Der Umbau des Hauptbahnhofs läuft auf Hochtouren. Wir haben mit Wewole Chef Rochus Wellenbrock über Bauarbeiten, Brötchen und Menschen mit Behinderung als Arbeitskräfte gesprochen.

Rauxel

, 12.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Seit Monaten wird umgebaut: Da, wo früher der Bäcker Daily Klems seine Filiale hatte und die Bahnreisenden, aber auch Anwohner aus den Stadtteilen Rauxel und Bladenhorst glücklich machte, herrschte lange Leere, jetzt große Betriebsamkeit. Denn die Wewole baut dort ein neues Café, eines, das anders ist als die meisten anderren. Mit dem Wewole-Chef sprach unser Reporter Matthias Stachelhaus.

Nachdem sich der Verkauf des Hauptbahnhofs lange hingezogen hatte, läuft der Umbau für das Geschäft Cappuccino jetzt auf Hochtouren. Wie zufrieden sind Sie mit dem Fortschritt und Verlauf der Arbeiten, Herr Wellenbrock?

Ich bin sehr zufrieden. Aus mehreren Gründen. Der erste ist, dass wir mit dem Architekten und den ortsansässigen Handwerkern in der prognostizierten Zeit Bauarbeiten geleistet haben, die wirklich nah an den Designvorgaben sind. Das finde ich schon richtig gut. Wir halten zu etwa 90 Prozent unsere Prognosen, was die Öffnungszeit anbelangt. Ich hoffe auf eine hohe Akzeptanz der Nachbarn und Pendler, weil ich vor Ort schon häufig darauf angesprochen worden bin, wann wir denn endlich aufmachen.

Und? Gibt es einen konkreten Eröffnungstermin?

Ja. Am 26. April um 10 Uhr öffnen wir erstmals. Mit einem kleinen offiziellen Akt. Bürgermeister Kravanja wird kommen und wir haben Multiplikatoren aus Castrop-Rauxel eingeladen. Die Verwaltung, die Nachbarn, die Politik. Für die Kunden wird es an diesem Tag ein spezielles Eröffnungsangebot geben. Auch die versprochene Reparatur der Bahnhofsuhr wird noch vor dem 26. April erfolgen. Und dann wird es noch zwei große Infoterminals im Cappuccino geben, die die Abfahrtszeiten der Züge und Busse für die Kunden anzeigen.

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So sehen die Modelle für den neuen Bahnhof aus

Der Hauptbahnhof in Castrop-Rauxel soll schon einem halben Jahr ein ganz anderes Sicht haben. Die Wewole-Stiftung hat das Gebäude gekauft und wird ein Café und einen Kiosk darin betreiben. Wir zeigen die Pläne.
12.10.2018
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Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof soll mit CAPpuccino ein Café der Wewole entstehen.
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Im Hauptbahnhof entsteht mit NimmEssMit ein Kiosk der Wewole.© R.Ghanavati
Die Radstation bleibt im Hauptbahnhof, zieht im März aber eine Etage höher.© Thomas Rekendt
Die Radstation bleibt im Hauptbahnhof, zieht im März aber eine Etage höher.© Thomas Rekendt
Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft übergab symbolisch einen goldenen Schlüssel an die Wewole-Stiftung als neuer Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes.© Thomas Rekendt
Die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft übergab symbolisch einen goldenen Schlüssel an die Wewole-Stiftung als neuer Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes.© Thomas Rekendt
Rochus Wellenbrock, Vorstandsvorsitzender der Wewole-Stiftung, stellte die Pläne für den Umbau des Bahnhofsgebäudes vor.© Thomas Rekendt
Im Bahnhofsgebäude in Rauxel sollen demnächst ein Café und ein Kiosk von der Wewole entstehen.© Thomas Rekendt

Die Räume der Radstation sind seit dem 1. April frei. Wann beginnen hier die Arbeiten für das zweite Projekt NimmEssMit, den Kiosk, und wann werden sich die Türen für die Kunden öffnen?

Der Rückbau läuft bereits. Wir haben mit einer Bauzeit von zehn Wochen geplant. Das heißt wir gehen davon aus, dass wir irgendwann Ende Mai bis Anfang Juni eröffnen. Ein bisschen Karenzzeit ist immer notwendig. Wer weiß schon, was da alles noch passiert. Bei einem Bau im Bestand braucht man immer ein wenig Puffer.

Der Verbleib der Radstation war und ist eins der großen Themen bei der Umgestaltung des Hauptbahnhofs. Unseren Informationen nach liegt der Rebeq ein Mietvertrag von der Wewole für Räume im oberen Geschoss des Hauptbahnhofs vor. Die Radstation ist derweil nach Aussage von Standortleiterin Laura Wächter vorübergehend an die Victorstraße umgezogen. Wie ist hier der Stand der Dinge bei Ihnen?

Es hat in den Monaten nach unserer Übernahme mehrere Gespräche mit der Rebeq gegeben, leider ohne ein konkretes Ergebnis. Wir haben der Radstation auch einen Mietvertrag für das von uns modernisierte Obergeschoss vorgelegt. Jetzt hat die Rebeq eine neue Bleibe gefunden. Das finden wir sehr schade, vor allem im Hinblick auf die Fahrgäste, die mit dem Rad zum Bahnhof kommen. Die Tür ist aber nicht zu, wir stehen für weitere Gespräche mit der Rebeq zur Verfügung.

