Aus Mülldeponie wird eines der schönsten Naherholungsgebiete Castrop-Rauxels

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Monatelang wurde für Millionenbeträge saniert, gesichert und umgebaut. Aus der Mülldeponie Brandheide ist ein Naherholungsgebiet geworden. Aber wie schön ist es dort jetzt wirklich?

Castrop-Rauxel

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist ein Paradies geworden, einfach wunderschön“, sagt Bettina Bauert. Die Frohlinderin ist öfter mit ihren Hunden im Dorf Frohlinde und ums Dorf herum unterwegs. Bei unserem Gespräch setzt sich ihr Hund Merle brav auf die Hinterbeine. Dann können wir reden.

Aus Mülldeponie wird eines der schönsten Naherholungsgebiete Castrop-Rauxels

Bettina Bauert ist seit 2010 mit ihrer Familie Frohlinderin. Sie ist öfter mit ihren Hunden im Dorf und ums Dorf herum unterwegs - und freut sich nun mit Merle über die „neue Brandheide“. © Tobias Weckenbrock

Die Bauarbeiter, sagt sie, hätten sich sehr bemüht, „die Belastung für Anwohner in einem erträglichen Rahmen zu halten“. Sie sagt das, wohnt allerdings auch unten im Dorf. „Total toll, dass man jetzt nach anderthalb Jahren Sperrung endlich wieder hier lang laufen kann.“

Staunen über die zugrunde gelegte Akribie

Bettina Bauert staunt besonders über die Akribie, die man hier zugrunde gelegt hat: „Da unten sind ja sogar ein paar Totholz-Bäume stehen geblieben, um die Brutpaare, die man dort gefunden hat, nicht zu stören“, sagt sie. „Hier ist an viele Dinge gedacht worden.“

Schlendert man heute über das Gelände der ehemaligen Deponie Brandheide, braucht es viel Fantasie um sich vorzustellen, dass man hier eigentlich über einen riesigen Müllberg stapft. Die Bilder aus unserem Luftvideo mit der Drohne zeigen, eindrucksvoll, wie schön die Wege hier geworden sind.

Video
Ein Rundflug über die "neue" Brandheide

Die meisten Arbeiten zur Sanierung des Projekts sind mittlerweile abgeschlossen. Nach rund 18 Monaten läuft der Mühlenbach nicht mehr in unterirdischen Rohren, sondern oberirdisch in einem eigens dafür angelegten Bachbett.

Bach ist mit unsichtbarer Folie abgedichtet

Damit das Wasser nicht wieder in den Boden versickert, dort Reststoffe aus dem kontaminierten Untergrund auslöst und ins Grundwasser befördert, ist der Bach mit einer Folie abgedichtet. An der Oberfläche erobert sich nach und nach die Natur ihren Raum zurück.

Folgt man dem kleinen Wasserlauf bis zur Kaskade am nordöstlichen Ende der Deponie, bekommt man einen guten Blick auf die natürliche Kläranlage, einen der vielen technischen Bestandteile des Sanierungskonzepts. Sie filtert Nitrate, polyzyklisch Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und weitere aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und die Xylole (BTX) aus dem Sickerwasser der Deponie heraus.

Entstanden ist auch der Bachlauf entlang des Weges: Der Mühlenbach wurde an die Erdoberfläche zurück geholt, nachdem er Jahrzehnte durch Rohre unterirdisch verlief und auch für die vielen Schadstoffeinträge in die Emscher mitverantwortlich war.

Fischtreppe ohne Fische

Fische wird es hier wahrscheinlich nie geben, aber dennoch hat man eine Fischtreppe bauen müssen, um den Erfordernissen der Wasserrahmenrichtliche zu entsprechen.

Die Kosten dafür hat immerhin nicht die Stadt tragen müssen. Das Projekt kostete insgesamt rund 10 Millionen Euro, 7,1 Millionen Euro sind vom Land NRW gefördert.

Die Firschtreppe ist praktisch als Umleitungsstrecke für die aufwendige Wasserkaskade zu sehen: Hier hätten Fische keine Chance, den Bachlauf hinauf zu kommen. Den Umweg über die Fischtreppe können sie schaffen.

Das trifft aber eher auf die Flusskrebse zu, die hier schon eher eines Tages wandern könnten. Wandern ist aber vor allem für Spaziergänger schon jetzt möglich. So wie für Bettina Bauert. Denn die meisten Arbeiten zur Sanierung sind mittlerweile abgeschlossen.

Wald wird zum Teil noch gerodet

Ein paar Arbeiten stehen noch an. Im Herbst wird der Laubwald, der oben auf der Deponie steht, zum Teil gerodet und neu aufgeforstet. Der Laubbaumbestand soll teilweise gerodet und mit immergrünen Nadelbäumen ergänzt werden. So soll der natürliche Schirm gegen Sickerwasser durch Regen das ganze Jahr über funktionieren.

Geschichte der Brandheide

Mülldeponie in den 60er-Jahren

  • Die Brandheide diente zwischen 1959 und 1972 zur Ablagerung von Hausmüll, Boden und Bauschutt sowie teerbehafteten Abfällen in Form sogenannter Teerschlämme.
  • Die Deponie unterlag nicht dem erst 1972 in Kraft getretenen Abfallrecht (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz) und dessen technischen Spezifikationen (z.B. TA-Abfall oder TA-Siedlungsabfall). So verfügt der Standort über keinerlei technische Sicherungssysteme (Sickerwasser- und Gasfassung, Sohl-, Flanken oder Oberflächenabdichtung, Oberflächenentwässerung) verfügt.
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