Die Kapelle auf dem Friedhof auf Schwerin wird zur neuen Pfarrkirche von St. Franziskus. © Tobias Weckenbrock
Katholische Kirche

Projekt Franziskushöfe: Kritik an den Plänen der Kirchengemeinde

Kapelle zur Kirche ausbauen, Kirche auf dem Friedhof beheimaten. Alte Kirche abreißen und Seniorenwohnungen bauen. Mehr Kita-Plätze schaffen: das Projekt Franziskushöfe. Es hat auch Kritiker.

Die, die das Projekt „Franziskushöfe“ auf Schwerin seit über einem Jahr denken, planen und vorantreiben, die sagen: Es hat Menschen gegeben, denen ein Abschied von der Franziskuskirche auf der Frohlinder Straße schwer falle. Aber weitgehend sei das Projekt, das vor fast zwei Wochen bekannt gemacht wurde, gut angekommen.

Doch wie sich zeigt, ist das nicht die ganze Wahrheit: Es gibt auch Kritiker. Nach unserem Bericht gab es mehrere Leserbriefschreiber, denen der Plan nicht passt. Und die Politik reagiert sogar überrascht.

„Psychologisch und symbolisch signalisiert der freiwillige Rückzug aus der Mitte des Ortsteils an die Peripherie, auch im Hinblick auf die Standorte der Johanneskirche und der Moschee, einen Akt der Selbstmarginalisierung“, findet Michael Fritsch, Obercastroper Bürger und Ratsherr der CDU.

Gisbert Baranski hält es „für eine unerträgliche Zumutung, Hochzeiten, Taufen, Kommunionen und andere wichtige und erfreuende Veranstaltungen in einer Friedhofskirche vornehmen zu müssen“. Er meint: „Kirche muss gar nicht rentabel sein, sondern sie hat, neben den religiösen-rituellen Funktionen ein soziokultureller Versammlungsraum auch für Nichtmitglieder zu sein. Sie muss ihren Standort unter den lebenden Menschen an ihrem zentralen Wohnort haben – und nicht randständig auf einem Friedhof.“

Politik fragt Verwaltung: Es gab Gespräche

Und die Politik? Aus der SPD-Fraktion kam im Betriebsausschuss 3 eine Frage an die Verwaltung, ob denn die Pläne der Kirchengemeinde der Stadtverwaltung überhaupt bekannt gewesen seien. Die großen Pläne kamen offenbar für viele Ratsmitglieder durchaus überraschend, was bei der Größe und Bedeutung des Projekts ungewöhnlich ist.

Die Kirche St. Franziskus auf Schwerin wird abgerissen. Der Kirchturm bleibt erhalten. 26 Seniorenwohnungen und Gemeinderäume werden gebaut.
Die Kirche St. Franziskus auf Schwerin wird abgerissen. Der Kirchturm bleibt erhalten. 26 Seniorenwohnungen und Gemeinderäume werden gebaut. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Stadtbauamtsleiter Philipp Röhnert sagte: „Es gab mal Gespräche zwischen der Gemeinde und der Stadt, was man auf Schwerin machen könnte. Aber da waren das nur Ideen. Dann gab es offenbar sehr intensive interne Gespräche. Wir haben die Kirchengemeinde nun gebeten, vielleicht erst einmal die Politik zu informieren.“

Der Verwaltung lägen die Planungen vor. Röhnert: „Und nun werden weitere Gespräche mit der Kirchengemeinde folgen.“

Die Kirchengemeinde St. Franziskus plant den Bau von Altenwohnungen und Gemeinderäume unter dem Stichwort Franziskushöfe an der Frohlinder Straße. Auf dem projektierten Gelände sollen Pfarramt, Vikarie und Kirche bis auf den Kirchturm abgerissen werden. Die Kirche soll auf den Friedhof in die dortige, renovierte und umgebaute Kapelle umziehen. Die Kita an der Frohlinder Straße soll sich in die bisher als Jugendheim genutzten Räume von zwei auf vier Gruppen erweitern.

Kirchen und Friedhöfe: Das passt zusammen

Leser Reiner Fuest entgegnet Gisbert Baranski, dass Kirchen schon seit jeher oft von Friedhöfen umgeben, in vielen Kirchen auch Priester bestattet seien. „Kirchliche Feiern wie Taufen, Kommunion, Eheschließungen und andere Veranstaltungen finden vielfach in solchen Kirchen von den Gläubigen unbeanstandet statt. Weder ein Friedhofsumfeld noch Grabstellen in Kirchen wurden und werden als unerträglich empfunden.“

Die Projekte sind noch nicht komplett durchgeplant. Bei der Vorstellung der Ideen klang aber durch, dass die Gemeinde ziemlich sicher ist: So, wie es angedacht ist, wird es umgesetzt. Es soll auch den Stadtteil Schwerin nach vorne bringen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock
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