Revierderby-Kommentar: „Fußball ohne Zuschauer ist wie Braten ohne Soße“

dzKneipentour

Fahnen, laute Fangesänge und dichtes Gedränge in den Kneipen in Castrop-Rauxel - so kennt man es, wenn das Revierderby Dortmund gegen Schalke ansteht. Diesmal sah es in den Kneipen anders aus.

Castrop-Rauxel

, 16.05.2020, 18:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ball rollt wieder in der Fußball-Bundesliga. Am ersten Spieltag nach der Saison-Unterbrechung wegen des Coronavirus kam es am Samstag zur besten Bundsligazeit um 15.30 Uhr gleich zum Derby.

Aber bei Borussia Dortmund gegen Schalke 04 waren im Westfalenstadion keine Zuschauer erlaubt, wie überall in der Bundesliga war Geisterspielatmosphäre angesagt.

In den Kneipen in Castrop-Rauxel, die nach dem Corona-Lockdown wieder geöffnet haben und das Spiel zeigten, fanden sich aber einige Fußballfans zum gemeinsamen Gucken ein. Wenigstens ein bisschen Atmosphäre sollte es ja schon sein.

Im Brauhaus Rüteshoff an der Schillerstraße zeigt man das Spiel gleich auf mehreren Bildschirmen. Neben dem kupfernen Braukessel findet sich eine vierköpfige Borussia-Fraktion. Trotz 3:0-Führung ihrer Farben zu Beginn der zweiten Halbzeit ist die Begeisterung aber mäßig. „Derby-Stimmung kommt nicht auf“, sagt Willi, „nicht in einer so leeren Kneipe und mit Bildern aus einem leeren Stadion.“ Gekommen sind sie trotzdem.

„Besser als zu Hause sitzen“

„Auf jeden Fall ist das besser, als zu Hause sitzen“, findet Ute. „Außerdem sind wir wegen des leckeren Bieres hier und der weltbesten Rinderroulade.“ Nur rund 40 Gäste sind zum 180. Derby im Brauhaus Rütershoff.

„Das sind gerade mal 20 Prozent davon, was wir hier sonst zum Derby haben“ erklärt Geschäftsführer Erich Brennecke. „Wirtschaftlich ist das nicht, was wir hier machen.“

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Aber die Gäste hätten dem Brauhaus die Stange gehalten und daher wollte er zum Derby öffnen. Auch wenn er bei den Personalkosten bei solch einer schmalen Gästezahl aus eigener Tasche draufzahlt.

Am anderen Ende der Gaststätte sitzt ein fünfköpfige Schalke-Gruppe. Wegen der Hygiene-Auflagen werden die fünf jungen Männer auf drei Tische verteilt. „Ich bin der Außenseiter, das ist einsam“, scherzt Matze, der allein am Tisch sitzen muss. Flo meint: „Ich bin froh, mal raus zu kommen, man sieht sich mal wieder.“

Und Sleepy ergänzt: „Endlich wieder ein Bier mit Freunden in der Kneipe trinken. Wir hatten uns damals so auf das Derby gefreut.“ Das war vor acht Wochen. Da wurde das Derby wegen der rasant steigenden Zahl an Corona-Infektionen abgesetzt. Viel Freude kommt im Laufe des Derbys bei der Schalker Fraktion nicht auf. Zu deutlich ist die Überlegenheit der ungeliebten Konkurrenz.

Matze (links) und seine Freunde müssen sich an verschiedene Tische verteilen. Sie genießen es aber, mal wieder gemeinsam in der Kneipe ein Bier zu trinken

Matze (links) und seine Freunde müssen sich an verschiedene Tische verteilen. Sie genießen es aber, mal wieder gemeinsam in der Kneipe ein Bier zu trinken. © Christian Püls

Auch im Haus Henze kehrt man ein, als nun das Derby über die Bühne geht. Sieben Gäste blicken hier auf zwei Bildschirme, normalerweise sind es über 50. Verhaltener Jubel beim 1:0. Zumindest von den Dortmund Anhängern. „Ich komme immer hier her zum Derby“, sagt Ralf Görges, „aber Stimmung kann so nicht aufkommen. Die Bundesliga fortzuführen ist überhaupt Quatsch.“ Jens widerspricht: „Ich finde es gut. Ablenkung ist nicht verkehrt. Und für die Kneipen ist es auch gut.“

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In der Klapsmühle wird das Spiel sowohl drinnen als auch draußen im Biergarten gezeigt. Auf mehreren Bildschirmen sowie einer großen Leinwand verfolgen hier knapp 25 Fans das Revierderby. Doch von richtiger Derbystimmung kann auch hier keine Rede sein.

Der Torjubel fällt verhalten und ohne große Emotion aus, ganz anders als sonst beim Aufeinandertreffen der Rivalen. Dieter: „Da kommt einfach nicht die richtige Atmosphäre zustande. Aber ich bin froh, dass die Kneipen überhaupt wieder auf haben und ich wieder Fußball schauen kann.“

Knobelpartie während des Spiels

In der zweiten Hälfte des Spiels wird die Stimmung zwar ausgelassener, aber von Anspannung oder Nervenkitzel kann man nicht sprechen. An einem Tisch wird sogar nebenbei geknobelt - eine sonst undenkbare Situation, wenn sich die beiden Erzrivalen aus dem Pott begegnen.

„Fußball ohne Zuschauer ist wie Braten ohne Soße. Das macht sich auch hier bemerkbar“, bringt Schalke-Fan Dieter Hahne die Sache auf den Punkt.

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