Polizeisperren werden von Autofahrern immer wieder missachtet und umfahren

dzSicherheit

Blaulicht und Martinshorn sollten Autofahrer zum sofortigen Handeln bringen. Doch nicht jeder Autofahrer will sich in seiner Bewegungsfreiheit einschränken lassen. Jetzt klagt die Polizei.

Castrop-Rauxel

, 01.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vermutlich hat es jeder Autofahrer schon erlebt: Man ist unterwegs und plötzlich nähert sich von hinten ein Einsatzfahrzeug von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdiensten mit Blaulicht und Martinshorn. Jeder, der halbwegs in der Fahrschule aufgepasst hat, sollte wissen, was er nun zu tun hat: Geschwindigkeit verringern, sich äußerst rechts oder bei mehrspurigen Straßen äußerst links halten, eine Rettungsgasse bilden und, wenn möglich, das eigene Fahrzeug auf innerstädtischen Straßen auf den Seitenstreifen, eine Bushaltestelle, oder eine Einmündung lenken. Das ist nicht schwer zu merken und zumeist auch nicht schwer umzusetzen.

Quergestelltes Polizeifahrzeug wird ignoriert

„Die Bedeutung eines quergestellten Einsatzfahrzeuges mit eingeschaltetem blauem Blinklicht scheint aber vielen Autofahrern dann endgültig nicht wirklich bewusst zu sein“, sagt Ramona Hörst, Sprecherin der Polizei in Recklinghausen, gegenüber unserer Redaktion. „Wir müssen manchmal Straßen sperren. Entweder, weil auf dem kommenden Straßenstück Gefahren lauern oder weil es sich um einen Tatort handelt.“

Unfallstellen werden gesperrt, damit Rettungskräfte Verletzte versorgen können, die Unfallaufnahme erfolgen kann und die Unfallfahrzeuge, die zuvor unter Umständen die Fahrbahn blockiert haben, abgeschleppt werden können. Es gibt aber auch Fälle, wo für den Autofahrer, der vor dem Polizeiwagen anhalten muss, selbst Gefahren lauern könnten. Etwa, weil ein Straßenstück unterspült oder weil die Polizei dort im Einsatz gegen einen Straftäter ist.

Polizeisperren werden von Autofahrern immer wieder missachtet und umfahren

Hauptkommissarin Ramona Hörst, Sprecherin der Polizei in Recklinghausen. © Krause

Viele Autofahrer fangen eine Diskussion an

„Trotzdem versuchen immer wieder Autofahrer, solche Polizeisperren zu umfahren“, sagt Ramona Hörst. Sie weiß das selbst noch aus der Zeit, als sie noch zur Unfallaufnahme auf der Straße unterwegs war. Es falle so manchem Zeitgenossen einfach schwer, solche Sperrungen zu akzeptieren. „Viele fangen dann an, mit den Kollegen zu diskutieren. Man müsse doch nur eben durch, müsse doch nur eben zu seinem Haus. Der Kollege solle sich doch nicht so anstellen“, sagt die Polizeisprecherin.

Hinderlich, aber immer wieder zu beobachten ist auch, dass Autofahrer auf einer gesperrten Kreuzung ihr Fahrzeug anhalten, um nach dem Grund der Sperrung zu fragen. Manchmal auch nach empfohlenen Ausweichrouten. So ist in der Meldung einer anderen Polizeibehörde gerade zu lesen. Dabei hätten die Polizisten meist dringendere Aufgaben zu erledigen, als als Auskunftei zu fungieren.

„Trotzdem versuchen immer wieder Autofahrer, solche Polizeisperren zu umfahren.“
Ramona Hörst

„Sinnvoller ist es in diesem Fall, an geeigneter Stelle anzuhalten und zum Beispiel über die Navigationsfunktion von Mobilgeräten nach alternativen Routen zu suchen. Dann können wir ohne Verzögerung unserer Arbeit nachgehen“, sagt Polizist Michael Peters.

Ramona Hörst: „Akzeptieren statt diskutieren“

Man würde sich in all diesen Fällen von allen Verkehrsteilnehmern, ob Auto- oder Lkw- oder Fahrradfahrer, wirklich wünschen, dass die Verkehrsteilnehmer angesichts solcher Polizei-Absperrungen ein ganz einfaches Prinzip anwenden würden: „Akzeptieren statt diskutieren“. So nennt das Ramona Hörst.

Darum sei es hier nochmals erklärt: Wenn ein Einsatzfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht eine Einmündung, Kreuzung oder Fahrspur blockiert, dann ist das eine vorübergehende Streckensperrung, die notwendig für polizeiliche Maßnahmen oder eine Personenrettung. Der Verkehrsteilnehmer, egal ob Anwohner oder Ortsunkundiger auf der Durchreise, muss dann einen anderen Weg zu seinem Ziel wählen.

Nichtbeachtung kann 70 Euro und einen Punkt kosten

Noch ein Hinweis: Das Nichtbeachten von Zeichen und Weisungen von Polizeibeamten stellt einen Verstoß gegen § 36 StVO dar und kann mit bis zu 70 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet werden.

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