Das Brauhaus Rüttershoff bereitet sich auf die Öffnung der Außengastronomie vor. © Volker Engel
Gastronomie

Öffnung der Außengastronomie: So planen Castrop-Rauxeler Gastwirte

Die Außengastronomie könnte bald wieder öffnen. Castrop-Rauxels Gastronomen haben dafür konkrete Pläne. Doch es bleiben auch viele offene Fragen.

Zugegeben, der Satz ist inzwischen abgegriffen. Krise macht erfinderisch, heißt es in komplizierten Zeiten nun mal allzu oft. Doch das trifft eben auch allzu häufig zu, wenn es hart auf hart kommt. Dann werden Lösungen respektive Alternativen gesucht. „Ich überlege aktuell, ob wir nicht aus dem Parkplatz eine Art Biergarten machen könnten“, sagt etwa Christa Eickenscheidt.

Sie, Inhaberin des Castrop-Rauxeler Restaurants Wetterkamp, überlegt, wie es weitergehen könnte, wenn die Außengastronomie alsbald wirklich öffnen sollte. Die Grundvoraussetzung dafür, also das Okay der Politik, besteht ab dem 15. Mai (Samstag). Dann darf der Außenbereich wieder geöffnet werden, wenn die Inzidenz fünf Werktage in Reihe unter 100 liegt.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart verkündete dies am Mittwoch (12.5.). Voraussetzung sei – neben dem Inzidenzwert – eine verminderte Gästeanzahl und ein negativer Corona-Test der Besucher. Wichtig: Die Inzidenz im Kreis Recklinghausen liegt seit Donnerstag unter 100, Freitag war der erste Werktag mit einer Inzidenz, die niedrig genug ist. Und so machen sich die Gastronomen in Castrop-Rauxel bereit.

Klar ist allerdings auch: Vor kommendem Freitag kann die Gastronomie nicht öffnen

Im Fall von Wetterkamp könnte die Restaurant-eigene Terrasse „noch ein wenig vergrößert und der Parkplatz umfunktioniert werden. Da wäre Platz für ein paar Tische mehr“, sinniert Eickenscheidt, die seit nunmehr sieben Jahren das Restaurant an der Hagenstraße 50 führt. „Durch die Krise sind wir bislang ganz gut gekommen, wir haben uns einen Puffer für schlechte Zeiten erarbeitet. Davon zehren wir jetzt.“

Christa Eickenscheidt fehlen im Restaurant Wetterkamp in Henrichenburg die großen Gesellschaften.
Christa Eickenscheidt fehlen im Restaurant Wetterkamp in Henrichenburg die großen Gesellschaften. © Robert Rieger © Robert Rieger

Ein Jahr, sagt Eickenscheidt, könnte das Restaurant Wetterkamp im Lockdown-Modus weitermachen. Dass sich nun die Möglichkeit ergeben könnte, draußen Gäste zu empfangen, freut sie einerseits, andererseits macht es Eickenscheidt nachdenklich: „Wir müssen uns genau überlegen, wie wir öffnen wollen. Wir werden öffnen, wenn die Wetterprognose gut ist – mit kleiner Karte.“

Um nachher, wenn dann doch wieder geschlossen werden müsste, nicht auf allzu vielen bestellten und gelieferten Speisen und Getränken sitzen zu bleiben. Diesen Fall lässt sie nicht außer Acht. Ähnlich wie Bubi Leuthold im Tante Amanda, Mosselde 149 in Dortmund, und im Leuthold’s 1910 am Markt in Castrop-Rauxel. Er setzt auf einen langsamen Start, will nichts überstürzen.

Castrop-Rauxeler Gastronomen stehen in den Startlöchern

„Es wird schwierig, wieder reinzukommen“, sagt Leuthold – auch wenn es bei Tante Amanda während des Lockdowns immer Speisen zum Mitnehmen gab. „Wir werden mit einer kleinen Karte anfangen“, erklärt auch er. Das gilt ebenso für das 1910, das im Lockdown gänzlich geschlossen hat. Auf der Homepage wird auf das Mitnahmeangebot bei Tante Amanda hingewiesen.

Alle, so Leuthold, stünden in den Startlöchern. Auch die Mitarbeiter, die in Kurzarbeit sind, fragten immer wieder nach, wann es denn losgehe. „Der Druck ist da“, sagt Leuthold. Drei bis vier Tage Vorlauf brauche er. Noch sind alle Stühle zusammengestellt und mit Flatterband umringt.

Doch der Biergarten im Tante Amanda könne schnell aufgebaut werden. In der Vergangenheit sei viel renoviert worden, so Leuthold. Auch der Spielplatz sei teilweise erneuert worden. Und im Innenbereich werde noch renoviert. Bis dort wieder Gäste Platz nehmen dürfen, wird es ohnehin noch länger dauern.

Erich Brennecke, Geschäftsführer vom Brauhaus Hotel Rüttershoff an der Schillerstraße 33, ist sich nicht mal sicher, ob eine offene Außengastronomie an Pfingsten realistisch ist. „Warten wir mal ab, wie sich die Inzidenz entwickelt“, sagt er. „Wenn wir öffnen dürfen, werden wir es probieren. Auch wenn wir es wirtschaftlich wohl nicht machen sollten.“

Bubi Leuthold führt die Gastronomie Tante Amanda in Dortmund
Franz-Josef „Bubi” Leuthold betreibt von seinem Restaurant Tante Amanda aus auch ein großes Catering-Unternehmen. Sowohl im Restaurant als auch beim Catering muss er derzeit mit Ausfällen leben. © (A) Volker Engel © (A) Volker Engel

Zu immens seien die Unwägbarkeiten, so Brennecke. Immerhin: „Wir haben einen recht großen Biergarten. Sollte eine Öffnung kurzfristig möglich sein, würden wir wohl einen Grill aufbauen. Wenn wir etwas mehr Vorlauf haben, bieten wir eine etwas abgespeckte Karte an.“ Das ist Brenneckes Plan, „den ich auch schon mit den Mitarbeitern besprochen habe“.

Im Zweifel, so der Geschäftsführer, „würde ich auch ein kleines Coronatest-Zelt aufbauen, das wäre möglich. Allerdings bin ich mir überhaupt nicht sicher, wie groß die Nachfrage ist. Werden überhaupt viele Menschen in die Restaurants kommen wollen?“, fragt sich Brennecke. In jedem Fall sei alles vorbereitet, „wir könnten den Betrieb recht schnell hochfahren“.

Viele Fragen sind noch offen

Christa Eickenscheidt vom Restaurant Wetterkamp geht es genauso – doch sie ist deutlich positiver gestimmt: „Ich bin überzeugt davon, dass die Leute bei gutem Wetter nach draußen strömen. Diese Sehnsucht ist vorhanden. So geht es mir ja auch. Ich will mich auch mal wieder mit Freundinnen oder Bekannten in einem Restaurant treffen.“ Abzuwarten indes bleibe, wie das Wetter werde. Davon hänge einiges ab.

Zudem frage sie sich noch, „wer eigentlich kontrollieren soll, ob ein Besucher geimpft oder genesen ist. Das wird ja wohl auch eine Rolle spielen. Wie geht das dann vonstatten? Brauche ich dafür eine Extra-Kraft? Und rentiert sich das alles am Ende wirklich?“ Es seien noch viele Fragen offen, sagt sie. Der Öffnungsplan der Politik hat für die Gastronomen allein die Perspektive ein wenig verbessert.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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