen sie beide weiter kreativ nutzen. Und Schloss Bladenhorst könnte wieder Schauplatz für ein Musikvideo werden. Dann vielleicht mit fröhlicheren Bildern.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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