Hautkrebs-Screening: Nur wenige Castrop-Rauxeler lassen sich durchchecken

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Vorsorge-Muffel: Die AOK NordWest hat erhoben, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Patienten zu einem Hautkrebs-Screening gegangen sind. Bestätigen Castrop-Rauxler Hautärzte diese gefährliche Entwicklung?

von Inka Hermanski

Castrop-Rauxel

, 15.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die AOK NordWest meldet, dass das Hautkrebs-Screening im Kreis Recklinghausen immer weniger genutzt wird. Hautärzte in Castrop-Rauxel können diese Entwicklung nicht bestätigen, sagen jedoch, das Hautkrebs-Screening werde „allgemein viel zu wenig genutzt“.

„Nur rund 17 Prozent der Menschen nehmen das Hautkrebs-Screening regelmäßig wahr“, sagt Hautarzt Dr. Stefan Ulrich. In den letzten Monaten waren es noch weniger, dies habe aber mit der Corona-Pandemie zu tun und ließe sich nicht als allgemeiner Rückgang bei den Hautkrebs-Screenings deuten.

Hautarztpraxen im April und Mai wie leer gefegt

„In den Monaten April und Mai hatten wir, was das Screening angeht, einen Totalausfall“, sagt auch Dr. Karl-Heinz Brune, Hautarzt in Castrop-Rauxel.

Diese Entwicklung stehe in einem klaren Zusammenhang zur Corona-Pandemie: „Die Leute waren verängstigt, sie haben sich doppelt und dreifach überlegt, ob sie die Praxis aufsuchen.“

Mittlerweile habe man jedoch wieder etwa 60-65 Prozent der ursprünglichen Untersuchungswerte erreicht. Auch Ulrich sagt: „Über ein paar Wochen hinweg haben wir in der Praxis überhaupt nur Notfälle behandeln dürfen.“

Hautkrebsrisiko nicht erst im hohen Alter

Noch vor ein paar Jahren galt der Konsens, ein Hautkrebs-Screening sei ab dem 35. Lebensjahr zu empfehlen. Ab diesem Alter trug die gesetzliche Krankenkasse die Kosten der Vorsorgeuntersuchung. Heute habe sich die Fachmeinung verändert. „Krankenkassen wie die Knappschaft und die BIG übernehmen die Untersuchung bereits ab dem 0. Lebensjahr“, sagt Brune.

Er empfiehlt: „Auch bei kleineren Kinder ist ein Hautkrebs-Screening sinnvoll. Dies muss nicht jährlich stattfinden, sondern wird den Befunden angepasst.“ Spätestens ab dem 20. Lebensjahr rät er jedoch dringend zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung. Die deutsche Hautärztegesellschaft empfiehlt ein Hautkrebs-Screening einmal im Jahr.

Frauen nehmen Hautkrebs-Screenings zuverlässiger wahr

Hinsichtig der Geschlechterverteilung bestätigt Brune das Klischee, dass Frauen zuverlässiger Vorsorgetermine wahrnehmen als Männer: „Etwa 60 Prozent der Patienten, die zum Hautkrebs-Screening erscheinen, sind Frauen und die 40 Prozent Männer sind meist nur da, weil ihre Frau sie zu einem Termin angemeldet hat.“

Doch wie verläuft ein Hautkrebs-Screening? „ Das Hautkrebs-Screening ist eine völlig unbelastende Untersuchung“, beruhigt Brune seine Castrop-Rauxler Patienten. „Für die Untersuchung braucht es weder Strahlen noch Nadeln.“ Patienten werden von Kopf bis Fuß mit einer dermatologischen Lupe visuell „abgescannt“.

„Wir sehen ein Muttermal mit dem bloßen Auge als Fleck, die dermatologische Lupe erlaubt es uns, das Muttermal mit seinen charakteristischen Merkmalen zu begutachten“, erklärt Brune. So ließe sich beurteilen, ob dieses als kritisch oder unbedenklich eingestuft werden muss. Die Aufnahmen werden gespeichert und können so mit den Aufnahmen der folgenden Besuche abgeglichen werden.

Screening kann verschiedene Arten des Hautkrebs aufdecken

Unterschieden wird in weißer Hautkrebs und schwarzes Melanom. „Der weiße Hautkrebs ist zwar weniger aggressiv, dafür aber viel weiter verbreitet“, sagt der Hautarzt aus Castrop-Rauxel. Der weiße Hautkrebs ist sogar als Berufskrankheit anerkannt, da er in Berufsgruppen, die einer hohen Sonnenstrahlung ausgesetzt sind - wie beispielsweise Bauarbeiter und Erzieher - weit verbreitet ist.

Brune rät für den Sommer grundsätzlich: „Greifen Sie zu einem hohen Lichtschutzfaktor.“ Er empfehle Lichtschutzfaktor 50.

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„Von 11 bis 3 - sonnenfrei“: Diesen Leitsatz legt Brune seinen Patienten ans Herz. Grundsätzlich solle man sich Plätze im Schatten suchen, Kinder möglichst wenig der Sonne aussetzen und beim Schwimmen Schwimmshirts tragen. „Es braucht jedoch keine Sonnenangst, sondern einfach einen vernünftigen Umgang mit Sonne“, erklärt der Experte.

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