Strengere Maskenpflicht in Bussen – Fahrgäste müssen mit Verspätungen rechnen

dzCoronavirus

Wer in Bussen keine Maske trägt, soll sofort ein Bußgeld zahlen. So plant es der NRW-Verkehrsminister. Das umzusetzen, ist allerdings schwierig und könnte zu mehr Verspätungen führen.

Castrop

, 06.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da hat Hendrik Wüst (CDU) eine strikt-strenge Linie angekündigt: Wer ohne Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Nahverkehr erwischt wird, „muss an der nächsten Haltestelle raus und zahlen“, hat der NRW-Verkehrsminister in einem Interview gesagt. Und zwar ein Bußgeld von 150 Euro.

Wer das wie kassieren soll, ist offen – eine Handlungsanweisung es Landes fehlt noch. Daher hält sich die Bogestra, deren Busse unter anderem durch Castrop-Rauxel fahren, auch auf Anfrage bedeckt und möchte Wüsts Vorstoß vorerst nicht bewerten. „Wir brauchen erst mal Vorgaben vom Land“, sagt Sprecher Christoph Kollmann.

HCR, Vestische und DSW21, deren Busse ebenfalls in Castrop-Rauxel unterwegs sind, dagegen begrüßen Wüsts Pläne bereits. „Wir unterstützen alle Bemühungen, die die Durchsetzung der Maskenpflicht betonen“, sagt HCR-Sprecher Dirk Rogalla.

Und bei der Vestischen scheint man geradezu froh: „Das ist das von den Verkehrsunternehmen erhoffte Signal aus der Politik“, erklärt Geschäftsführer Martin Schmidt via Pressemitteilung. Nun hoffe man aber auch auf eine praktikable Handlungsanweisung aus dem Ministerium.

Busfahrer muss zuerst auf den Verkehr achten

Denn: Sowohl HCR und Vestische machen klar, wie schwierig es für den Busfahrer ist, im Blick zu haben, ob sich die Fahrgäste an die Maskenpflicht halten – und dann auch entsprechend zu handeln: „Oberste Aufgabe des Fahrers ist es, auf den Verkehr zu achten“, sagt Vestische-Sprecher Christoph van Bürk.

Und nicht nachzuhalten, ob vielleicht in der letzten Reihe noch jemand sitzt, der Mund und Nase nicht bedeckt hat oder die Maske im Laufe der Fahrt abnimmt. Hinzu komme, dass einige Fahrgäste mit den Rücken zum Fahrer sitzen, sagt Rogalla.

Bisher läuft es bei der HCR so, dass der Fahrer per Mikrofon gezielt Fahrgäste ohne Maske anspricht und sie auffordert, Mund und Nase zu bedecken. Der Vorschlag des NRW-Verkehrsministers scheint aber weiter zu reichen: Der Fahrgast soll aussteigen und das Bußgeld zahlen.

Das ginge aber nur, wenn der Bus an der nächsten Haltestelle anhält und Ordnungsbehörden wie beispielsweise die Polizei dazu gerufen werden. „Wir können keine Ordnungswidrigkeiten ahnden und Bußgelder kassieren“, erklärt Rogalla. Das betont auch die DSW21.

Hält der Bus, gerät der Fahrplan durcheinander

Stoppt der Bus außerplanmäßig, kommt es definitiv zu Verspätungen, heißt es bei der Vestischen und der HCR. Und die gehen zu Lasten all der anderen Fahrgäste, sagt Rogalla. Zu Lasten der Fahrgäste, die sich an die Maskenpflicht halten und dennoch zu spät zur Arbeit oder einem anderen wichtigen Termin kommen. Ein Dilemma für die Verkehrsbetriebe. Mit Aufregerpotenzial.

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Denn: Verstößt nur einer gegen die Maskenpflicht, müssten viele darunter leiden. Alle Verkehrsbetriebe betonen einhellig, dass es gar nicht so viele Masken-Muffel im öffentlichen Nahverkehr gebe. Laut HCR befolgen eigenen Erhebungen nach 98 Prozent der Fahrgäste die Maskenpflicht.

Auch die Vestische sprich davon, dass der „überwiegende Großteil der Fahrgäste sich an die Regeln hält“. Seit die Maskenpflicht gilt, seien erst zwei Fahrgäste des Busses verwiesen worden – im gesamten Gebiet der Vestischen, das bis Bottrop reicht.

Dennoch wird der Verkehrsbetrieb ab Montag seine Gangart gegenüber Masken-Muffeln etwas verschärfen – unabhängig von den Plänen des Verkehrsministeriums: Wer keine Maske trägt und nach Aufforderung auch keine aufsetzt, soll sofort den Bus verlassen müssen. Zur Not auch mit Hilfe der Polizei.

„Dafür müssen Verspätungen in Kauf genommen werden“, sagt van Bürk. Am 12. August (Mittwoch) beginnt die Schule wieder und die Busse würden voller. Daher sei das Tragen einer Maske „noch wichtiger“, heißt es bei der Vestischen.

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