Müllabfuhr ist jetzt 90 Jahre alt: 1929 waren 6200 Ringtonnen und zwei Laster im Einsatz

dzVorläufer des EUV

Alte Müllautos auf großen Plakaten: Der EUV erinnerte beim Tag der offenen Tür kürzlich an die Anfangszeit der Müllabfuhr in Castrop-Rauxel. Die liegt jetzt 90 Jahre zurück. So ging es los.

Castrop-Rauxel

, 13.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

90 Jahre alt ist die Müllabfuhr in Castrop-Rauxel. 34.000 Tonnen fährt der EUV-Stadtbetrieb im Jahr aus den Haushalten der Stadt ab.

180 Mitarbeiter auf dem Betriebshof und in den Büros am Westring sorgen unter anderem für eine reibungslose Leerung von 70.000 Abfallbehältern, die im Stadtgebiet aufgestellt sind. Eine starke logistische Leistung, die da Tag für Tag vollbracht wird.

Einwohnerzahl explodierte - nur wohin mit dem Müll?

Das war vor 90 Jahren alles noch ein bisschen anders: Im Jahr 1925 hatte Castrop-Rauxel 18.000 Einwohner. Bis 1933 sollte diese Zahl emporschnellen wie nie zuvor: In acht Jahren wuchs die Zahl laut Statistikern auf rund 58.000 Einwohner - der Kohle und der angehängten Industriebetriebe sei Dank.

Müllabfuhr ist jetzt 90 Jahre alt: 1929 waren 6200 Ringtonnen und zwei Laster im Einsatz

So sahen die ersten Großraum-Müllfahrzeuge aus, die in der Stadt Castrop-Rauxel in den 30er-Jahren im Einsatz waren. © EUV

In diese starke Wachstumsphase fiel die Frage danach, wie man das Zusammenleben in einer explodierenden Stadt besser regelt. 1926 wurde zum Beispiel ein Stadtwappen verabschiedet. Viel praktischer war aber die Frage zu lösen, wie man dem zunehmenden Müllaufkommen etwas entgegen setzt.

Erste Müllverbrennung war schon 50 Jahre alt

Die erste Müllverbrennungsanlage der Welt war zu dem Zeitpunkt schon 50 Jahre alt. In Hamburg wurde eine solche 1896 in Betrieb genommen - als erste in einer deutschen Stadt.

Grund waren Epidemien in den stark wachsenden Städten: Eine Cholera suchte 1892 Hamburg heim. Schon im 16. Jahrhundert hatte man zwar damit begonnen, Abfälle und Exkremente auf umliegende Felder zu bringen und sie nicht mehr einfach über Kanäle zu „entsorgen“.

Zentraler organisierter Transport musste her

Anfang des 20. Jahrhunderts war für die Entsorgung noch jeder Bürger selbst verantwortlich, genauso wie die in der Stadt beheimateten Unternehmen. Nun stand fest: ein zentraler organisierter Transport sollte her.

Müllabfuhr ist jetzt 90 Jahre alt: 1929 waren 6200 Ringtonnen und zwei Laster im Einsatz

Der städtische Fuhrpark von Castrop-Rauxel im Jahr 1963: Hier sieht man nicht nur die VW Käfer der Belegschaft, sondern auch die Müllautos, die damals im Einsatz waren. © EUV

So erteilte die Stadtverordnetenversammlung Castrop-Rauxels, ein gewähltes politisches Gremium wie heute der Stadtrat, 1929 dem damaligen Magistrat am 12. September 1929 die Zustimmung zur Einführung einer städtischen Müllabfuhr.

Der Bürger zahlt: Gebührenordnung wurde 1929 erlassen

Dann ging es schnell: Am 1. Oktober erließ die Stadtverwaltung eine Ortssatzung und eine Gebührenordnung für die Abfuhr der damals anfallenden Haushaltsabfälle, wie einer Broschüre des EUV heute zu entnehmen ist. Das heißt, die Bürger wurden damals schon per Gebührenbescheid zum Zahlen für diese Dienstleistung verpflichtet.

Die Bezirksregierung Arnsberg genehmigte die Müllabfuhr und die Gebührensatzung am 29. Oktober 1929. So ging es los mit einer geordneten Entsorgung. Damals gab es noch keinen EUV, das Tochterunternehmen der Stadt ist heute „erst“ 25 Jahre alt.

Tonnen-Umleer-System mit verzinkten Ringtonnen

Es war die städtische Müllabfuhr, die nach dem sogenannten Tonnen-Umleer-System arbeitete: Der Abfall wurde in runden, verzinkten Ringtonnen mit verschließbaren Deckeln gesammelt. Die Behälter waren Eigentum der Stadt und wurden in den Höfen und Gärten der Grundstücke aufgestellt.

Einmal in der Woche brachten die Mitarbeiter die Tonnen am Leerungstag zum Müllwagen, leerten sie und stellten sie wieder an Ort und Stelle zurück. Am Grundprinzip hat sich also bis heute nichts geändert, während in anderen Städten seit längerer Zeit Müllautos mit automatischem Seiten- oder Hecklader unterwegs sind, die normalerweise kein Laderpersonal mehr brauchen.

Anfangs waren zwei Großraum-Müllwagen im Einsatz

Aber zurück in die 30er-Jahre: Gemäß dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung kaufte die Stadt damals 5000 Ringtonnen mit 110 Litern Fassungsvermögen und und 1200 Ringtonnen mit 60 Litern. Zwei Großraum-Müllwagen und ein Elektrokarren, der in engen Straßen dem Transport der Behälter diente, fuhren durch die Stadt. Im Jahr wurden so in den ersten Jahren 22.000 Kubikmeter Abfall abgefahren.

Müllabfuhr ist jetzt 90 Jahre alt: 1929 waren 6200 Ringtonnen und zwei Laster im Einsatz

Heute stehen 20 solcher großen Müllfahrzeuge auf dem EUV-Betriebshof am Westring. © Tobias Weckenbrock

22 Millionen Liter im Jahr: Heute liegt allein das Fassungsvermögen der 70.000 Abfallbehälter, die in der Stadt verteilt sind, bei 4,3 Millionen Litern.

Kaum Pause im Krieg: Und danach großes Wachstum

Im Zweiten Weltkrieg konnte die Müllabfuhr weitgehend aufrecht gehalten werden. Sie musste nur zwischenzeitlich mal eingestellt werden, wenn die Fahrzeuge bei Angriffen stark beschädigt wurden. Nach dem Krieg überholte die Stadt den Fuhrpark und vergrößerte ihn in den Folgejahren nach und nach.

Heute hat der EUV 20 Müllsammelfahrzeuge täglich im Einsatz. 1996 hat er die Aufgabe von der Stadt übertragen bekommen. Jährlich bewegen die Mitarbeiter im Stadtgebiet über eine Million Abfallbehälter: Restmüll, Bioabfall, Altpapier und Wertstoff-Verpackungen in den gelben Tonnen.

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