Kann aufatmen: Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Artur Jakobi im Essener Schwurgericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Raub-Überfall auf Burger-King-Restaurant bleibt ungeklärt

Rund vier Jahre nach einem Raub-Überfall auf eine Burger-King-Filiale ist ein Vater aus Castrop-Rauxel freigesprochen worden - obwohl die Staatsanwaltschaft ihn für überführt hielt.

Die Bilder der Überwachungskamera zeigen brutale Szenen. Vor rund vier Jahren wurde der Schichtleiter einer Burger-King-Filiale in Recklinghausen mitten in der Nacht geschlagen, bedroht, gefesselt. Der Täter entkam mit mehr als 7000 Euro. Wer der Mann war, muss aber wohl für immer unklar bleiben. Der einzig übriggebliebene Verdächtige ist am Mittwoch freigesprochen worden.

Bei dem Mann handelte es sich um einen zweifachen Vater aus Castrop-Rauxel, der lange Zeit ein einigermaßen ordentliches Leben geführt hat. Er ging zur Arbeit, hatte eine Frau, zwei Söhne. Doch dann kam das Jahr 2016 – und alles brach zusammen. Die Ehe ging in die Brüche, ein Bruder starb, der Vater musste sich einer schweren Operation unterziehen.

Ehe kaputt, Bruder gestorben

In dieser Zeit sollen immer mehr Drogen ins Spiel gekommen sein. „Vielleicht hat er sich aufgrund der persönlichen Schicksalsschläge in den Drogenkonsum geflüchtet“, sagte ein Psychiater im Prozess am Essener Landgericht. Der Angeklagte selbst wollte dazu keine Angaben machen.

Der 33-Jährige war ins Visier der Ermittler geraten, nachdem es „Gerede“ gegeben hatte. Er sollte nach der Tat Geld besessen und den angeblichen Tippgeber an der Beute beteiligt haben.

Lange Gefängnisstrafe gefordert

Beweisen ließ sich das aus Sicht der Richter allerdings nicht. Die Aussagen der Zeugen seien für eine Verurteilung nicht ausreichend, hieß es.

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess von Anfang an seine Unschuld beteuert und auch kurz vor der Urteilsverkündung noch einmal gesagt: „Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun.“ Genau das hatte ihm zumindest die Staatsanwaltschaft nicht abgenommen und sieben Jahre Haft beantragt.

Einfach abgetaucht

Der 33-Jährige war erst im vergangenen Jahr festgenommen worden. Eigentlich hätte ihm schon viel früher der Prozess gemacht werden sollen, doch der Castrop-Rauxeler war abgetaucht. Zunächst war man davon ausgegangen, dass er sich in seine Heimat abgesetzt hat.

Tatsächlich hatte er Castrop-Rauxel und Umgebung nie verlassen. Er hatte sogar losen Kontakt zu seinem Bewährungshelfer gehalten, der ihn nach einer früheren Verurteilung betreut hat. Der wusste allerdings auch nicht, dass sein „Schützling“ gesucht wird.

Opfer schwer mitgenommen

Nach dem Urteil ist der Castrop-Rauxeler direkt aus dem Gefängnis entlassen worden. Für die Zeit der Untersuchungshaft muss er nun wohl entschädigt werden.

Den damals überfallenen Schichtleiter hat die Tat schwer mitgenommen. Vor Gericht sprach er von Angst- und Panikattacken. Er habe seinen Job nicht mehr ausüben und seine Wohnung nicht mehr alleine verlassen können. Außerdem habe er ein Jahr lang psychologische Hilfe benötigt.

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Gerichtsreporter

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