Nackte Frau hält sich auf Plakaten Äpfel vor die Brust: Sexismus in Castrop-Rauxel?

dzNetto Marken-Discount

Netto-Plakate mit halbnackten Frauen und Männern empören in sozialen Netzwerken die Menschen. Und in Castrop-Rauxel auch. Laut Netto geschehe diese Werbung „der Umwelt zuliebe“.

Castrop-Rauxel

, 23.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Halbnackte Frauen und Männer hängen bundesweit an diversen Plakaten. Auch in Castop-Rauxel, darunter am Busbahnhof Münsterplatz. Oft zu sehen: eine nackte Frau, die sich Äpfel vor die Brüste hält und süffisant in die Kamera lächelt.

Dazu die Zeile: „Nackte Tatsachen: Wir haben unverpacktes Obst und Gemüse.“ Eine andere Frau absolviert die gleiche Übung mit Gemüse. Plakate mit fast nackten Männern sind seltener zu sehen.

Nackte Haut soll zum Plastikverzicht animieren

Dahinter steckt der Netto Marken-Discount, der vor allem Lebensmittel in seinen Filialen anbietet. Drei gibt es in Castrop-Rauxel: an der Pallasstraße/Grutholzallee, der Herner Straße und der Wartburgstraße. Durch die Werbekampagne sollen Kunden animiert werden, Obst und Gemüse ohne Verpackung zu kaufen, um Plastik zu sparen.

Angesichts der verschmutzten Weltmeere ist das Anliegen wichtig, aber: Oft macht auch der Ton die Musik. Und der gefällt Marion Baar aus Castrop-Rauxel überhaupt nicht. „Das ist sexistisch, weil mit Fraukörpern Geld verdient wird“, sagt sie.

Taxifahrer: „Das ist eine Bombenfrau“

Zwei Taxifahrer, die namentlich nicht genannt werden möchten und am Münsterplatz stehen, amüsieren sich über das Plakat. Einer sagt: „Das ist eine Bombenfrau. Ohne das Obst vor der Brust wäre das Plakat noch besser.“

Den Sexismus-Vorwurf können beide nicht nachvollziehen: „Die Werbung ist natürlich zweideutig. Aber wenn man sich die Anzeigen heutzutage anschaut, dann ist das doch eher harmlos“, sagt einer.

In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik

In sozialen Netzwerken sehen das die meisten User anders. Dort steht vor allem der Sexismus-Vorwurf im Raum. Ein Twitter-User schreibt: „Welche Zielgruppe soll das ansprechen? Sexistische Ökos? #Netto“

Eine Twitter-Nutzerin schreibt: „Alles andere als zeitgemäß, eine nackte Frau zu Werbezwecken zu verdinglichen, um grün zu sein.“ Daher sei die Kampagne „völlig daneben“.

Netto reagiert auf die Vorwürfe

Gegenüber der „Westfalenpost“ äußerte sich eine Pressereferentin von Netto wie folgt zu den Vorwürfen: „Die Posen der Models sind bewusst humorvoll inszeniert mit einer positiven Wortwahl.“

Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Netto, eklärt den Sinn und Zweck der Werbekampagne: „Unser Sortiment bietet bis zu 100 unverpackte Artikel in der Obst- und Gemüseabteilung. Darauf wollen wir die Aufmerksamkeit unserer wöchentlich 21 Millionen Kunden lenken – der Umwelt zuliebe. Denn wer unverpackt kauft, der spart Plastik und hilft, Verpackungsmüll zu reduzieren. Das ist uns bei Netto ein wichtiges Anliegen.“

Wann ist Werbung sexistisch?

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ definiert frauenfeindliche Werbung unter anderem wie folgt: „Das sexualisierte Darstellen der Frau oder Reduzierung auf bestimmte Körperteile hat keinen Zusammenhang mit dem Produkt und dient nur als Blickfang.“

Entsprechend dieser Erklärung liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Netto-Plakaten um Sexismus handelt. Denn es gibt offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen den halbnackten Körpern der Frauen und Männer sowie dem plastikfreien Einkaufen.

Ähnliche Kritik hatten vor einigen Jahren die Betreiber des Bordells „McFick“ und der Fitnessstudio-Betreiber „Easy Fitness“ („Wir erkennen dein POtenzial“) mit umstrittenen Plakatkampagnen ausgelöst.

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