Neuer Zensus: Tausende Castrop-Rauxeler werden gelost und dann befragt

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Im Jahr 2021 wird die Bevölkerungszahl über einen Zensus, also eine Befragung der Bürger, neu erhoben. Tausende Castrop-Rauxeler werden dazu befragt. Corona könnte den Plan noch aufschieben.

Castrop-Rauxel

, 29.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

2021 findet ein Zensus, also eine Volkszählung statt. Auch auf Tausende Castrop-Rauxeler kommt damit zu, dass sie zum Familienstand befragt werden. Es wird die bisher zweite sogenannte registergestützte Stichproben-Bevölkerungszählung sein.

Ergänzt durch eine Stichprobenbefragung und eine Gebäude- und Wohnungszählung wird in Deutschland der Stand der Bevölkerungszahl erhoben. Das ist wichtig, um die zurzeit verwendeten Zahlen, die aus Fortschreibungen aus Melde- und Standesämtern (Geburten, Todesfälle, Eheschließungen und Scheidungen, Zu- und Fortzüge) generiert werden, zu aktualisieren.

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Die Zahlen werden als amtliche Grundlage für die Verteilung öffentlicher Gelder benötigt. Die Einwohnerzahl einer Stadt ist die zentrale Berechnungsbasis. Und ob Castrop-Rauxel wirklich noch mehr als 74.000 Einwohner hat, war zuletzt hinterfragt worden. Das ist beispielsweise wichtig für den Länderfinanzausgleich, den kommunalen Finanzausgleich, die Einteilung der Wahlkreise und die Pro-Kopf-Berechnung von EU-Fördermitteln. Sie sind an die jeweilige Einwohnerzahl geknüpft.

Letzte Vollerhebung im Jahr 1987

Eine Volkszählung in Form einer Vollerhebung wird es diesmal nicht geben. Eine solche wurde zuletzt 1987 im früheren Bundesgebiet und 1981 in der ehemaligen DDR durchgeführt. Stattdessen werden die Daten in einem registergestützten Zensus wie 2011 erhoben. Unterschiedliche öffentliche Register werden mit dem aktuellen Melderegister abgeglichen. So lassen sich „Karteileichen“ und „Fehlbestände“ deklarieren, die über die Jahre die geführten Zahlen immer weiter von der eigentlich korrekten Zahl entfernen.

Die Zählung dient also der Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahl von Bund, Land und Gemeinden zum Berichtszeitpunkt 16. Mai 2021. Kreis Recklinghausen und die Stadtverwaltung arbeiten nun intensiv daran.

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Der Zensus liefert auch Daten zur Erwerbstätigkeit, Wohnsituation sowie Zahlen zu Gebäuden und Wohnungen, die Bemessungsgrundlage bei diversen Planungsprozessen sind. Zum Thema Wohnen werden bei der Gebäude- und Wohnungszählung beispielsweise die Nettokaltmiete, Leerstandsdauer und -gründe erfragt. „Dadurch entsteht erstmalig ein bundesweit detailliertes Bild von Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung zum Hauptausschuss vom 25. Juni. Diese Merkmale wurden beim Zensus 2011 noch nicht erhoben.

Wird der Termin aufgeschoben?

Aufgrund der Corona-Krise steht nun allerdings zur Diskussion, den für 2021 vorgesehenen Zensus zu verschieben. Denn eine solche Befragung wird in Vier-Augen-Gesprächen durchgeführt. Organisatorische und rechtliche Fragen zu einer Änderung des Zensusgesetzes und des EU-Rechts werden derzeit intern abgeklärt. Bleibt es beim Termin, rechnet man derzeit mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse im vierten Quartal 2022.

In Castrop-Rauxel werden 4500 Personen an 870 Anschriften befragt. 30 bis 40 Erhebungsbeauftragte müssen dafür ausschwärmen. Im Kreis Recklinghausen insgesamt werden 42.000 Personen an 7000 Anschriften befragt.

Und welche? Die Anschriften werden als Stichprobe gezogen. Alle zum Stichtag dort lebenden Personen werden ermittelt und befragt. Für den gelosten Bürger besteht Auskunftspflicht. Zudem wird es eine Vollerhebung an Sonderanschriften geben. Dazu zählen Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften aufgrund einer hohen Fluktuation. Das Ergebnis wird auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Das Land NRW zahlt Kreisen einen finanziellen Ausgleich in Höhe von rund 46 Millionen Euro. Der Verteilerschlüssel berücksichtigt die voraussichtlichen Fallzahlen, den Arbeitsaufwand sowie den Sachaufwand in den örtlichen Erhebungsstellen.

Diese Daten soll der Zensus 2021 liefern

  • Die aktuelle Einwohnerzahl
  • Daten zur Demografie (Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft)
  • Daten zur Wohn- und Wohnungssituation wie durchschnittliche Wohnraumgröße, Leerstand oder Eigentümerquote
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