Vor der Marktschänke an der Mühlenstraße ereignete sich die Schlägerei, die nun vor Gericht verhandelt wurde. © Thomas Schroeter

Schlägerei vor der Marktschänke in der Altstadt: War es Notwehr?

Hat ein 59-jähriger Castrop-Rauxeler im Sommer 2020 einen anderen Mann vor einer Castroper Kneipe grundlos zusammengeschlagen - oder gab es ein Motiv?

Es war der 1. September 2020, als zwei Männer eine heftige Auseinandersetzung vor der Marktschänke in der Altstadt hatten. Gegen 18 Uhr flogen die Fäuste. Zwei Mal soll ein 59-Jähriger zugelangt haben, der Kontrahent blutend zu Boden gegangen sein.

Jetzt trafen die beiden im Amtsgericht wieder aufeinander. Doch ihre Aussagen drifteten weit auseinander. So schildert der Angeklagte, ein ehemaliger Bergmann, den anderen als streitsüchtig. „Du fehlst mir auch noch“, soll der andere bei seinem Anblick gesagt haben. „Ich hätte gehen sollen, doch da kam mein Onkel in die Kneipe, und wir sind zusammen raus zum Rauchen“, erklärte er.

Verwechslung vermutet

Dort sei der andere Gast auf ihn zugestürmt. Er habe sich bedroht gefühlt und zugeschlagen. Das gab der 59-Jährige vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel nun auch unumwunden zu, stufte die Faustschläge aber als Notwehr ein. Den vermeintlichen Angreifer habe er nicht gekannt.

„Ich glaube, dass er mich verwechselt hat“, sagte er. Da sei irgendwas mit schlechter Arbeit bei ihm zu Hause gewesen. Exakt aus diesem Grunde will ihn der 71-jährige Gast der Marktschänke gekannt haben. „Ich habe ihn schon mehrmals gesehen. Er hat 2019 bei mir gejobbt, sollte den Flur machen. Doch er hat es nicht fertiggestellt, die Arbeit war mangelhaft“, sagte er. Deshalb sei er aber nicht wütend, nannte es „seine eigene Dummheit“.

Weil der 59-Jährige in der Kneipe herumpöbelte, er sich aber nicht mit ihm abgeben wollte, habe er mit ihm vor die Tür gehen wollen. Noch während des Herausgehens habe ihn der Angeklagte von hinten geschlagen. Er sei zu Boden gegangen, wo der 59-Jährige noch nachgetreten habe.

Schließlich konnte der Wirt, der inzwischen die Polizei informiert hatte, den Angreifer wegziehen. Der 71-Jährige erlitt eine Platzwunde am Kopf, die genäht werden musste, dazu Prellungen an Rippen und am Fuß.

Lokalverweis

Der 63-jährige Pächter der Kneipe hatte in Erinnerung, dass die beiden bereits in der Gaststätte aufeinander losgegangen waren. Beide seien nicht mehr nüchtern gewesen, deshalb habe er sie des Lokals verwiesen.

Er war zudem sicher, dass die beiden sich kannten, sie hätten sich im Lokal mit ihren Vornamen angeredet. Die Schläge vor der Tür habe er nicht gesehen. Als er draußen einen Knall gehört und nachgeschaut habe, habe der Geschädigte bereits auf dem Boden gelegen.

Um den Hergang der Schlägerei rekonstruieren zu können, will der Richter als Augenzeugen noch den Onkel sowie einen Mitarbeiter des gegenüberliegenden Ladens sprechen. Der war bereits als Zeuge zur Hauptverhandlung geladen, aber nicht erschienen. Ende Mai soll er nun von der Polizei vorgeführt werden.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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