Rajko Kravanja und Oliver Lind im letzten Rededuell vor der Stichwahl

dzDie Kernaussagen

Mobilität, Wohnen, Umwelt, Schule, Sicherheit – Rajko Kravanja und Oliver Lind sagen im Duell, was für sie wichtig ist. Einer von ihnen wird am Sonntag Bürgermeister von Castrop-Rauxel.

Castrop-Rauxel

, 24.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rajko Kravanja (SPD) und Oliver Lind (CDU) wollen Bürgermeister von Castrop-Rauxel werden. Die Entscheidung fällt bei der Stichwahl am Sonntag, 27. September. Aus dem ersten Wahlgang ging der amtierende Bürgermeister Kravanja mit 49,3 Prozent hervor – fast doppelt so viele wie Oliver Lind, der auf 25,1 Prozent kam. Doch am Sonntag wird neu gezählt.

Am Mittwoch stellten sich die beiden Kandidaten in unserem Studio live den Fragen von Matthias Langrock. Und waren oft einer Meinung. Das ging schon beim Thema Umwelt los. Rajko Kravanja bekannte sich dazu, dass Castrop-Rauxel wachsen müsse. Das gehe nicht, ohne neue Flächen zu versiegeln. Wichtig sei es, diese ökologisch und sozial gerecht zu gestalten.

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Das Bürgermeister-Duell: Lind gegen Kravanja

Oliver Lind verwies auf den Bebauungsplan zum Wohnen an der Emscher, rund um die Alte Eiche. Der sei der „ökologischste Bebauungsplan“, den Castrop-Rauxel je aufgestellt habe. Lind: „Das ist mein Programm für die Zukunft.“ Beide waren sich einig, dass der Druck da sei, kostengünstigen Wohnraum zu schaffen.

Lind: Mehr Personal beim Ordnungsamt

Beim zweiten Schwerpunkt-Thema Sicherheit erneuerte Oliver Lind seine Kritik, dass das Ordnungsamt in Quartieren wie der Langen Straße nicht immer erreichbar sei. Seine Forderung: Hier muss Personal aufgestockt werden.

Kravanja wies die Kritik zurück, sagte aber auch: „Wir müssen den Druck verstärken.“ Dabei gehe es nicht um die Mieter der Problemhäuser, sondern die Vermieter. Neben der Präsenz der Ordnungskräfte setze er auf sozialpolitische Maßnahmen. Eine Aufgabe für die Zukunft: Die dunklen Ecken sollen ausgeleuchtet, Angsträume so entschärft werden – nicht nur an der Langen Straße, sondern überall in der Stadt.

Einigkeit herrschte bei Rajko Kravanja und Oliver Lind bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria. Der amtierende Bürgermeister begrüßte die gemeinsame Resolution. Weitere Flüchtlinge aufzunehmen, ob nun 10 oder 20, das schaffe Castrop-Rauxel.

Radwegeausbau ist für den Alltagsverkehr notwendig

Viel Konsens herrschte bei den Themen ÖPNV und Radwegeausbau. Kravanja zufolge sei der Ausbau des ÖPNV eine „Kernaufgabe“ der nächsten fünf Jahre. Bei den Radwegen sei man „im Freizeitbereich“ gut aufgestellt, nicht aber um etwa im Alltag von A nach B zu kommen.

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Erste konkrete Projekte sind Kravanja zufolge Radwege entlang der B 235, der Lückenschluss an der Wartburgstraße und die Ost-West-Verbindung parallel zur Klöcknerstraße auf der Langen Straße.

Oliver Lind erklärte, lieber „an zehn Punkten Probleme beseitigen“ zu wollen, als etwa an der Langen Straße eine „Rad-Magistrale“ zu schaffen. Und noch eines sei ihm wichtig: „Ich will keine Dämonisierung des Autos.“ Man dürfe Auspendlern nicht das Leben schwer machen.

Wie soll es weiter gehen mit den Finanzen der Stadt?

Beim Thema Finanzen schaute Kravanja stark in Richtung Bund, forderte Hilfen für Castrop-Rauxel, generell Hilfen für die Städte des Ruhrgebiets. Oliver Lind erklärte, es werde erste Aufgabe des neuen Stadtrates sein, einen Nachtragshaushalt zu beschließen. Trotz der finanziellen Auswirkungen des Coronavirus machte er aber deutlich, Fragen nach Einsparungen stellten sich ihm nicht: „Am Verwaltungskörper kann nicht gespart werden.“

Stattdessen setzen beide Kandidaten auf die Ansiedlung von Gewerbe. Das schaffe Arbeitsplätze und erhöhe das Steueraufkommen. Oliver Lind betonte die Bedeutung der Xscape-Fläche, die endlich entwickelt werden müsse.

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Unterschiede wurden bei der Organisation der Stadtverwaltung deutlich: Oliver Lind hatte zuletzt in Wahlkampf-Videos davon gesprochen, in Castrop-Rauxel gebe es ein „Bürgerabwehramt“. Im Interview sagte der CDU-Politiker, das bedeute keinesfalls Kritik an den Mitarbeitern. Stattdessen gebe es in der Verwaltung „zu wenig Indianer. Wir fahren personell auf der Felge.“ Beispielhaft nannte er vor allem das Bauordnungsamt und das Bürgerbüro.

Fehlende Stellen im Bauordnungsamt

Kravanja stellte sich demonstrativ vor die Mitarbeiter im Rathaus. Die fehlenden Stellen im Bauordnungsamt gebe es allerdings. Es fänden sich aber keine Bewerber. Und das gehe den anderen Städten im Ruhrgebiet auch so. „Wir versuchen es mit einer Imagekampagne über alle Städte hinweg.“

Digitalisierung wird die kommenden Jahre prägen. Ob es allerdings einen Digitalisierungsbeauftragten braucht, da sind sich Rajko Kravanja und Oliver Lind nicht einig. Kravanja erwähnte die Notwendigkeit, um die Fragen zu bündeln, sei es Straßenbeleuchtung oder Schulen. Lind konterte: „Oftmals kommen Experten und sagen uns Dinge, die wir selber wissen.“

Wechselnde Mehrheiten haben sich bewährt

Zwei Fragen zum Schluss: Mit welchen Parteien im Rat wollen die Kandidaten zusammenarbeiten, wenn sie Bürgermeister werden? Für Rajko Kravanja ist nur wichtig, mit wem er Themen wie OGS- und Kitaausbau, Mobilität, Wohnen und energieautarke Stadt spielen könne. Koalitionen oder auch wechselnde Mehrheiten – beides habe in der Vergangenheit funktioniert.

Oliver Lind sagte: „Die Phase mit wechselnden Mehrheiten hat der Demokratie gut getan.“ Er würde sich als Bürgermeister eine breite Mehrheit wünschen, sieht eine mögliche Zusammenarbeit sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD.

Vollkommen einig sind sich Rajko Kravanja und Oliver Lind, was sie am Tag nach dem Wahlsonntag machen werden. „Ausschlafen“, sagen beide. Und ein Glas Wein wollen sie bald zusammen trinken.

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