Häusliche Gewalt hat es offenbar häufiger hinter den Türen einer Castrop-Rauxeler Wohnung gegeben. © picture alliance / Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Amtsgericht

Nach Schlägen mit dem Gürtel gelang die Flucht ins Frauenhaus

Nach außen wirkten sie wie eine Bilderbuchfamilie. Doch hinter der verschlossenen Tür gab es Eifersucht und Gewalt. Nun hat sich ein Ehepaar nach eineinhalb Jahren vor Gericht wiedergesehen.

Eine nette Familie, ein junges Ehepaar mit zwei Kindern, heute 6 und 8 Jahre alt. Doch heute ist die Familie längst kaputt, das Paar hat sich nach rund eineinhalb Jahren vor dem Strafrichter im Castrop-Rauxeler Amtsgericht zum ersten Mal wiedergesehen. Beide mit einem Anwalt an der Seite.

Denn der Eindruck von einer Bilderbuchfamilie hatte getrogen. Hinter der verschlossenen Wohnungstür gab es für die Frau Schläge, sogar mit einem Gürtel. Zuletzt im Juni 2019. Da raste der inzwischen 31-jährige Ehemann vor Eifersucht, weil er glaubte, seine Frau habe einen Anderen. Weil sie – mal wieder – am Handy chattete.

Ein unhaltbarer Verdacht, wie sich später herausstellte. Die Frau hatte zwar Internet-Kontakte, aber nie jemanden persönlich getroffen. Für sie war es eine Möglichkeit zur Kommunikation, weil sie sich so eingesperrt fühlte. „Frauen und Kinder haben doch auch Rechte“, will sie ihrem Mann vorgehalten haben.

Fotos zeigen Verletzungen

Doch der Mann reagierte mit Gewalt, schlug die Mutter seiner Kinder. Auch mit genau dem Gürtel, der nun auf dem Richtertisch lag. Fotos der Verletzungen daneben. Und die zeigten Hämatome, die unterschiedlich alt waren, wie dem Bericht der Gerichtsmedizin zu entnehmen war.

Der Quälerei ein Ende setzten konnte die Frau endlich, als sie eines Mittags mit ihrem Mann in die Stadt fuhr. Sie hatte Angst, entsetzliche Angst – und floh in einem günstigen Moment aus dem Auto. Wandte sich in ihrer Panik an eine unbekannte Frau, die das einzig Richtige tat. Sie brachte die 28-Jährige zur Polizei. Von dort aus fanden sie und ihre Kinder Zuflucht in einem Frauenhaus. Die gemeinsame Familienwohnung haben sie nie wieder betreten.

Bereit zwei Wochen nach der Hochzeit habe sie das erste Mal Schläge erhalten, nur wegen ihrer Kinder habe sie die Situation so lange erduldet, sagte die Frau aus. Davon wollte der Angeklagte nichts wissen, gab lediglich zu, die Frau am strittigen Tag geschlagen zu haben. Allerdings nur mit der flachen Hand. Er habe immer das Beste für Frau und Kinder gewollt.

Bewährungsstrafe

Doch dann, nach einer Unterredung mit seinem Verteidiger, die Kehrtwende. „Mein Mandant räumt die Vorwürfe ein“, so der Rechtsanwalt. Weitere Erklärungen gab es nicht. Dafür ein Urteil: Wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung wurde der 31-Jährige zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er in Raten 1000 Euro Schmerzensgeld an die Frau zahlen.

Das Geld leitet der Anwalt der Frau weiter, denn ihr Wohnort bleibt geheim. Ein Wiedersehen gibt es dennoch – vor dem Familienrichter.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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