Pöppinghausen schöpft Hoffnung im Kampf gegen den Stromtrassen-Plan von Amprion

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Seit Donnerstag steht fest: Bürgermeister und EUV lassen Pöppinghausen nicht allein. Es scheint, als treten sie ein in einen gemeinsamen Kampf gegen die Amprion-Pläne für die Stromleitung.

Castrop-Rauxel

, 14.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Fakten zum Informationsabend am 11. Juli 2019 in Kürze:

  • 80 Menschen kamen zum Center.
  • Rajko Kravanja (Bürgermeister), Michael Werner (EUV) und der Vorstand der Bürgerinitiative informierten.
  • Es ging um vier Themen: die Stromtrassen-Pläne, die marode Wewelingstraße, die Bushaltestelle an der Pöppinghauser Straße und die Weiterführung der König-Ludwig-Trasse zum Kanal.

Im Bürgertreff war es am Donnerstag wieder recht voll: 75, vielleicht 80 Gäste - also immerhin knapp zehn Prozent der Dorfbewohner - kamen ins Center. Bürgermeister Rajko Kravanja und EUV-Vorstand Michael Werner standen Rede und Antwort. Zuvor hatten sie sich im Rathaus mit der Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“ auf eine Position verständigt.

Pöppinghausen schöpft Hoffnung im Kampf gegen den Stromtrassen-Plan von Amprion

Das Center Pöppinghausen, direkt neben der Kirche. Sonst umgeben von Feldern und Wiesen. © Tobias Wurzel

Höchstspannung sehr nah an der Bebauung

Die Pöppinghausener versuchen, die Pläne des Stromunternehmens Amprion zu verhindern, das Dorf mit neuen 380.000-Volt-Höchstspannungsleitungen zu belasten. Die sollen zur stabilen Stromversorgung in Deutschland zum Umspannwerk geführt werden. Dabei würde die Trasse zum Teil sehr nah an der Bebauung entlang geführt. Dagegen wehren sich Dorfbewohner.

Bisher sah es so aus, als sei Amprion dagegen resistent: Bei einer Infoveranstaltung im Januar verwies Amprion darauf, dass von den Höchstspannungsleitungen keine Gefahr ausgehe und dass man die Grenzwerte für magnetische Felder unterschreiten werde.

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Aus verschiedenen Gründen nicht möglich

Verworfen werden mussten laut Amprion die bisherigen Ideen der BI, die Höchstspannungsleitungen zum Umspannwerk an der Wewelingstraße mit mehr Abstand zur Wohnbebauung zu verlegen - das sei aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

Die BI suchte nach anderen Lösungen und hat vielleicht etwas gefunden, das die Trasse in direkter Dorfnähe verhindern würde: eine Umspannungslösung auf einer Freifläche etwas abseits. Viele mögliche Standorte rund ums Dorf eruierte man, arbeitete eng mit Stadtverwaltung und EUV zusammen. Verschiedene Ideen mussten verworfen werden: „Hier ein Naturschutzgebiet, da eine Fläche, auf der aus Kanalaushub mal eine Landmarke entstehen soll, dort Emscherumbaugebiet für Weideochsen“, sagt Georg Winkelkotte im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zwei Standorte für neues Umspannwerk könnten gehen

Aus anfangs vier Standorten haben sich nun aber zwei herausgeschält, die gehen könnten: eine liegt auf dem Grund der Emschergenossenschaft, die andere auf RAG-Land. „Wir haben Amprion diese Vorschläge unterbreitet“, sagt Gaby Winkelkotte aus dem Vorstand der Bürgerinitiative nun.

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Es gehe nicht mehr darum, das alte Umspannwerk aufzurüsten, sondern ein neues zu bauen. „Dann wäre das Dorf ganz raus“, sagt sie. Und: „Bürgermeister und EUV haben Unterstützung zugesagt.“ In Garenfeld zwischen Hagen und Schwerte habe eine andere BI ihre Pläne nach einer Mediation zusammen mit Amprion durchgesetzt. Daran will man sich orientieren.

Amprion ist kein rein marktwirtschaftliches Unternehmen. Es baut und betreibt Stromtrassen, die über die Energiekosten auf jeden Bürger umgelegt werden. Höhere Kosten beim Bau von Stromtrassen schlagen nieder.

Holperstraße wird saniert

Für die Wewelingstraße kündigte Michael Werner an, dass sie schon Anfang nächsten Jahres als Fahrradstraße umgebaut und saniert wird. Sie gilt als eine der holprigsten Straßen der Stadt. 500.000 Euro kostet das, die Stadt muss aber nur 10 Prozent Eigenanteil beisteuern. Der Rest wird gefördert.

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Wilfried Leder setzt sich seit Jahren für die Sanierung der Holperpiste Wewelingstraße ein. © Tobias Weckenbrock

Die Bushaltestelle wird behindertengerecht umgebaut - und zwar noch dieses Jahr.

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Die König-Ludwig-Trasse in Pöppinghausen. © Tobias Weckenbrock

Der Radweg über die König-Ludwig-Trasse soll bald bis zum Kanal / Yachthafen des AMC weitergeführt werden.

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