Radfahrer im Koma: Folgenschwerer Unfall am Ickerner Knoten beschäftigt Gericht

dzUnfall

Fünf Tage hat ein Radfahrer im Koma gelegen, nachdem ihn ein Lieferwagenfahrer im Mai 2019 am Ickerner Knoten angefahren hatte. Vor Gericht berichtet der Mann von Folgen, die bis heute anhalten.

Ickern

, 17.03.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein folgenschwerere Unfall hatte sich am 29. Mai 2019 am Ickerner Knoten auf der Recklinghauser Straße ereignet. Ein Lieferwagen hatte einen 27-jährigen Radfahrer angefahren. Der Mann schwebte wohl in Lebensgefahr und lag fünf Tage im Koma. Der Richter hatte nun zu klären: War es vorsätzliche Körperverletzung?

Jetzt wurde dieser Unfall vor Gericht verhandelt. Im Zeugenstand das Unfallopfer, ein inzwischen 28-jähriger ehemaliger Flüchtling. Er war gegen 4 Uhr morgens auf dem Heimweg von seiner Nachtschicht in einem Burger-Restaurant gewesen.

Kaum Erinnerung

Viel mehr weiß er nicht, denn er lag nach dem Unfall fünf Tage im Koma mit einem Schädelbasisbruch. Fünf Tage, in denen die Ärzte im Krankenhaus um sein Leben kämpften. Noch heute sei sein Leben beeinträchtigt vom Geschehen vor einem guten halben Jahr, berichtet der Mann.

„Ich bin in einer Trauma-Behandlung, habe große Angst vor Autos“, berichtete der junge Mann. Er habe auch noch immer Schmerzen an einem Ohr. Dennoch nahm er die Entschuldigung des heute 27-jährigen Unfallverursachers an. „Es war Schicksal“, sagte der Geschädigte.

Der Unfallverursacher war mit einem Sprinter unterwegs. Er belieferte Autohändler und weitere Kunden mit Ersatzteilen. Wie jede Nacht. Seine Schicht beginnt in Werl um 23.30 Uhr, endet um 7 Uhr am Morgen.

Einen Knall gehört

„Ich habe am Stoppschild angehalten und bin dann langsam weitergefahren“, schilderte er die Sekunden vor dem Unfall. Er habe kein Fahrrad gesehen. Obwohl das, wie das Opfer beteuerte, beleuchtet gewesen war. „Dann habe ich einen Knall gehört, dachte erst, es sei eine Mülltonne“, so der Angeklagte weiter, der wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt ist.

Im Rückspiegel sah er dann das Opfer auf der Straße liegen, dessen Fahrrad hatte er mit dem Sprinter vor sich hergeschoben. Dann ging alles sehr schnell. „Ich war konfus und habe einen Passanten um Hilfe gebeten. Ich wusste in dem Moment gar nicht mehr, wie die Straße hieß“, sagte der 27-Jährige weiter.

Fahrlässige Körperverletzung

Fotos vom Unfallort zeigen, dass er das Fahrrad mit der rechten Vorderseite des Lieferwagens erwischt hatte. Die Teile des Fahrrades lagen weit verstreut. Auf Nachfrage gab der Angeklagte zu, vielleicht doch etwas schneller wieder angefahren zu sein. Von 15 bis 20 Stundenkilometern ging die Polizei aus.

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Die wichtigste Frage für die Härte des Urteils war, ob es sich um eine vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung handelte. Fahrlässig, befand der Richter. „Er hätte das Fahrrad erkennen müssen, aber ich sehe kein grob rücksichtsloses Verhalten des Angeklagten.“ Zudem sprächen die Spuren am Fahrzeug nicht für eine extrem starke Kollision.

Das Urteil: Eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 25 Euro. Zudem wird der Führerschein des 27-Jährigen für einen Monat eingezogen.

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