Der Corona-Test bei Ralf H. ist negativ ausgefallen. © Martin von Braunschweig
Schwurgericht

Nach Corona-Unterbrechung: Urteil im Schalla-Prozess könnte bevorstehen

Nächster Anlauf im Schalla-Prozess: In der kommenden Woche werden die Plädoyers und vielleicht auch schon das Urteil erwartet. Ein Corona-Verdacht hat sich nicht bestätigt.

Als das Landgericht in dieser Woche zum wiederholten Mal die kurzfristige Absage der Plädoyers bekanntgeben musste, war die Aufregung groß. Denn der Grund hätte unter Umständen weitreichende Folgen haben können.

Hatte es zunächst nur geheißen, „eine am Verfahren beteiligte Person“ stehe unter Corona-Verdacht, wurde später klar, dass es sich dabei um den Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel handelte. Hätte dieser sich nun tatsächlich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert, wäre eine wochenlange Unterbrechung des Verfahrens wahrscheinlich gewesen.

Entwarnung am Freitag

Am Freitag (8.1.) gab das Landgericht jedoch Entwarnung. Der vereinbarte weitere Verhandlungstermin am 11. Januar bleibe bestehen, hieß es. Das bedeutet, dass sich der Corona-Verdacht bei Ralf H. nicht bestätigt haben kann.

Sollte nun tatsächlich nichts mehr dazwischenkommen, wird Staatsanwalt Felix Giesenregen am Montag als erster sein Plädoyer halten. Dass er davon überzeugt ist, mit dem Angeklagten den Mörder von Nicole-Denise Schalla vor sich sitzen zu haben, hat Giesenregen mehr als nur einmal deutlich gemacht.

Staatsanwalt plädiert zuerst

Der Staatsanwalt weiß, dass bei nachträglichen DNA-Untersuchungen im Sommer 2018 eine Hautschuppe identifiziert wurde, die eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden konnte. Und er weiß auch, dass Ralf H. schon wegen mehrerer Überfälle auf Frauen vorbestraft ist und viele Jahre im Gefängnis gesessen hat.

Der Angeklagte beteuert dagegen seit seiner Festnahme seine Unschuld. Mehrmals hat er sich direkt an die Eltern der im Oktober 1993 getöteten Schülerin gewandt und ihnen gesagt, dass er nicht der Mörder ist. Sigrid und Joachim Schalla glauben ihm jedoch kein Wort.

Eltern wollen endlich Klarheit

Sie wollen endlich Klarheit haben, sie wollen endlich den Tag erleben, an dem der Mörder ihrer Tochter verurteilt wird.

Ob dies schon am Montag so weit sein wird, steht noch nicht fest. Nach dem Staatsanwalt werden erst noch Nebenklage-Anwältin Arabella Pooth und die beiden Verteidiger Udo Vetter und André Bohn plädieren. Und nur, wenn danach noch ausreichend Zeit für eine intensive Urteilsberatung bleibt, werden die Richter auch schon das Urteil sprechen.

Noch kein weiterer Verhandlungstag terminiert

Dass sie nicht nicht noch einmal leichtfertig einen zusätzlichen Verhandlungstag anberaumen werden, ist aber auch nur logisch. Zu viel Ungewöhnliches und Kurzfristiges ist in diesem Verfahren schon geschehen.

Vor dem Corona-Verdacht gegen Ralf H. hatte sich im Dezember zum Beispiel auch schon Staatsanwalt Giesenregen in häusliche Quarantäne begeben müssen.

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