Radio Ruhrpott sagt Aufführungen ab und gibt das Weihnachtsgeschäft auf

Ruhrical

Das Coronavirus hat ein weiteres „Opfer“: Radio Ruhrpott wird in diesem Jahr nicht mehr senden. Die Veranstalter des Ruhricals haben weitere Aufführungen abgesagt und drei Optionen für die Fans.

Castrop-Rauxel

, 02.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Radio Ruhrpott findet im Jahr 2020 nicht mehr statt. Das gaben die Musical-Chefs am Dienstag bekannt. Wer schon Karten hat, der kann sie einlösen, wenn neue Veranstaltungen geplant sind, oder eine Rückerstattung anfordern.

Radio Ruhrpott findet im Jahr 2020 nicht mehr statt. Das gaben die Musical-Chefs am Dienstag bekannt. Wer schon Karten hat, der kann sie einlösen, wenn neue Veranstaltungen geplant sind, oder eine Rückerstattung anfordern. © Marcel Witte

Alle Termine von Radio Ruhrpott bis Januar 2021 sind gestrichen: Diese Botschaft hatte Michael Kloßek, Geschäftsführer des „Ruhricals“, am Dienstag zu übermitteln. „Wir sind auf ruhend gestellt“, sagte er unserer Redaktion. Und: „Wir tun das, um weiter zu machen.“

Als privater Veranstalter sei man in der Corona-Pandemie auf ein Vorgehen mit Augenmaß angewiesen. „Wir stellen fest, dass die Zeit nicht reif ist für Dinge, die im Theater stattfinden, die auch mit einem großen Vertrauen in das Wir zu tun haben“, so Kloßek. Das habe nichts mit Radio Ruhrpott an sich zu tun. „Das Wir hat in der Bevölkerung seit Corona gelitten und muss aus dem Kleinen heraus erst wieder aufgebaut werden.“

„Es tut weh, aber es musste sein“

Nach Wochen und Monaten komme man immer mehr zu der Erkenntnis, dass man sich nicht von falschem Ehrgeiz treiben lassen sollte. „Aber ich kenne ja die glücklichen Augen der Leute, die aus dem Theater kamen: Es tut weh, abzusagen – aber es musste sein“, so Kloßek.

Seit Frühjahr finden keine Veranstaltungen in der Stadthalle mehr statt. Dabei startete Radio Ruhrpott erst 2019 und hatte sich besonders über das gute Weihnachtsgeschäft in seinem ersten Jahr gefreut. Die Macher Bernd Böhne aus Kamen und Michael Kloßek hatten ihr Engagement langfristig angelegt, wollten Castrop-Rauxel als festen Musical-Standort etablieren und waren mit ihren drei bis vier monatlichen Aufführungen vor zum Teil ausverkauftem Haus auf einem guten Wege.

Autokino-Plan verworfen

Im Frühsommer hieß es, man wolle den Fans als Ersatz eine Autokino-Veranstaltung auf dem Europaplatz anbieten. Doch dieser Plan wurde angesichts der Auflagen und Kosten wieder verworfen. Argumentiert wurde damit, dass man das Radio-Ruhrpott-Gefühl nicht in die Autos transportieren könne, auch nicht, wenn die Bühne ja nur 50 oder 100 Meter weiter ist und dort live vor bis zu 100 Gästen gespielt worden wäre.

Das Musical Radio Ruhrpott feierte am 2. Mai 2019 Premiere in Castrop-Rauxel. Seit März 2020 ruht es.

Das Musical Radio Ruhrpott feierte am 2. Mai 2019 Premiere in Castrop-Rauxel. Seit März 2020 ruht es. © Patrick Radtke

Die Motivation der Künstler habe die Organisatoren immer wieder angetrieben. „Dann planst du, probierst Ideen aus – kommst aber doch an eine Stelle, an der du feststellst, dass es im Moment eben nicht geht“, sagt Kloßek. „Das einzige, was im Moment sicher ist, ist, dass nichts sicher ist.“

Nun also die Absage übers Jahr 2020 hinaus. „Es gibt schon vereinzelt Ärger unter denen, die Karten gekauft hatten“, so Kloßek. Einige seien sehr traurig, „aber es ist halt so. Wenn man im Management arbeitet, trifft man nicht immer freudige Entscheidungen.“

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Formal dürften zwar annähernd 600 Leute in die Stadthalle kommen. Das meinte auch schon WLT-Intendant Ralf Ebeling, der ebenfalls Theater in der Stadthalle aufführen will. „Was du darfst und was die Leute wollen, ist aber ein Unterschied“, so Kloßek. „Wenn man sich als Veranstalter ein bisschen traut, dann sieht man immer wieder Hotspots und neue Reisewarnungen. Es ist eine schwierige, aber die richtige Entscheidung.“

Wer verschenkt zurzeit schon Theater-Karten?

Damit gibt das Team auch das lukrative Weihnachtsgeschäft auf. „Tickets zu verschenken ist eines der Top-Präsente in Deutschland“, sagt Kloßek. „Aber wer schenkt denn zurzeit seinen Liebsten Theaterkarten?“

Bei gebuchten Tickets gibt es für Kunden drei Optionen: Wer sich nicht meldet, behält einen Gutschein und meldet sich, wenn die neuen Termine bekannt und fix sind. Auf Anforderung erstattet der Veranstalter das bezahlte Geld. „Oder wir nehmen es gern auch als Spende für das Ensemble“, so Kloßek.

Chef glaubt an die Zukunft des Ruhricals

„Wir wissen, dass wir eine große Zukunft haben, und sind gekommen um zu bleiben“, sagt Kloßek. Das Ensemble sei am Montag informiert worden. Kloßek und Böhne fragten die Schauspieler: „Seid ihr wieder am Start?“ Ergebnis: Alle sagten zu, wieder dabei zu sein. „Bis dahin hält sich jeder mit irgendwelchen Jobs über Wasser.“

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