Grundschüler dürfen seit Anfang dieser Woche auch an Musikschulen wieder in den Präsenzunterricht – allerdings nur einzeln. © picture alliance / Britta Peders
Coronavirus

Musikschulen öffnen wieder – das meiste läuft trotzdem weiter online

Seit Wochenbeginn dürfen Musikschulen in NRW wieder für Grundschüler öffnen. Für die Musikschulen in Castrop-Rauxel kam die Ankündigung überraschend – und führt zu einigen Problemen.

Seit Anfang der Woche dürfen in ganz NRW nicht nur wieder die Grundschulen öffnen, auch Musikschulen ist es wieder erlaubt, Direktunterricht anzubieten. Zwar erst einmal nur für Grundschüler und im Einzelunterricht, „aber immerhin bewegt sich was“, sagt Patrick Nagel, Leiter der Rock’n’Roll-Musikschule in Habinghorst.

Gemeinsam mit seinem Team musste er ziemlich flott reagieren. „Am Freitag (19.2.) mailte uns eine Schülerin die Info, da schauten wir natürlich erst mal nach und sprachen uns anschließend ab, wie wir das hinbekommen“, erzählt er.

Musiklehrer werden von der Öffnung überrascht

Ähnlich überraschend kam die Ankündigung auch für Angelika Lüdke-Szech von der Musikschule Dur & Moll auf der Oberen Münsterstraße. „Wir hätten nicht damit gerechnet“, sagt die Leiterin der Musikschule.

Angelika Lüdke-Szech, Leiterin der Musikschule Dur & Moll
Angelika Lüdke-Szech, Leiterin der Musikschule Dur & Moll © Foto Fritsch © Foto Fritsch

„Das ist natürlich ein riesiger organisatorischer Aufwand für uns. Praktisch müssten die Musiklehrer im Wechsel Präsenz- und Digitalunterricht abhalten, da nicht alle Grundschulkinder an einem Tag unterrichtet werden. Das ist so kurzfristig schon ein Mammutprojekt“, sagt sie. Zeitpläne, wann welcher Schüler in die Musikschule kommt, dementsprechende Stundenpläne für ihre Lehrer und noch mehr müssten jetzt erst einmal erstellt werden.

Präsenzunterricht vorerst in kleinen Dosen

Deshalb sieht Lüdke-Szech noch nicht, dass in ihrer Musikschule bereits in dieser Woche wieder musiziert wird. Nagel konnte hingegen bereits am Montag (21.2.) den ersten Schüler vor Ort begrüßen.

Patrick Nagel, Leiter der Rock‘n‘Roll-Musikschule
Patrick Nagel, Leiter der Rock‘n‘Roll-Musikschule © Christian Püls © Christian Püls

Das Gefühl war für den Musiklehrer großartig. „Man hat wirklich gemerkt, dass das menschliche Miteinander doch irgendwo gefehlt hat. Zwar macht man seine Witze und Späße auch im Online-Unterricht, aber als Musiker ist man einfach ein soziales Tier und genießt das direkte Miteinander“, erzählt der Leiter der Rock’n’Roll-Musikschule.

„Habe schon mit den Hufen gescharrt“

Auch Oliver Settele, Leiter der Musikschule „Altes Rathaus“ an der Ringstraße, freut sich, wenigstens einige seiner Schüler wieder direkt zu treffen. „Ich habe schon mit den Hufen gescharrt, wann es endlich wieder losgeht. Musikunterricht soll die Kinder ja eigentlich vom Bildschirm wegbekommen und nicht extra noch eine Gelegenheit geben“, sagt der Musikpädagoge.

Nur die strenge Einschränkung auf Grundschulkinder irritiert ihn etwas. „Wir haben mehrere Geschwisterpaare bei uns, die man auch zusammen unterrichten könnte. Warum das nicht sicher genug ist, bleibt mir ein Rätsel ist“, wundert sich Settele.

Musiklehrer erkennen keine Logik hinter Entscheidung

Auch Lüdke-Szech hinterfragt die Entscheidung, den Einzelunterricht nur auf Grundschulkinder zu beschränken. „Ich frage mich, welche Logik dahinter steckt. Zumal sich mir auch die Frage aufdrängt, ob viele Eltern das überhaupt wollen? Schließlich sind ihre Kinder ja bereits in der Schule einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.“

Viele Musikschüler müssen weiterhin in den Online-Unterricht gehen.
Viele Musikschüler müssen weiterhin in den Online-Unterricht gehen. © Musikschule DUR & mo © Musikschule DUR & mo

Zumal der Online-Unterricht nicht nur dem Schutz der Schüler, sondern auch dem der Lehrkräfte diene. Deshalb stelle sie ihren Lehrern frei, ob sie Präsenzunterricht anbieten wollen.

Online-Unterricht immer noch bevorzugt

Nagel kann die Entscheidung vorerst zu Hause unterrichten zu wollen, vollkommen nachempfinden, auch er stellt seinen Lehrern frei, in die Musikschule zu kommen – wie übrigens auch Settele. „Ungefähr fünf Prozent unser Schüler sind in dem Alter, dass wir sie jetzt vor Ort unterrichten könnten“, erzählt er. Dementsprechend laufe das meist noch online.

Doch das könnte sich schon bald ändern „Es scheint, dass nicht nur wir auf ein grünes Licht gewartet haben. Seit dem Wochenende sind unfassbar viele Anfragen nach Probestunden eingegangen“, erzählt der Musiker. „Seit Beginn der Pandemie haben wir uns vorgenommen, so wenig negativ zu sehen wie möglich. Jetzt haben wir auch einen echten Grund dazu.“

Die vorgestellten Musikschulen:

  • Rock’n’Roll-Musikschule, Wartburgstr. 69: Einzelunterricht ab 65 Euro, Gruppenunterricht ab 26 Euro, Flexikarte 26 Euro pro Einheit. Tel. 0157 30992845 oder auf der Homepage der Musikschule buchbar.
  • Musikschule Dur & Moll, Obere Münsterstraße 6: Schnupperkurse ab 60 Euro, kostenlose Mitmachstunden für Kinder ab 4 Jahre. Tel. 02305 34559 oder auf der Homepage der Musikschule buchbar.
  • Musikschule Altes Rathaus, Ringstraße 29: Schnupperkurse ab 65 Euro, Prepaidkarten für flexiblen Unterricht ab 100 Euro (fünfmal 30 Minuten). Kontakt: Tel. 02305 3098308 oder über die Homepage der Musikschule.
Über den Autor
Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.