Postcon kündigt Zusteller, weil Briefe gefunden wurden - Wurde er bestohlen?

dzRennbahn-Gelände

Der Fund verärgert viele: Am Teich auf der Rennbahn fand ein Passant vor zwei Wochen 200 nicht zugestellte Briefe. Bis heute ist nicht klar, warum sie dort lagen. Und dann: ein zweiter Fund.

Castrop-Rauxel

, 19.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor rund 14 Tagen fand ein Passant auf der Rennbahn 400 Briefe, so sein Eindruck. Sie seien offensichtlich nicht zugestellt worden. Der Finder entdeckte sie in einem Gebüsch. Er brachte sie zur Polizeiwache im Erin-Park. Dort hieß es, man werde den Sachverhalt prüfen.

Das hat man inzwischen getan. Ergebnis: Es waren nicht 400, sondern etwas über 200 Briefe. Am Dienstag (16. Juli) seien zudem weitere 26 Briefe aus demselben Zustellbezirk an einer anderen Stelle auf Schwerin gefunden worden, erklärte Polizeisprecher Michael Franz nun auf Anfrage unserer Redaktion. Bei den Sendungen handelte es sich um Briefe des Briefdienstleisters Postcon.

Briefe dürften die Empfänger erreicht haben

Die beste Nachricht für alle Empfänger: „Die Briefe sind inzwischen wieder ausgehändigt worden und dürften bei den Adressaten angekommen sein“, so Michael Franz. „Es waren alle Briefe intakt, nicht geöffnet, nicht verdreckt.“

Die Polizei ermittelt nun, wie es zu dem Vorfall kam. Zunächst, so Franz, habe man wegen des Verstoßes gegen das Postgeheimnis ermittelt. Nun aber gebe es ein anderes Ermittlungsverfahren. Zu den laufenden Ermittlungen könne er sich nicht weiter äußern.

Mutmaßlichen Diebstahl am Zusteller zur Anzeige gebracht

Auf eine Anfrage unserer Redaktion an Postcon antwortete das Unternehmen innerhalb von 24 Stunden. Es handele sich bei den Funden um unterschiedliche Fälle. Wörtlich teilte ein Sprecher mit: „Im ersten Fall wurde einem Zusteller auf seiner Tour die Fahrradtasche mit persönlichen Wertgegenständen sowie rund 200 Briefsendungen gestohlen. Während die Wertsachen weiterhin als vermisst gelten, wurden die Briefe in einem Gebüsch aufgefunden, uns übergeben und erneut zugestellt. Selbstverständlich haben wir Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“

Im zweiten Fall gehe es um einen Sendungsfund, „zu dem wir den verantwortlichen Zusteller ermittelt und fristlos gekündigt haben“, so der Sprecher der Firma Postcon. „Auch in diesem Fall haben wir Strafanzeige gestellt.“

Postcon verarbeitet in NRW 800.000 Briefe am Tag

Postcon sei es wichtig, dass „die uns anvertrauten Sendungen zuverlässig in die Briefkästen der Empfänger zugestellt werden“. Deshalb arbeite man nach einem zertifizierten Qualitätsmanagement. Das Unternehmen verarbeite in NRW in der Sortierung rund 800.000 Briefe am Tag, in der Zustellung rund 600.000.

Bei Briefdienstleistungen spiele ein Faktor eine wesentliche Rolle: der Mensch. „Unsere Aufgabe ist es, unsere Mitarbeiter sehr sorgfältig auszuwählen, gut auszubilden und regelmäßig zu schulen“, so der Sprecher. „In jedem Postunternehmen besteht allerdings das Risiko des Fehlverhaltens Einzelner. Daher stellen wir im Fall eines inakzeptablen Fehlverhaltens wie beispielsweise der Unterschlagung von Postsendungen Strafanzeige und entlassen den Zusteller fristlos.“

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