Claus Ehrensberger, Apotheker auf Schwerin, mit einer FFP2-Maske in den Katakomben seiner Apotheke. © Marius Paul
Coronavirus

Pro FFP2-Maske 6 Euro vom Bund – Apotheker: „Habe mich auch gewundert“

Die FFP2-Maske gegen Coupon: Viele Menschen bekommen Post und können sich über Gratis-Masken freuen. Ein Castrop-Rauxeler Apotheker erklärt nun, wie sich das für sein Unternehmen lohnt.

Gegen die Ansteckung mit dem Coronavirus hat sich die FFP2-Maske als wirksames Mittel etabliert: Wer seinen Atem mit einer solchen zertifizierten Mund-Nase-Bedeckung schützt, wird sich selbst und andere Menschen seltener anstecken. Sofern er sie richtig trägt, sprich: sie Mund und Nase umschließt und am Gesicht luftdicht anliegt.

Vor wenigen Wochen wurde die Maskenpflicht auf medizinische Masken verschärft, weil sie besseren Schutz liefern. Seither unterstützt die Bundesregierung die Verbreitung von FFP2-Schutzmasken durch die Ausgabe von Coupons: Gegen 2 Euro Gebühr und zwei Coupons können sich vor allem Menschen über 60 Jahren und Vorerkrankte zwölf Masken einfach abholen. In jeder Apotheke, auch in Castrop-Rauxel.

Wie kommt die Regierung auf den 6-Euro-Preis?

Die Apotheken bekommen dafür je Maske vom Bund eine Erstattung von 6 Euro. Das sorgt für Kritik, denn: FFP2-Masken werden von Einzelhändlern und Drogerien inzwischen für unter 1 Euro pro Stück verkauft. Im Einkauf sind sie für große Handelsketten also noch mal günstiger als 1 Euro zu bekommen. Wie kommt die Bundesregierung nun auf Kosten der Steuerzahler auf diesen „6-Euro-Mondpreis“, so Kritiker?

Claus Ehrensberger ist Apotheker im Castrop-Rauxeler Ortsteil Schwerin und erklärt auf Anfrage, er gebe täglich rund 400 Masken gegen Coupons heraus. Dadurch nimmt er also nach dem Versprechen des Gesundheitsministeriums 2400 Euro Brutto ein. An einem Tag. Ein Fünftel kann man durch die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) abziehen, bleiben also rund 2000 Euro, die rein kommen. Wenn er im Einkauf 400 Euro für 400 Masken zahlt, sind das etwa 1500 Euro Gewinn.

Seinen Einkaufspreis verrät er unserer Redaktion nicht, aber erklärt: „Es gibt verschiedene Preise. Wir kaufen bei einem Anbieter ein, dessen Qualität wir kennen und schätzen. Die Qualität ist sehr unterschiedlich. Wir bekommen auch Masken als Proben zugeschickt, die kosten die Hälfte, aber stinken nach Lösungsmitteln und sind nicht so gut verarbeitet“, so Ehrensberger. Was man für unter 1 Euro im Discounter bekomme, könne er nicht bewerten. „Aber die kaufen in Millionen-Mengen, wir in 1000er-Größenordnungen.“

Krankenkassen sollten Verteilung abgelehnt haben

Wie der Preis von 6 Euro zustande kam, wisse er nicht. „Das hat das Gesundheitsministerium mit dem Apothekerverband ausgehandelt. Ich habe mich über den Preis auch gewundert, aber gut – ich bin hier nur das ausführende Organ.“ Er halte sich jedenfalls an die Maskenverordnung, die die Ausgabe in Apotheken vorsehe. Wie an die Straßenverkehrsordnung. Die Krankenkassen, die schon Probleme beim Verschicken der Coupons gehabt hätten, hätten jedenfalls abgelehnt, weil sie das Personal und die Infrastruktur nicht vorhalten. „Es musste jemand machen. Wir können das und man hat uns diesen Preis angeboten“, so Ehrensberger.

So verdiene er nun daran, sagt er offen. Aber: „Wir müssen uns doch nicht schämen, wenn wir Geld verdienen.“ Man habe ja auch Leistungen erbracht, auch schon im Frühjahr. „Da haben Apotheken alles Mögliche getan, um Desinfektionsmittel herzustellen. Wir sind zu Schnapsbrennereien gefahren, um Pflegedienste zu versorgen. Da hat kein Hahn nach gekräht.“ Er nehme an, dass der Preis nun zu einem Teil Kompensation dieser erbrachten und nicht bezahlten Leistungen sei.

Zeitweise gab es eine Maske für 12 Euro

Und auf eines weist er auch hin: Er wisse noch gar nicht, wann das Geld kommt. Man gehe also in Vorleistung. „Es gibt Kollegen, die im Januar nicht einfach 5000 bis 8000 Euro vorfinanzieren können“, so Ehrensberger. Vielleicht sei der Preis auch eine Mitfinanzierung der Zinsen für Einkaufs-Kredite. Im zweiten Halbjahr 2020 jedenfalls, erinnert sich Ehrensberger, verkaufte er FFP2-Masken phasenweise für 12 Euro, weil sie nirgendwo günstiger zu bekommen waren.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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