Die DNA von Ralf H. - hier im Gerichtssaal - wurde auf der Leiche der Schülerin gesichert. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Schalla-Prozess: Landgericht sagt nächsten Termin im Mord-Verfahren ab

Der Prozess um die Ermordung der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla 1993 dauert an. Das Landgericht kippte den für Montag anberaumten Termin kurzfristig. Die Begründung fiel knapp aus.

Die Mail des Landgerichts Dortmund am Sonntagabend (10.1.) bestand nur aus einem Satz:

„Sehr geehrte Damen und Herren, der für den morgigen Montag angesetzte Hauptverhandlungstermin im Strafverfahren gegen Ralf H. (sog. Schalla Verfahren) fällt aus Infektionsschutzgründen aus“, lautete die vollständige Nachricht, die Landgericht-Sprecher Dr. Thomas Jungkamp um kurz vor 19 Uhr an Medienvertreter verschickte.

Im Klartext heißt das: Anders als vom Gericht selbst noch am Freitag (8.1.) angekündigt, wird die Verhandlung gegen Ralf H. am Montag (11.) nicht fortgesetzt, wird es keine Plädoyers und erst recht kein Urteil in dem Fall geben.

Festnahme von Ralf H. im Juni 2018

Die jüngste Absage ist ein weiteres Kapitel in der schier unendlich erscheinenden Geschichte des Mordprozesses. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Castrop-Rauxeler Ralf H. vor, im Jahr 1993 die damals 16-jährige Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla nahe ihrem Elternhaus ermordet zu haben.

Fast 25 Jahre lang hatte die Polizei bei der Suche nach dem Täter weitgehend im Dunkeln getappt, bevor im Juni 2018 Ralf H. unter dringendem Tatverdacht festgenommen wurde und in Untersuchungshaft kam.

Doch obwohl auch die Anklage im September 2018 erhoben wurde, läuft der Prozess immer noch. Nachdem es ab Ende 2019 wegen Erkrankung einer Richterin monatelang keine Verhandlung gegeben hatte, musste der Prozess von vorne beginnen.

Als Reaktion auf die lange Verfahrensdauer bestimmte das Oberlandesgericht Hamm im Juli 2020, dass Ralf H. aus der Untersuchungshaft entlassen werden müsse. Seit August 2020 erscheint H. als freier Mann zu den Verhandlungen.

Im Dezember musste die Fortsetzung erneut verschoben werden, weil der zuständige Staatsanwalt in Corona-Quarantäne musste. Weitergehen sollte das Verfahren am vergangenen Mittwoch (6.1.). Doch wieder wurde der Termin abgesagt – diesmal, weil der Angeklagte Ralf H. selbst unter Corona-Verdacht stand. Freitag folgte die Entwarnung und die Ankündigung, dass am Montag verhandelt werde.

Nun also die erneute Absage – ob die in der Mail genannten „Infektionsschutzgründe“ im Zusammenhang mit Ralf H. stehen oder wieder ein neuer Grund aufgetreten ist, der den Termin verhindert, war der Mail des Gerichts nicht zu entnehmen. Ebensowenig wie ein neuer Verhandlungstermin.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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