Eine Intensivpflegerin versorgt auf einer Intensivstation einen Corona-Patienten, der als nicht infektiös gilt. Der Patient liegt im künstlichen Koma und wird beatmet. Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken des Kreises Recklinghausen ist insgesamt zuletzt gesunken. © dpa
Coronavirus

Rätsel um Corona-Zahlen: Wie valide sind die aktuellen Daten überhaupt?

Castrop-Rauxel ist aktuell Inzidenz-Negativrekordhalter im Kreis Recklinghausen Aber wie verlässlich sind die aktuell an vielen Stellen stark sinkenden Infektionszahlen wirklich? Ein Überblick.

Bis kurz vor Weihnachten konnten wir mit den Corona-Infektionszahlen, die der Kreis Recklinghausen, das Landeszentrum für Gesundheit NRW und das Robert-Koch-Institut täglich vermeldeten, relativ sicher umgehen. Man konnte den Stand, vor allem aber auch eine Entwicklung der Pandemie ablesen. Aktuell ist die Datenlage aber nicht so valide.

Das Robert-Koch-Institut ist die Instanz in Deutschland, bei der alle Fälle registriert werden. Auf der Website gibt es seit einigen Tagen schon einen Hinweis auf zwei Problemlagen während der Weihnachtsfeiertage, zum Jahreswechsel und an den umgebenden Tagen, die man bei der Interpretation der Fallzahlen beachten müsse: „(…) dass zum einen meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen, dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt. Dies führt dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet werden.“ Zum anderen könne es sein, „(…) dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln“.

Die Auswirkung auf eine relevante Kenngröße

Das Phänomen, das im normalen Jahresablauf vor allem die Wochenend-Zahlen stets spürbar absinken ließ, wirkt sich aufgrund der vielen Feiertage und dem weitgehenden Ruhen des öffentlichen Lebens „zwischen den Jahren“ nun stark auf die relevanten Kenngrößen aus.

Vor allem die Inzidenz: Hier wird der Wert der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage als Basis genommen. Wenn aber in die sieben Tagen von vier Tagen aus den beiden genannten Gründen unscharfe Meldungen eingehen, dann hat das große mathematische Relevanz.

Im Kreis Recklinghausen hat sich die Inzidenz binnen sieben Tagen auf nun etwa 135 halbiert. Am 24.12. lag sie noch bei 270. In absoluten Zahlen: Am 2.1.2021 geht man davon aus, dass sich in den zurückliegenden sieben Tagen 828 Menschen neu mit Sars-CoV-2 ansteckten und durch einen Positiv-Test identifiziert wurden. Eingegangen in diese Zahl sind aber drei spezielle Tage: Neujahr, Silvester und der 27.12., ein Sonntag. Am Neujahrstag wurde eine Inzidenz von 130 gemeldet. Auch hier gingen drei nicht ganz valide Tage in die Berechnung ein: Silvester, der 27.12. sowie der 2. Weihnachtstag.

Lockdown-Beratung vor noch größerem Problem

Mit den Zahlen ist also aktuell nur schwer umzugehen. Ob Familientreffen während der Weihnachtsfeiertage oder Partys an Silvester womöglich zu schlechteren Werten oder die Ferien und das ruhende öffentliche Leben zwischen den Jahren zu wirklich besseren Werten geführt haben, ist unklar.

Am Dienstag (4.1.) will die Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten beraten, wie es weiter geht. Erwartet wird, dass die Regierungen den Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängern. Auch dann ist aber die Validität der Datengrundlage eingeschränkt: An jenem Tage werden Silvester, Neujahr, der 2.1. (Samstag) und der 3.1. (Sonntag) in die Inzidenz eingerechnet, also sogar vier (von sieben) Meldetage, die mit Vorsicht zu deuten sind.

Diese Werte sind zurzeit belastbarer

Klarer sind andere Werte: Die Zahl der Klinikbetten (Intensivstationen / Beatmungsgeräte) ist auch über die Feiertage hinweg valide, da die Krankenhäuser und die Trägergesellschaften diese Daten selbst in eine Internet-Datenbank eintragen – und das tagtäglich, ohne die Nahtstelle einer Behörde. Im Kreis Recklinghausen werden mit Stand 2. Januar 2021 244 Menschen mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt. Mit Stand Neujahr waren 32 Covid-Patienten auf Intensivstationen untergebracht. 18 mussten beatmet werden. 38 Intensivbetten waren an Neujahr noch frei bei 186 insgesamt belegten Betten.

Ein gutes Zeichen auch: Der Kreis Recklinghausen meldet bei den Covid-19-Patienten in Kliniken eine leichte Verbesserung der Zahlen. 286 Patienten wurden noch am 29. Dezember vermerkt. Diese belastbare Zahl entwickelte sich deutlich zurück: 275 (30.12.), 278 (31.12.), 256 (1.1.), 244 (2.1.).

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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