Rassismus-Vorwurf im Kleingartenverein: Pächter abgelehnt, weil er Ausländer ist?

dzKleingartenverein Merklinde

Damian Kuczera will seinen Kleingarten in Merklinde abgeben und findet einen Nachpächter. Doch der wird vom Vorstand abgelehnt, weil er Migrationshintergrund hat, so der harte Vorwurf.

Merklinde

, 12.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Damian Kuczera hat sein eigenes kleines Reich im Kleingartenverein Merklinde. Nun aber will er seinen Garten abgeben. Einen Nachpächter hat er schon gefunden. Doch daraus wird erst einmal nichts - der Vorstand des Kleingartenvereins macht Kuczera einen Strich durch die Rechnung. Weil der Nachpächter Ausländer ist, so zumindest der Vorwurf von Kuczera.

„Schon vor zwei, drei Monaten sagte der Vorsitzende Wolfgang Villis, dass er keine Ausländer und Moslems haben wollen würde. Mein Nachpächter ist halb Iraker und halb Grieche und möchte meinen Kleingarten übernehmen, darf aber nicht, weil er abgelehnt wird. Dabei ist er Christ“, so Kuczera.

Anteil von Pächtern mit Migrationshintergrund liegt über 50 Prozent


Angeblich habe Villis dem Interessenten sogar ins Gesicht gesagt, dass dieser Moslem und nicht im Kleingartenverein gewollt sei. Dem widerspricht Villis auf Anfrage vehement. „Das stimmt nicht. Wir haben ihm gesagt, dass wir ihn als Person hier nicht haben möchten“, so der Vorsitzende, der betont, dass der Anteil an Pächtern mit Migrationshintergrund weit über 50 Prozent liegen würde.

„Eigentlich brauchen wir keine Gründe zu nennen. Wenn wir den Pächter nicht wollen, müssen wir keine Begründung abgeben. Das sagt unsere Satzung“, betont Villis. Den Grund für die Ablehnung nennt er dann aber doch. Das der potenzielle Nachpächter Ausländer ist, sei nicht ausschlaggebend gewesen. „Da soll mir Fremdenfeindlichkeit untergeschoben werden und ich werde in eine Ecke gedrängt. Das Thema macht mich ziemlich fertig“, so Villis.

Vielmehr gebe es eine Vorgeschichte. So habe sich der Interessent schon im Vorhinein für einen anderen Kleingarten beworben. „Dann habe ich ihm verschiedene gezeigt und ihm gesagt, er solle sich dem Vorstand vorstellen“, sagt Villis.

Ein Hotel als offizielle Anschrift?


Bei der Vorstellung hätte er ein Hotel als seine offizielle Anschrift angegeben. „Das kam uns ein bisschen komisch vor. Und dann haben wir ihn abgelehnt, bevor da irgendwelche nicht koscheren Sachen sind - ganz egal ob er Ausländer ist oder nicht. Man hört ja so viel. Was da abgeht, die Clans und sonst was. Da hatten wir kein gutes Gefühl dabei und haben gesagt, wir möchten ihn nicht“, erklärt Villis das Vorgehen.

Erst danach sei Kuczera auf Villis zugekommen und habe genau die gleiche Person als möglichen Nachpächter vorgestellt. Kuczera selbst sagt, dass er von der vorherigen Bewerbung seines Interessenten erst von Villis erfahren habe, von einer Hotel-Anschrift wisse er nichts.

„Wir werden einen Pächter auswählen, der uns auch Recht ist“

Kuczera hat mittlerweile einen Anwalt aufgesucht, mit dem er die offizielle Kündigung geschrieben hat und nun den Wert überprüfen lässt. „Ich will nicht als Chaot in Castrop gelten. Ich war nur völlig geschockt darüber, wie Herr Villis mit dem Interessenten umgegangen ist“, betont Kuczera. Seines Wissens nach hat der Kleingartenverein bisher keinen anderen Interessenten gefunden.

Nun steht Aussage gegen Aussage. Beide Seiten haben ihren Anwalt konsultiert. Villis bleibt bei seiner Haltung: „Wir werden einen Pächter auswählen, der uns auch Recht ist. Um den Gartenfrieden zu halten, sollte man sich zumindest auf deutsch unterhalten können.“

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