Dorothee Feller, Regierungspräsidentin in Münster, sagte im großen Interview zum Jahreswechsel, dass sie Licht am Ende des Tunnels sehe. © Torsten Janfeld
Lage im Kreis RE

Regierungspräsidentin: „Es wird weiter aufwärts gehen mit der Region“

Im großen Jahreswechsel-Interview mit dem Medienhaus Bauer hat RP Dorothee Feller über Corona-Sorgen, Ausgangssperren und Perspektiven gesprochen. Wir fassen zentrale Aussagen zusammen.

Die Corona-Krise hat viele Pläne durchkreuzt und der Aufbruchstimmung im Kreis Recklinghausen einen Dämpfer verpasst. Doch trotz aller Sorgen bleibt Dorothee Feller, Regierungspräsidentin bei der Bezirksregierung Münster, zuversichtlich. Im Interview mit der „Recklinghäuser Zeitung“ erläuterte sie jetzt ihre Einschätzungen.

Was die Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie leisteten, sei enorm. „Es gibt im Kreis Recklinghausen nichts zu beanstanden“, so Feller. „Im Ballungszentrum, wo viele Menschen auf engem Raum leben, sind die Infektionszahlen naturgemäß höher als in ländlichen Bereichen.“

„Das letzte Mittel, das wir noch haben“

Über eine Ausgangssperre als noch schärfere Lockdown-Maßnahme habe man Mitte Dezember mit dem Landrat des Kreises und den Oberbürgermeistern von Gelsenkirchen und Bottrop beraten. „Wenn es zu einer Ausgangssperre kommt, dann wäre es gut, wenn sie dort gleichermaßen gelten könnte“, so Feller. Aber: „Wir sollten uns aber auch bewusst machen, dass die Ausgangssperre das letzte Mittel ist, das wir noch haben.“ Darum habe man sich trotz Inzidenzen von über 300 Neuinfektionen zunächst dagegen entschieden.

Die Situation in den Krankenhäusern bereite ihr die meisten Sorgen: „Die Kliniken weisen zunehmend auf eine angespannte Lage hin.“ Das Land habe darauf reagiert und bei den Bezirksregierungen eine zentrale Stelle eingerichtet. Sie trage den Namen „Spoc“ (Single Point of Control): „Wenn es in einem Kreis oder einer Stadt eng wird mit Intensivbetten, kann Spoc die Patienten an Krankenhäuser mit noch freien Kapazitäten vermitteln. Das funktioniert auch über die Grenzen des Regierungsbezirks Münster hinaus“, erklärt Feller im Interview.

Wissenslücken bei vielen Schülern

In den Schulen bereite ihr Sorgen, dass bei die Wissenslücken durch den flächendeckenden Distanzunterricht bei zahlreichen Schülern in der ersten Jahreshälfte groß geworden seien. „Um hier zu helfen, haben wir seit dem Sommer 1200 Schülern weiterführender Schulen ein Angebot gemacht: Nach einem von Schulpädagogen der Bezirksregierung entwickelten Konzept geben Lehramtsstudenten der Uni Münster nicht nur Nachhilfeunterricht, sondern vermitteln den Jugendlichen auch Methoden zum selbstständigen Lernen. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler, die davon profitiert haben, leben in der Emscher-Lippe-Region.“

Auch der wirtschaftliche Aufschwung in der von hohen Arbeitslosenzahlen gebeutelten Region wurde stark abgebremst. „Die Rückschläge auf dem Arbeitsmarkt sind tatsächlich bitter“, so Feller. „Aber wir haben an vielen Themen weitergearbeitet, speziell am Thema Wasserstoff. Daran beteiligt waren das h2-netzwerk-ruhr, die Industrie- und Handelskammer und die WiN Emscher-Lippe, die eine Wasserstoffstrategie für die Region entwickelt hat.“

„Endlich sehen wir Licht am Ende des Tunnels“

Wasserstoff sei ein bedeutendes Zukunftsfeld für die Wirtschafts- und Energieregion Emscher-Lippe. „Dabei wollen wir besonders die mittelständischen Industrieunternehmen in den Blick nehmen, die in der nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes noch eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Unternehmen, die zum Beispiel auch aus der Chemiebranche kommen, möchten wir bei der Umstellung auf eine CO2-arme Energieversorgung durch Wasserstoff begleiten.“ Grundsätzlich sei sie „davon überzeugt, dass es mit der Region wirtschaftlich weiter aufwärts gehen wird“.

Bei den kommunalen Schulden sei sie überzeugt, dass bald auch das Thema Altschulden schnell wieder auf die Tagesordnung komme. „Dann, wenn wir die Corona-Pandemie bewältigt haben“, so Feller. „Der Impfstoff gibt uns jetzt ja auch eine Perspektive. Endlich sehen wir Licht am Ende des Tunnels.“

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Redakteur Regionales

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