Ein Castrop-Rauxeler greift zum Schlagzeugstick statt zur Laserpistole

dzMusikalische Zeitreise

Marc Nathaniel macht Musik. Für die Hörspiel-Serie „Jan Tenner“ steuert der Schlagzeuger seinen Teil zum Soundtrack bei. Zuvor war er bereits bei einem anderen Klassiker mit von der Partie.

Castrop-Rauxel

, 17.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Job hört sich verdammt riskant an: Marc Nathaniel bekommt es mit dem „lautlosen Tod“, dem „Hirn des Bösen“ und den „Gefangenen der Parallelwelt“ zu tun. Doch keine Sorge - der 44-jährige Castrop-Rauxeler muss trotz dieser gefährlichen Gegner nicht um Leib und Leben fürchten.

Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Nathaniel kann den Job sogar von zu Hause aus erledigen - im Sitzen. Denn der Profi-Musiker ist bei der Neuauflage der in den 1980er-Jahren äußerst erfolgreichen Hörspielserie „Jan Tenner“ mit von der Partie. Und dafür greift er keineswegs zur Laser-Pistole, sondern zum Schlagzeugstick.

Marc Nathaniel lebt für die Musik

Ein Leben ohne Instrumente wäre für den Castrop-Rauxeler unvorstellbar. Er studierte Musik, unterrichtet Kinder und spielt in mehreren Bands wie der Formation T.O.Y., mit der er weltweit auf den Bühnen steht: „Neulich waren wir erst in Mexiko und Russland.“

Und was ein Vollblutkünstler ist, der kann fast jeder Musikrichtung etwas abgewinnen: „Egal, ob Synthie-Pop, Metall oder Big Band - ich höre und spiele alles gern.“

Aufgrund dieser Vielseitigkeit kam es nicht von ungefähr, dass Nathaniel vor drei Jahren auch engagiert wurde, um dem etwas angestaubten Soundtrack des Hörspiel-Klassikers „Die drei ???“ bei dessen Neuauflage mit seinem Schlagzeug einen zeitgemäßeren Klang zu verpassen.

„Die drei ???“ werden moderner

Offenbar erledigte er diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit, denn unlängst klingelte sein Telefon erneut: Der Musiker und Produzent Tom Steinbrecher fragte an, ob Nathaniel sich vorstellen könne, auch für die neuen Jan-Tenner-Folgen zum Drumstick zu greifen.

Und damit stieß er bei Nathaniel auf offene Ohren: „Ich habe die Abenteuer von Jan Tenner als Kind ja selbst gehört. Großartig.“ Somit war dieser Job - obwohl es sich ja um eine Science-Fiction-Serie handelt - für den Castrop-Rauxeler eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Ein Castrop-Rauxeler greift zum Schlagzeugstick statt zur Laserpistole

Marc Nathaniel bei der Arbeit - an seinem Schlagzeug. © Josko Kasten

Doch wie sollte man die Titelmelodie aus den 80er-Jahren, die doch eher elektronisch daherkommt, zeitgemäß aufpeppen? „Fest stand, dass es organischer klingen sollte“, erläutert der Castrop-Rauxeler, „und rockiger.“

Offenbar hatte Produzent Steinbrecher aber schon ziemlich exakte Vorstellungen, denn er gab Nathaniel einen Tipp mit auf den Weg, erinnert sich der 44-Jährige lachend: „Er sagte: Hör dir mal die Musik der alten Fernsehserie ‚Auf Achse‘ mit Manfred Krug an. So ähnlich soll‘s klingen.“

Den Klängen von „Auf Achse“ gelauscht

Ein Laie könnte mit solch einem Vorschlag reichlich wenig anfangen, doch Profi Nathaniel wusste schnell, was Steinbrecher wollte. Nachdem er den Klängen von „Auf Achse“ gelauscht hatte, setzte er sich in sein eigenes Studio, spielte die Schlagzeugspur ein und schickte sie dem Produzenten per Mail. Dessen Antwort kam prompt, erinnert sich der Castrop-Rauxeler: „Er fand‘s gut.“

Keine Frage: Als Jan Tenner vor über 30 Jahren seine ersten Abenteuer bestand, wäre Nathaniels Aufgabe ungleich zeitintensiver gewesen. „Damals hätte man erst mal ein Tonstudio anmieten, Masterbänder aufnehmen und diese per Post verschicken müssen“, erläutert der 44-Jährige.

Denn so seltsam es klingen mag: Internet und digitale Technik, heute längst allgegenwärtig, waren selbst für den Science-Fiction-Helden Jan Tenner damals noch Zukunftsmusik.

Erfolg auf der Messe „Hörmich“

Aber gut, dass alles so schnell vonstatten ging, denn bereits am vergangenen Samstag wurden die CDs mit sechs neuen Abenteuern Tenners auf der Hannoveraner Hörspielmesse „Hörmich“ vorgestellt. Mit Erfolg, weiß Nathaniel; nicht zuletzt die Tatsache, dass neben dem Autor Kevin Hayes auch zahlreiche Sprecher der Ursprungsfassung bei der Neuauflage dabei waren, sei extrem gut angekommen.

Nach zahlreichen Gigs auf den Bühnen der Welt nun also zum zweiten Mal eine erfolgreiche Arbeit für ein Hörspiel. Wovon träumt ein Profi-Musiker wie Marc Nathaniel denn noch? Die Augen des 44-Jährigen beginnen zu glänzen: „An einem Hollywood-Blockbuster mitarbeiten - das wär‘s.“

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