Thomas Roehl leitet das Ordnungsamt, im Corona-Jahr hat diese Aufgabe auch sein Privatleben erreicht. © Stadt
Rückblick auf das Corona-Jahr

Ordnungsamts-Chef zieht Bilanz: Müssen nicht immer mit der Bußgeld-Keule kommen

Thomas Roehl ist Leiter des Ordnungsamtes in Castrop-Rauxel. Was hat das Corona-Jahr mit ihm gemacht, mit seinem Team? Und welche Erkenntnisse hat die Pandemie gebracht? Ein Gespräch.

Das Jahr 2020 hat bei Thomas Roehl Spuren hinterlassen. Der Leiter des Castrop-Rauxeler Ordnungsamtes musste mit seinem Team die Schwerpunkte der Arbeit quasi komplett ändern. „Erst weniger, dann immer mehr“, so Roehl in der Rückschau.

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) etwa ist inzwischen „man kann sagen zu 100 Prozent mit der Kontrolle der Corona-Auflagen beschäftigt“, erzählt Roehl im Gespräch mit der Lokalredaktion. „Man hat natürlich die selben Orte bestreift, was sich aber geändert hat war die Frage: Was ahnden wir da?“ so Roehl weiter.

Die Lange Straße, der Lambertusplatz oder der Kulturplatz Leo hätten dabei auch in der Corona-Pandemie immer im Fokus gestanden. Ob bei der Einführung der Maskenpflicht oder der Frage, wie viele Menschen draußen zusammen stehen dürfen. Aber hinzu seien Aufgaben und Orte gekommen, die man zuvor gar nicht auf dem Schirm gehabt habe: „Die Kontrolle der Restaurants, die Kontrolle der Läden, die Kontrolle von Hygiene- und Abstandsregeln haben uns ganz neue Aufgaben gebracht“, so der Verwaltungsmann.

Hilfskräfte sprangen ein und wurden eingearbeitet

Das sei alles ein immenser Aufwand gewesen, zumal man zu Beginn all das mit rasch einspringenden Hilfskräften aus anderen Abteilungen erledigen musste. Die hätten sich aber schnell und gut in ihre Aufgaben gefunden. „Das war überhaupt einer der wichtigsten Aspekte in diesem Jahr: Zu sehen, wie gut und flexibel Verwaltung auf solch eine Notlage reagieren kann“, zieht Thomas Roehl ein wichtiges Fazit.

Leute, die sonst in der Jugendabteilung tätig seien, hätten sich plötzlich um Kontrollen auf Spielplätzen gekümmert, und die Kollegen aus der Bäderabteilung etwa würden auch einen Top-Job im Ordnungsamt machen, nun, da die Bäder geschlossen sind. Es sei zu keinem Zeitpunkt ein Problem gewesen, Kollegen für die Hilfe im Ordnungsdienst zu finden.

Auf dem Friedhof in Merklinde fand im Mai eine Trauerfeier mit mehreren hundert Personen statt. Begleitet wurde die Beerdigung vom Ordnungsamt und der Polizei.
Auf dem Friedhof in Merklinde fand im Mai eine Trauerfeier mit mehreren hundert Personen statt. Begleitet wurde die Beerdigung vom Ordnungsamt und der Polizei. © Marcel Witte © Marcel Witte

Mittlerweile sei der KOD auf zehn Personen angewachsen, sechs davon KOD-Stammkräfte, dazu vier Kollegen aus anderen Bereiche als Hilfe, „die aber wie die Faust aufs Auge in unser Team passen“, schwärmt Roehl. „Die müssen das ja können und wollen, denn das ist ja ein sehr spezieller Job.“

2021 kommen die beiden letzten Planstellen für den KOD hinzu, so dass man dann für die Nach-Corona-Zeit fest mit acht Leuten auf der Straße sei. „Das reicht dann“, glaubt Roehl.

Im Ordnungsamt helfen aber auch im Innendienst gerade weitere Kollegen aus anderen Bereichen. „Da müssen Quarantäne-Verfügungen erlassen und zugestellt werden und es fällt auch sonst viel Formalkram an.“ Daher seien gerade noch drei Personen aus anderen Stadtbereichen im Einsatz.