Rauxeler Hauptbahnhof hat bald wieder Kaffee, belegte Brötchen und eine Toilette

Rochus Wellenbrock, Vorstandsvorsitzender der Wewole-Stiftung in Herne: „Menschen mit Behinderung gehören einfach dazu. Natürlich bieten sie auch wichtige Dienstleistungen in der Nahversorgung an.“ © Stefan Kuhn

Wie funktioniert dieses Franchiseprojekt Cappuccino/NimmEssMit? Bei Ihrem Partner, der gdw Süd, ist die Rede von einer 50/50-Aufteilung zwischen behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern.

Genau. Ich hole mal ein wenig aus. Die gdw Süd ist die Genossenschaft der Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Die gdw Süd hat sich so ein bisschen konzentriert auf Einzelhandelskonzepte in Deutschland und die Frage: Wie kann ich Menschen mit Behinderung im Einzelhandel beschäftigen und einsetzen? Natürlich im Rahmen ihrer Qualifikation. Man hat damit begonnen, indem man die sogenannten CAP-Märkte konzipiert hat. Das sind ganz normale Einzelhandelsgeschäfte, wo Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zusammen arbeiten und alles, was man im Supermarkt kauft, anbieten. In der Hoffnung, dass es für den Verbraucher kaum wahrnehmbar ist, außer in dem persönlichen Touch, den das Ganze hat. Nachdem dieses Konzept – ich glaube in Deutschland sind über 100 CAP-Märkte am Netz – so gut gelaufen ist, haben die das weiterentwickelt. Dabei herausgekommen sind das Cappuccino und das NimmEssMit.
Bei der gdw sitzen Fachleute, die zwei wesentliche Dinge beherrschen. Einerseits den Kontakt zu den großen Lebensmittelhändlern herstellen und andererseits, wie solche Konzepte sich mit den Einsatzgebieten für Menschen mit Behinderung abbilden lassen.

Konkretisieren Sie das mal?
Ein klassisches Beispiel: Die gdw hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man mit Zetteln die Aufgaben in so einer Mitnahmebäckerei zergliedert. Ich backe ein Brötchen auf, ich zerschneide das Brötchen, beschmiere es mit Remoulade, belege es mit Salat, Tomate, Käse und mache oben den Deckel drauf. Dann pack ich es in eine Serviette und lege es ansprechend in die Auslage. Das haben die sehr diversifiziert auseinandergenommen und beschrieben. Nur so können wir viele Menschen mit Behinderung einsetzen, mit vergleichsweise wenigen Betreuern.

Im Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof war bisher die Rede von 4 Anleitern und 16 Menschen mit Behinderungen. Das heißt, Sie übererfüllen die angedachte Quote?
Letztendlich haben wir in Castrop-Rauxel jetzt fünf Betreuer, die sich darauf fokussieren, den Überblick zu haben, zu kassieren, wenn es besonders hektisch wird in der Mittagszeit und so weiter. Und dann gibt es die Menschen mit Behinderung, die ihre Aufgaben in der Vorbereitung aber auch im Verkauf haben, die sie auf Schulungen gelernt haben. In NRW ist das in dieser Form ein Pilotprojekt, das es so bisher noch nicht gibt.

Castrop-Rauxel hat also eine Vorreiterfunktion.

Ja, das ist auch ganz wichtig. Nicht um uns zu schmücken, sondern damit wir uns an exponierten Lagen positionieren, um so etwas auszuprobieren. Weil wir eben sagen: Menschen mit Behinderung gehören einfach dazu. Natürlich bieten sie auch wichtige Dienstleistungen in der Nahversorgung an. Es gibt bei der Wewole Sriftung viele ähnliche Projekte, etwa bei Entsorgungsunternehmen oder in der Altenpflege und auch bei Reifenhändlern.

Rauxeler Hauptbahnhof hat bald wieder Kaffee, belegte Brötchen und eine Toilette

Rochus Wellenbrock, Vorstandsvorsitzender der Wewole-Stiftung zum Thema Radstation im Bahnhofsgebäude: „Die Tür ist nicht zu, wir stehen für weitere Gespräche mit der Rebeq zur Verfügung.“ © Stefan Kuhn

Sollte ich als Kunde etwas Bestimmtes beachten, wenn ich ein solches Geschäft besuche?
Grundsätzlich nicht. Sie sollten vor allem gelassen bleiben. Freundlich und gelassen. Das hilft immer im Leben. Wir gehen davon aus, dass alle Beschäftigten wissen, was für Tätigkeiten sie dort zu verrichten haben und wie sie die vermitteln müssen.

Mit Eröffnung des Cappuccino gibt es endlich eine öffentliche Toilette im Hauptbahnhof. Wie sieht hier das Konzept aus?

Das ist eine Toilette, die alle benutzen dürfen. Ich persönlich bin kein Freund von Bezahltoiletten. Also gibt es zwei Unisextoiletten, die für alle Nutzerinnen und Nutzer des Bahnhofs offenstehen. Jetzt muss man natürlich gucken, wie die Nutzung so läuft. Wenn da jetzt alle zwei Stunden eine Grundreinigung erfolgen muss, dann müssen wir vielleicht noch mal darüber nachdenken.

Wie sind die Öffnungszeiten?

Ich gehe im Moment von 6 bis 21 Uhr aus. Das ist unsere Idee von Nutzungszeiten. Das kann sich unter Umständen aber nochmal ändern. Die Erfahrung wird es zeigen.

Die Kosten für die Neugestaltung waren mit einem hohen sechsstelligen Betrag beziffert worden. Gibt es jetzt eine richtige Bemessung?

Ich kann zufrieden feststellen, dass wir diesen Betrag bisher nicht überschritten haben. Da die Bauarbeiten noch laufen, kann ich noch keine konkrete Zahl nennen. Aber es ist mir noch wichtig zu sagen, dass auch die Handwerker sich hier finanziell im Rahmen bewegen und gute Arbeit geleistet haben.

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