Pfarrerin mit pinkem Haar neu in Henrichenburg

Im Interview

Sie wohnt seit ein paar Wochen in Henrichenburg, ist seit dem 1. August neue Pfarrerin in der Friedenskirchengemeinde. Nina Ciesielski, 31 Jahre jung, die Pfarrerin mit dem pinken Haar. Wer ist sie? Was will sie bewirken? Wir haben sie im Interview gefragt.

HENRICHENBURG

, 27.08.2017, 06:12 Uhr / Lesedauer: 3 min
Pfarrerin mit pinkem Haar neu in Henrichenburg

Nina Ciesielski, neue Pfarrerin der evangelischen Friedenskirchengemeinde Ickern/Henrichenburg. Sie stammt aus Herne, führt eine Fernbeziehung mit einem angehenden Pfarrer in Berlin und will auf jeden Fall im Ruhrgebiet bleiben.

Mein erster Eindruck von der neuen Umgebung ist, ...

... dass Henrichenburg ein Stück beschaulicher ist als Ickern. Die Straßen sind ruhiger, es sind weniger Geschäfte zwischendrin, es ist mehr Wohngebiet. In Ickern sagte man mir schon, dass Henrichenburg Münsterland sei. Ickern dagegen ist mehr so Ruhrgebiet, wie ich das aus Herne kenne.

Näher von beidem ist mir, ...

... dass ich selbst Ruhrgebietskind bin. Ich bin total glücklich, dass ich nach fast zwölf Jahren wieder ins Ruhrgebiet zurückdurfte. Wo ich damit besser ankomme, konnte ich noch nicht feststellen. Ich wurde überall freundlich begrüßt und alle sind froh, dass ich da bin, das ist zumindest mein Eindruck.

 

 

Meine Aufgabe vor Ort ist, ...

... den Übergang nach der Pensionierung von Pfarrer Dittmer geschmeidiger zu machen. Die Pfarrstelle wird ja nicht neu besetzt. Die Anzahl der Pfarrstellen richtet sich nach der Zahl der Gemeindeglieder. Die Friedenskirchengemeinde kommt da mit etwa 7000 längst nicht mehr auf drei Pfarrstellen. Offiziell sind Claudia Reifenberger und Dominik Kemper gewählte Pfarrer. Weil aber Dominik Kemper im Herbst für zwei Monate in Elternzeit geht, wäre es schon ein ziemlicher Schock für die Kollegin, von drei auf eins innerhalb eines Jahres zu stürzen.

Mein Rezept gegen das Sinken der Kirchenbesucherzahlen ist, ...

... die Kasualien, also Beerdigungen, Trauungen und Taufen als Chance zu ergreifen. Es ist schwierig zu sagen: Ich halte gute Gottesdienste, ich predige gut oder ansprechend, und dann kommen die Leute schon. Denn: Woher sollen sie es erfahren? Zu solchen Anlässen kann man ein Bild nach außen vermitteln, Besuchern ein Aha-Erlebnis geben: Aha, Kirche ist ja gar nicht so verstockt! Das steckt ja in vielen Köpfen. Oder: Kirche ist ja gar nicht nur Weihnachtsgeschichte. Nein, es gibt Leute, Pfarrerinnen oder Presbyter, die etwas zu sagen haben, das mich berührt.

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Meine pinken Haare...

... bedeuten nicht, dass rosa oder pink meine Lieblingsfarbe ist. Ich habe vergangene Woche meinen ersten Altenheim-Gottesdienst gehalten. Die Senioren sehen, da kommt jemand mit rosa Haaren und einem Talar – zwei Sachen, die gehen in der Vorstellung vieler nicht zusammen. Das weckt Aufmerksamkeit, manchmal auch Widerstand. Aber ich weiß, dass ich einen Vorschuss an Vertrauen habe durch das Amt: Na, wollen wir erst mal gucken, was die so macht. Wenn dann die Leute merken: Hey, die hat rosa Haare, aber die ist total nett oder trotzdem Christin oder erzählt kluge Dinge von Gott, dann wird dieser Widerspruch aufgebrochen. 

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Meine Hoffnung ist, dass die Leute dann auch andere Widerstände oder Vorurteile im Kopf überwinden: Hey, dann ist mein tätowierter Nachbar vielleicht auch gar kein ehemaliger Knacki oder Satanist. Vielleicht ist das auch ein ganz normaler Mensch.

Sie sind seit sechs Jahren pink. Im Kirchenjahr gibt es zwei Sonntage, an denen die liturgische Farbe rosa ist. In der Mitte der sonst violetten Leidenszeiten, der Fastenzeit und der Adventszeit. Am Ende steht dann das liturgische Weiß. Die beiden Sonntage sind ein kurzes Durchatmen in der schweren Zeit. Diese Sonntage sind mir sehr lieb.

Für meine neue Aufgabe habe ich mir vorgenommen, ...

... eine gute Pfarrerin zu sein, also die Gottesdienste kompetent, aber auch ansprechend zu gestalten. Vielleicht auch neuartig, mit neuen Predigtstilen oder -einfällen. Und dann die Seelsorge gut zu regeln, als Mensch ansprechbar zu sein, Zeugnis abzugeben, woran ich glaube und wo heraus ich meine Kraft ziehe.

Schalke oder Dortmund?

Ich komme aus einer Schalke-Familie. Meine beste Freundin ist aber Borussin. Ich habe im Studium viele BVB-Spiele gesehen. Darum bin ich froh, dass ich hier auf gemischtem Gebiet bin.

Ostern oder Weihnachten?

Ostern, weil die Erleichterung größer ist. Da erfährt man am eigenen Leib und an eigener Seele, was für eine Erleichterung die Auferstehung ist. Bei Weihnachten arbeitet man wochenlang darauf hin, ist in Vorbereitungsgedanken verstrickt.

Rock oder Popmusik?

Rock! Ich bin aufgewachsen mit der Musik meiner Eltern: Queen liebe ich sehr, aber auch die Stones, Led Zeppelin und so. Und ansonsten habe ich in meiner Jugend deutschen Punkrock und Ska gehört. Bei den Toten Hosen war ich auf ein paar Konzerten. Mein Papa hat mir zum zwölften Geburtstag erstmals Tickets für „Die Ärzte“ geschenkt. Von da an war ich auf jeder Tour bei Konzerten. Die haben jetzt länger nix mehr gemacht, und ich weiß auch nicht, ob mir das heute – nach 15 Jahren – noch genauso gut gefallen würde.

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