Verhältnis zur Polizei ist noch besser geworden

Die Zusammenarbeit mit der Polizei habe sich im Corona-Jahr noch einmal verbessert. „Die war vorher schon richtig gut, gerade auf operativer Ebene hier vor Ort ist das aber noch intensiver, noch besser geworden“, findet Roehl. Die Streifen des Kommunalen Ordnungsdienstes würden sich bei der Polizei im Erinpark an- und abmelden, transparent machen, wo die Stadt-Teams gerade im Einsatz sind.

„Die sind dankbar, dass der KOD gewachsen ist, wir sind dankbar, dass wir die Polizei immer ansprechen können.“

Mit Baustellen-Baken abgesperrt und rund um die Uhr von Security überwacht werden musste im Sommer ein Haus an der Wittener Straße, in dem alle Bewohner wegen Corona-Verdachts unter Quarantäne standen. Auch das beschäftigte das Ordnungsamt.
Mit Baustellen-Baken abgesperrt und rund um die Uhr von Security überwacht werden musste im Sommer ein Haus an der Wittener Straße, in dem alle Bewohner wegen Corona-Verdachts unter Quarantäne standen. Auch das beschäftigte das Ordnungsamt. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit, so habe es Roehl bei der Begleitung mehrerer Streifengänge des KOD selbst erlebt, sei übrigens auch hoch. „Natürlich gibt es immer die Ausreißer, aber generell wird die Arbeit der Leute auch draußen gewürdigt“, so seine Erfahrung und die seiner Mitarbeiter.

Beim Einsatz draußen stehe dabei weniger die Verhängung möglichst vieler Bußgelder im Interesse der Stadt. „Wir müssen da nicht immer sofort mit der Bußgeld-Keule kommen, oft genug reicht die freundliche, aber deutliche Ansprache“, schildert Roehl die Erfahrung seiner Mitarbeiter.

Als die Pandemie begann, habe er selbst sich fast täglich mit den Ordnungsamtsleitern im Kreis Recklinghausen ausgetauscht. „Das war für uns alle so natürlich auch neu, da haben wir viel voneinander profitiert und besprochen, erst in Präsenz, dann am Telefon, dann in Zoom-Meetings“, erinnert sich Roehl.

Ordnungsamtsleiter tausche sich ständig aus

Mittlerweile tage man jeden Montag und Mittwoch, bespreche viele Einzel- und Zweifelsfälle. Und davon gebe es mehr als genug, denn auch für die Ämter seien viele der Verordnungen nicht so eindeutig, wie man sich das wünschen würde: „Da gibt es viel Auslegungsmöglichkeit, da wird teils sehr hart diskutiert, aber wir versuchen auf Kreisebene immer, eine einheitliche Linie zu fahren.“

„Meine persönliche Arbeit hat Corona da auch erheblich beeinflusst“, so Roehl. Denn die Ordnungsamtsleiter hätten eine Chatgruppe gegründet, „und da tauchen natürlich auch schon mal Fragen oder Probleme nach Dienstende oder am Wochenende auf. Das geht dann schon auch bis ins Private.“

Grundanspannung ist schon vorhanden

Trotz der Corona-Anforderungen müsse das Leben aber auch in den anderen Bereichen des Ordnungsamtes weiter gehen. Das habe man auch geschafft, allerdings hätten sich Abläufe geändert, habe man auch hier das Homeoffice als Möglichkeit entdeckt, habe das Rathaus ja auch zeitweise komplett dicht gemacht. „Das haben natürlich auch die Bürger gemerkt“, so Roehl. „Aber es ist keine Aufgabe zu kurz gekommen“, so seine Einschätzung.

Die Arbeitszeitkonten hätten bei all den Aufgaben zum Glück nicht zu sehr leiden müssen. Und so sei die Motivation im Ordnungsamt nach wie vor hoch. Und bei Thomas Roehl sowieso. „Aber eine Grundanspannung ist natürlich überall da“, so Roehl. Corona dürfe darum möglichst schnell verschwinden.

DAS CORONA-JAHR

Fünf Castrop-Rauxeler blicken zurück

2020 war nichts normal in Castrop-Rauxel. Unseren Jahresrückblick haben wir deshalb auch nicht in eine klassisch chronologische Form gebracht, sondern wir lassen fünf Castrop-Rauxeler aufs Jahr zurückschauen. Castrop-Rauxeler, die 2020 eine besondere Rolle eingenommen haben. Lesen Sie heute Folge 2: So war das Corona-Jahr für Thomas Roehl, Leiter des Ordnungsamtes.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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