Passfotos nur noch bei Behörden? „Wenn das kommt, können wir unsere Filialen schließen“

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Passfotos sollen nach einem Plan des Innenministeriums künftig nur noch in Ämtern gemacht werden dürfen. Fotostudios in Castrop-Rauxel droht das Aus.

Castrop-Rauxel

, 15.01.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn das neue Gesetz durchkommt, können wir alle unsere Filialen schließen“, sagt Claus Hens. Er ist Fotograf bei „Foto Jürgensen“ in der Castroper Altstadt, einer von vier Filial-Standorten. Der Fotograf befürchtet die Schließung zahlreicher Fotostudios.

Ein neuer Gesetzesentwurf des Bundesinnenministeriums sieht vor, dass zukünftig alle Passfotos unter staatlicher Aufsicht gemacht werden – also direkt bei einer Behörde und nicht mehr beim Fotografen.

Anlass dazu ist die Sorge vor möglicher Bildmanipulation. Nach den Angaben eines Ministeriumssprechers hat die Bundespolizei im Jahr 2019 950 Fälle von Ausweismissbrauch registriert, zum Beispiel durch sogenanntes Morphing. Dabei verschmelzen mehrere Bilder zu einem und es können mehrere Personen mit einem Dokument die Grenzen überschreiten.

„Foto Jürgensen“ befürchtet Schließung

Kommt das neue Gesetz, fürchten zahlreiche Fotostudios starke Rückgänge im Umsatz und einige sorgen sich sogar um ihre Existenz.

Viele Kunden, sagt Claus Hens, kommen in die Filiale, weil sie mit den Passfotos aus den Automaten, die teils schon in Behörden zu finden sind, unzufrieden seien. „Professionelle Fotos aus dem Fotostudio bringen deutlich mehr Ästhetik mit sich als eines aus dem Automaten.“, erklärt Claus Hens.

Auch wenn es sich nur um den Ausweis oder Führerschein ginge, möchten die Menschen ein ansehnliches Foto. Nur eines der Nachteile, die der Fotograf in dem Gesetzesentwurf erkennt.

Passfotos nur noch bei Behörden? „Wenn das kommt, können wir unsere Filialen schließen“

Das Fotostudio „Foto Jürgensen“ in der Castroper Altstadt. © Marcia Köhler

Babys, Kinder oder Menschen mit Behinderungen können außerdem kaum bis gar nicht selbstständig die Fotos in solch einem Automaten schießen. Dies müsste dann von einem Mitarbeiter der Behörde in einem Raum mit neutralem Hintergrund und dem nötigen Equipment übernommen werden.

Auch da sieht Claus Hens zusätzliche Probleme: „Die Mitarbeiter bräuchten dann mindestens eine Weiterbildung, damit auch verwendbare Fotos entstehen.“

Todesstoß für Fotografen

Für das „Fotostudio Jürgensen“ sind die biometrischen Passfotos das Hauptgeschäft: „Ich würde sagen, circa 70 Prozent unseres Tagesgeschäftes besteht aus dem Fotografieren der Passfotos; zwar ist es nicht der kreativste Bereich, aber der größte. Fällt er weg, ist das Geschäft für uns nicht mehr tragbar.“

Auch die Kundenbindung spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Wer schon einmal hier war um Passbilder zu machen, kommt vermutlich auch noch mal, wenn er Bewerbungsbilder, Hochzeitsbilder oder Ähnliches braucht. Da hängt für viele Fotografen ein ganzes Geschäft dran“, so Claus Hens.

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Außerdem befürchtet er, dass er und viele seiner Kollegen zukünftig nur schwer Arbeit finden. „Ab einem gewissen Alter, ab 50 Jahren, ist eine Umschulung nicht mehr so einfach und Fotografenjobs gibt es auch nicht wie Sand am Meer“, erklärt er.

Kooperation zwischen Behörden und Fotostudios

Auch Uwe Wortmann vom Castrop-Rauxeler Fotostudio „Keep Smile“ ist nicht begeistert. Zwar hänge davon nicht sein Geschäft ab, er sieht aber trotzdem die Gefahr für den stationären Einzelhandel. Viel mehr sollten die Ämter mit den Fotografen zusammenarbeiten.

„Mit der richtigen Software und Ausstattung können auch wir Fotografen biometrische Passfotos machen, die direkt an die Behörden übermittelt werden können und vor Fälschungen geschützt sind“, erklärt der Fotograf.

Der Gesetzesentwurf des Bundesinnenministeriums könnte eine ganze Berufsgruppe in die Krise stürzen. Deswegen habe Claus Hens auch seine Bedenken zusammengefasst und an die Stadt Castrop-Rauxel geschickt. Bisher habe er allerdings noch keine Antwort erhalten.

Bis Ende des Monats können betroffene Verbände Stellung beziehen. Falls Bundestag und Bundesrat zustimmen, sollen die Neurungen nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft treten.

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