Der Corona-Test bei Ralf H. ist negativ ausgefallen. © Martin von Braunschweig
Schalla-Prozess

Rechtsanwalt von Ralf H. weiß, wo sich der verurteilte Mörder aufhält

Wegen Mordes wurde Ralf H. zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch die Polizei meldete, er sei untergetaucht. Jetzt sagt der Rechtsanwalt des verurteilten Mörders: Ich weiß, wo er sich aufhält.

Der verurteilte Mörder von Nicole-Denise Schalla ist nicht auffindbar. Das hat die Polizei in Münster gemeldet.

Doch Ralf H. war nach Angaben seines Anwalts Udo Vetter nie auf der Flucht. Vetter habe noch am Samstag (27.3.) mit H. Kontakt gehabt, als ein gerichtliches Schreiben bei H. eingetroffen sei.

„Die Polizei in Münster fährt eine üble Kampagne“, sagt der Rechtsanwalt aus Düsseldorf, der H. in dem Mordprozess vertritt.

H. habe sich „wenige Tage“ nicht an seiner Meldeadresse bei seiner Lebensgefährtin in Münster aufgehalten, um die Familie seiner Partnerin „aus einem privaten Anlass“ zu besuchen.

„Er kann nach Malle fliegen“

Doch H. sei ein freier Mann, da das Landgericht Dortmund nach der Verurteilung wegen des Mordes vor mehr als 27 Jahren den Haftbefehl bis zur Entscheidung über die Berufung des Angeklagten ausgesetzt habe.

„Es gibt keinerlei Auflagen. Er kann an der Regattastrecke in Münster spazieren gehen, er kann nach Malle fliegen und sich in die Sonne legen, oder nach Papua-Neuguinea“, sagt Udo Vetter.

Die Polizei in Münster sieht das anders. Im Februar hat sie beim Amtsgericht Münster beantragt, dass der mehrfach vorbestrafte und nun wegen Mordes verurteilte Straftäter mit einer elektronischen Fußfessel überwacht und zusätzlich zur Fahndung ausgeschrieben werden soll.

Polizeisprecher Jan Schabacker sagt: „Wir haben eine Gefährdungsbewertung auf Grundlage bestehender Informationen aus dem Prozess abgegeben. Das wird nun durch das Gericht geprüft.“

Die Tatsache, dass Ralf H. mehrfach durch Gewalttaten gegen Frauen in Erscheinung getreten sei, habe gereicht, um zu der Einschätzung zu kommen, dass eine Überwachung notwendig sei.

Jan Schabacker spricht von einer „besonderen Maßnahme“, die selten eingesetzt werde. Zugleich sei die elektronische Fußfessel ein vergleichsweise mildes Mittel der Prävention. Sie übertrage keine Bewegungsdaten in Echtzeit, sondern zeichne sie auf. Dies soll eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter haben.

Polizei in Münster möchte elektronische Fußfessel

Im Laufe dieses Verfahrens habe ein Schreiben an H. nicht zugestellt werden können, so Rechtsanwalt Udo Vetter. Deshalb erschien er laut seinem Anwalt nicht zu einem angesetzten Gerichtstermin am 24. März.

„Dem zu entnehmen, er sei auf der Flucht, ist hanebüchener Unsinn“, sagt der Jurist an die Adresse der Polizei. Weitere Versuche, ihn oder seinen Mandanten zu erreichen, habe die Polizei nicht unternommen.

Amtsgericht Münster hat Vorladung an eine veraltete Adresse geschickt

Dr. Jürgen Wrobel, Sprecher des Amtsgerichts Münster, hat gegenüber dieser Redaktion bestätigt, dass das Schreiben nicht hatte zugestellt werden können.

„Unter der uns zunächst bekannten Adresse kam es als nicht zustellbar zurück. Wenige Tage später hat es an einer anderen Adresse funktioniert“, sagt Wrobel.

Für das Verfahren über die elektronische Fußfessel und die Fahndung gibt es am Mittwoch (31.3.) einen Anhörungstermin, so der Anwalt. Bei diesem Termin wird laut dem Gerichtssprecher aller Voraussicht nach eine Entscheidung über den Antrag des Polizeipräsidiums Münster auf Grundlage des Polizeigesetzes fallen.

Laut Udo Vetter folge das Gericht bisher nicht der Argumentation der Polizei, dass Ralf H. streng zu überwachen sei.

Die Polizei sei aufgefordert, dies spezifischer zu begründen, da die letzte Straftat 12 Jahre zurückliege und keine konkrete Gefahr von H. ausgehe.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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